Freitag, 28. April 2017

Überfordert? AfD sagt Demos in Hamburg und Düsseldorf ab

Die beiden AfD-„Arbeitnehmerorganisationen“ AVA und AidA haben ihre Veranstaltungen zum 1. Mai in Düsseldorf und Hamburg abgesagt. In Erfurt ruft Björn Höckes AfD-Landesverband Thüringen am Tag der Arbeit zu einer Demonstration auf. In Zwickau organisiert AfD-Bundestagskandidat Benjamin Przybylla eine Kundgebung.

Teilnehmer einer AfD-Demonstration

Die „Alternative Vereinigung der Arbeitnehmer“ (AVA) blies ihre „Großkundgebung“ in der NRW-Landeshauptstadt ab. Offiziell begründet wurde der Rückzug mit der Sorge um die Sicherheit der Teilnehmer und der eingesetzten Polizeibeamten. In Düsseldorf hatten der AVA-Bundesvorsitzende Uwe Witt sowie die beiden Landeschefs Guido Reil und Günter Koch sprechen sollen, außerdem ein „sehr prominenter Politiker aus einem Nachbarland“, der freilich nicht namentlich genannt wurde. Angeblich erwartete die AVA am 1. Mai mehr als 1000 Teilnehmer – eine Angabe, die man in Zweifel ziehen darf. Auch zum Wahlkampfauftakt der nordrhein-westfälischen AfD mit den beiden Bundessprechern Frauke Petry und Jörg Meuthen hatte die Partei eine vierstellige Teilnehmerzahl angekündigt. Am Ende kamen aber nur zwischen 300 und 400 Anhänger nach Essen.

Nicht ausgeschlossen wird, dass die rechtspopulistische Partei mit der Absage auch ein internes Problem umgehen will: Seit voriger Woche wirbt ihr Düsseldorfer Kreisverband für einen Wahlkampfauftritt mit Petry und Landeschef Marcus Pretzell an diesem Freitag. Zwei Veranstaltungen in einer Stadt binnen drei Tagen hätten die AfD aber organisatorisch überfordern und die Teilnehmerzahl bei beiden Aktionen drücken können.

Organisatorisch überfordert

Die „Arbeitnehmer in der AfD“ (AidA), die in Hamburg vollmundig 2000 Anhänger angekündigt hatten, cancelten ihre 1. Mai-Kundgebung ebenfalls. AidA sah sich – so jedenfalls die offizielle Erklärung – organisatorisch überfordert. Eine Bestätigung der Anmeldung erhielt der Verband demnach erst kurz nach Ostern. „Innerhalb einer derart kurzen Zeitspanne ist es vollkommen unmöglich, eine Kundgebung dieser Art und Größe erfolgreich durchzuführen.“

Wie man Großveranstaltungen aufzieht, könnte die Thüringer AfD den beiden selbst ernannten  „Arbeitnehmer-Vereinigungen“ vormachen. Sie ruft am Montag zur Demo in Erfurt auf, bei der es auch um die Gründung eines „Alternativen Arbeitnehmerverbands Mitteldeutschland“ (ALARM!) gehen soll. (bnr.de berichtete hier und hier) „ALARM!“ wäre die dritte Gruppe, die vorgibt, in der AfD Arbeitnehmerinteressen vertreten zu wollen – und diesmal eine, die stramm auf der Linie von Höcke agiert. AVA-Bundeschef Witt, der zum Petry-Lager gerechnet werden kann, ließ schon einmal wissen, die neue Vereinigung sei „so sinnvoll wie besagter Pickel am Popo“. Bei Höckes Veranstaltung am 1. Mai in Erfurt sollen der Landtagsabgeordnete Stephan Brandner sowie sein Adlatus Jürgen Pohl sprechen. Pohl koordiniert die Aktivitäten von Höckes Gruppierung „Der Flügel“ in Thüringen.

Elsässer spricht in Zwickau

In Zwickau organisiert AfD-Bundestagskandidat Benjamin Przybylla eine Kundgebung. Zwar wirbt er dafür mit dem Logo seiner Partei, agiert aber ohne die Unterstützung des örtlichen AfD-Kreisverbandes. „Wir haben ihm die Durchführung der Veranstaltung untersagt“, zitierte die Chemnitzer „Freie Presse“ den Kreischef Frank Forberg. Die Zwickauer AfD hadert dem Bericht zufolge schon länger mit ihrem extrem nach rechts driftenden Kandidaten. Am vorigen Montag stand er bei Pegida in Dresden auf der Bühne. Dort bejubelte er den Beschluss des sächsischen AfD-Parteitags gegen eine Abgrenzung zu Pegida: „Jetzt muss endlich zusammenwachsen, was zusammengehört.“

Als Redner sollen auf dem Zwickauer Kornmarkt neben Przybylla unter anderem der sächsische Partei-Rechtsaußen Jens Maier sowie „Compact“-Chef Jürgen Elsässer auftreten. Elsässers Motto für den 1. Mai: „Für die nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes!“ Aus Neonazi-Mund dürfte das kaum anders klingen.

Artikel mit freundlicher Genehmigung des „blick nach rechts“ übernommen.