Mittwoch, 06. April 2016

Anklam: NPD-Demo laufen Teilnehmer davon

Eine asylfeindliche Gruppe hatte am Dienstag zu einem weiteren „Abendspaziergang“ nach Anklam geladen. Auch hinter dieser Formation steckt die NPD, mittlerweile rufen NPD-Kader offen dazu auf, die Rechtsextremen zu wählen. Ähnlich wie bei Mvgida suchen die Organisatoren weiterhin nach einem Konzept, den anhaltenden Teilnehmerrückgang zu stoppen.

Fotogalerie des NPD-Aufmarsches in Anklam
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Gleich hinter dem Ortseingangsschild hängt das erste Schild an einer Laterne und weist auf die Demonstration hin. Unter dem Motto „Familie, Werte, Heimatliebe statt Hass und Kriege“ mobilisierte die Gruppe „Asylanten in Anklam nein danke“ für den Dienstagabend in die Südstadt Anklams.

Auf eine Nähe zur NPD deutet optisch auf den Plakaten nichts hin – keine Nennung der Partei, kein Logo, lediglich bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass der NPD-Landtagsabgeordnete Michael Andrejewski für die rechten Werbeschilder verantwortlich zeichnet.

Auch das Publikum der selbsternannten „Bürgerbewegung“ hat mit „besorgten Bürgern“ wenig gemeinsam. Prominent an vorderster Front platziert sich ein Neonazi mit einem selbstgebauten Galgen – mehrfach wird der Mann während des „Abendspaziergangs“ versuchen, mit dem Galgen provokant auf Gegendemonstranten und Journalisten zuzugehen. Die Polizei muss ihn mehrfach in den Demozug zurückdrängen.

Das Erscheinungsbild ähnelt den letzten Mvgida-Märschen. Lediglich die Namen der Facebook-Seiten variieren. So wurde die Demo vom NPD-Funktionär Alexander Wendt angemeldet, Norman Runge beschallt unterwegs Anwohner mit seinen Reden, auch die beiden Redner der Kundgebungen sind die Landtagsabgeordneten David Petereit und Michael Andrejewski.

„Wählt die NPD“

Die Salamitaktik der rechtsextremen Partei wird fortgesetzt. Wurden in den vergangenen Monate allzu offensichtliche Verbindungen zur NPD unterbunden, wird sich mittlerweile offen zur Partei bekannt, der ein Verbot durch das Bundesverfassungsgericht droht. Petereit bekannte sich freizügig als NPD-Parlamentarier, am 4. September – zur Landtagswahl – müsse das Kreuz bei seiner Partei gesetzt werden. Kurz darauf reihte sich der bei Rostock wohnhafte Kader prominent mit seinen Landtagskollegen Tino Müller in den Zug ein – in der Hand ein großes NPD-Transparent: „100 Prozent national“, ist darauf zu lesen.

Die Teilnehmer der Demonstration können mehrheitlich dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet werden: Dutzende Mitglieder umliegender Kameradschaftsverbünde folgten am Dienstagabend dem Aufruf. Darunter auch Norman Latzkow von der Gruppierung „Freies Pommern“ oder Patrick Krüger. Der Kader, der Ende 2013 noch zum Berliner Landesvize der Splitterpartei Die Rechte gewählt wurde, aber seinen Lebensmittelpunkt zunehmend Richtung Vorpommern ausrichten soll. Krüger trug einen Pullover mit der Aufschrift „NSU-Schauprozess – Freiheit für Wolle und Beate“. Das bürgerliche Spektrum lässt sich hingegen kaum noch mobilisieren, seit die Flüchtlingsdebatte nicht mehr die Medienberichterstattung derart dominiert wie noch vor einigen Wochen.


Die "NPD-Bürgerbewegung" in Anklam an vorderster Front

So fanden sich am gestrigen Abend lediglich 170 Teilnehmer am Versammlungsort ein – die Zahlen sind eingebrochen. Noch auf der letzten Demo Ende November folgten annähernd doppelt so viele Personen dem Aufruf. Ein Konzept scheinen die NPD-Kader derzeit nicht aufweisen zu können. In allen Regionen des Bundeslandes haben die Anti-Asyl-Demonstrationen derzeit mit rückläufigen Zahlen zu kämpfen, die Anzahl der Aufmärsche hat sich ebenfalls reduziert.

Mut geschöpft haben hingegen die Gegendemonstranten, die sich unter der neugegründeten Initiative „Anklam für alle“ direkt gegenüber den Neonazis positioniert hatten. 90 Personen fanden sich ein, darunter auch der Anklamer Bürgermeister Michael Galander. Während sich die NPD-Veranstaltungen rückläufigen Teilnehmerzahlen ausgesetzt sehen, bekommen demokratische Bündnisse weiter Zulauf.

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