Dienstag, 23. Februar 2016

Mvgida-Demo: Neonazi-Kader greift Pressevertreter an

Erneut fanden sich am Montagabend Anhänger der von der NPD dominierten Mvgida ein – rund 200 Personen folgten den NPD-Parolen. Kurz nach der Demonstration schlug ein bekannter Neonazi-Aktivist auf einen Pressevertreter ein.

Auch das aktuell für Wahlkämpfe verwendete NPD-Plakat war in Grevesmühlen dabei; Foto: Hans Schlechtenberg (Symbolfoto)

Noch immer wundern sich vereinzelte Sympathisanten der rechtsextremen Mvgida, warum auf der Demonstration NPD-Plakate oder Kader der Partei zu sehen seien. Dabei werden die „Spaziergänge“ bereits seit Monaten von eben jenen Personen angemeldet, organisiert und durchgeführt. Selbst der Verfassungsschutz spricht mittlerweile von einer „Steuerung der Mvgida-Bewegung durch Rechtsextremisten und insbesondere durch die NPD“.

Die Brisanz der Aufmärsche ist auch der NPD bewusst. Kommende Woche startet das Verbotsverfahren gegen die Partei, ein Fokus liegt auf dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Wohl nicht ohne Grund weisen Redner wie Andreas Theißen gebetsmühlenartig darauf hin, sich nicht provozieren zu lassen. Man solle Presse und Gegendemonstranten einfach ignorieren.


Sven Krüger aus Jamel immer mit guter Laune auf Mvgida-Demos, Foto: Hans Schlechtenberg

Am Montagabend konnte ein Aktivist aus dem Umfeld der rechtsextremen Partei seine Aggressionen jedoch nicht zügeln. Kurz nach Ende der Demo soll sich der Mann gezielt Richtung eines Pressevertreter bewegt und ihn ins Gesicht geschlagen haben. „Der Mann erlitt durch einen Faustschlag des Angreifers leichte Verletzungen im Gesichtsbereich“, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Ein anwesendes Kamerateam wurde zudem Zeuge des Übergriffs in Grevesmühlen.

Gegen den mutmaßlichen Täter wurde noch am Abend Strafanzeige gestellt, der Mann ist kein Unbekannter. Es soll sich um einen ehemaligen HDJ-Kader handeln, der auch bereits auf NPD-Demonstrationen als Ordner aufgetreten ist.

NPD-Funktionär Andreas Theißen "klärt auf", Foto: Hans Schlechtenberg

Auf der Facebook-Seite von Mvgida wird derweil Täter-Opfer-Umkehr betrieben. Die Presse „kannte keine Berührungsängste“, heißt es dort bezugnehmend auf den Übergriff. „Bis zum Ende der Veranstaltung“ hätte es keinerlei Zwischenfälle gegeben – das wurde auch nicht behauptet. Der Angriff des Rechtsextremen, der zuvor auf der Demonstration mitgelaufen war, ereignete sich direkt im Nachgang.

Fast alle derzeitigen fremdenfeindlichen Aufmärsche in Mecklenburg-Vorpommern sind von rückläufigen Teilnehmerzahlen betroffen. Bis zu 200 Personen hätten sich laut AST am gestrigen Abend in der 10.000-Einwohner-Stadt versammelt, darunter auch wieder NPD-Landeschef Stefan Köster. Zu Spitzenzeiten reihten sich rund 600 Anhänger in die Demos ein.