Montag, 02. März 2015

Trotz Rostock: Mvgida mit neuem Tiefstand

Die mit Spannung erwartete erste Mvgida-Demonstration in Rostock verlief für die Islam- und Asylkritiker nicht optimal. Nur 200 Anhänger folgten dem Aufruf und mussten eine unattraktive Route abmarschieren. An den Gegenprotesten beteiligten sich wesentlich mehr Personen – eine Blockade gelang jedoch nicht.

Bildergalerie der beiden Veranstaltungen in Rostock
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Seit dem Erstarken der Pegida-Bewegung Ende vergangenen Jahres forderten Sympathisanten nicht nur die ersten Aufmärsche in Mecklenburg-Vorpommern, vor allem Rostock als größte Stadt und kulturelles Zentrum des Bundeslandes wurde immer wieder gefordert. Auch als klar wurde, dass die Organisatoren um Enrico Naumann abwechselnd Schwerin und Stralsund als Standorte festzurrten, ebbten die Stimmen nicht ab.

Nachdem nicht nur in Dresden, sondern auch der hiesige Ableger seit Wochen mit Mobilisierungsproblemen zu kämpfen hat, wurde am Sonntag erstmals nach Rostock aufgerufen. Am Treffpunkt auf der Südseite des Hauptbahnhofes versammelten sich gegen 15 Uhr jedoch mit 210 Personen deutlich weniger Anhänger als erwartet. Damit erreichte Mvgida auch einen neuen Tiefstand – in Schwerin und Stralsund versammelten sich nie weniger als 250 Demonstranten.

Über 600 Personen fordern „Rostock für alle“

Das Bündnis „Rostock nazifrei“ hatte in der Hansestadt etliche Gegenaktionen angekündigt. So gab es eine zentrale Kundgebung am Kröpeliner Tor, anschließend zogen die rund 600 Personen bis zum Goetheplatz. Die von Mvgida ursprünglich geplante Strecke konnte so nicht gelaufen werden.

Am Bahnhof wurde derweil der erste Redner auf einen mobilen Kran gesetzt und den eigenen Reihen vorgestellt. Der Muslim und Islamkritiker Zahid Khan, der bereits auf anderen Pegida-Demos Reden gehalten hat, wandte sich an die Anhänger und vermischte immer wieder Deutsch und Englisch. Neben ihm hatte sich eine Frau positioniert und musste die Inhalte erneut wiedergeben, da diese nur schwer verständlich waren.


Unter den Mvgida-Teilnehmern befanden sich etliche vermummte Personen

Schnell wurde klar, dass die Route nicht durch die Rostocker Innenstadt verlaufen würde. Über den Südring wurde die vor allem aus jungen männlichen Anhängern bestehende Schar durch die Nobelstraße, Tychsenstraße und Schwaaner Landstraße zurück zum Bahnhof geleitet. Wahrgenommen wurden die Demonstranten fast ausschließlich vom politischen Gegner und der Polizei. Entlang von dicht besiedelten Plattenbausiedlungen verlief die Strecke – im Gegensatz zu Stralsund – nicht, später ging es durch größtenteils menschenleere Außenbezirke.

So konnte das ehemalige AfD-Mitglied Tatjana Festerling den Blick über weite Felder schweifen lassen. In ihrer Rede kritisierte sie die Presse, die möglichst zu meiden sei und etliche Nahrungsmittelmarken, die alle in US-amerikanischer Hand und somit ebenso wenig konsumiert werden sollten. Weiter ging die Schelte mit Volkswagen. Da sich an einer Pegida-Gegendemonstration ein hoher Funktionär des Konzerns beteiligt hätte, sollte ebenso ein VW-Boykott in Betracht gezogen werden. Eine lange Liste an Dingen, die nicht mit dem Weltbild der Pegida-Jünger zu vereinen seien.

Auf der Südseite des Hauptbahnhofes ging die Polizei derweil gegen Pegida-Gegner vor, das Einschreiten beschrieben Beobachter als unverhältnismäßig hart. Einen Grund für das plötzliche Vorgehen war anfangs nicht zu erkennen. Mvgida wurde schließlich über die Nordseite zu den Zügen geleitet, eine Konfrontation der beiden Lager konnte so umgangen werden.

Das Fazit für beide Seiten dürfte durchwachsen ausfallen. Das lokale Bündnis „Rostock nazifrei“ konnte etwa drei Mal mehr Sympathisanten auf die Straße bewegen als Mvgida. Mit einer Bühne, Kundgebungen, zwei Demonstration und zahlreichen kleineren Aktionen wurde ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. In die Innenstadt konnten die Islam- und Asylkritiker aufgrund einer Blockade nicht gelangen, dennoch konnte der Demozug nicht gestoppt werden.


Ein Demonstrant auf der „Rostock nazifrei“-Veranstaltung 

Anmelder Enrico Naumann erhoffte sich am Sonntag sicherlich mehr als die rund 210 größtenteils angereisten Anhänger. Bis zu 600 Teilnehmer waren seinen Aufrufen gefolgt, doch in den letzten Wochen gingen die Zahlen sukzessive zurück. Ausgerechnet in Rostock wurde nun ein neuer Tiefstand erreicht. „Die Rostocker haben alle geschimpft warum keine Mvgida Veranstaltung in Rostock ist! Jetzt war eine da doch keiners von denen die es wollten waren da“ (alle Fehler im Original), macht sich ein Anhänger auf Facebook freie Luft. Etliche Sympathisanten stoßen in das gleiche Horn.

Rechtsextreme Szene bleibt fern

Dieser Umstand dürfte auch auf das Fehlen der organisierten rechtsextremen Szene zurückzuführen sein. Nachdem sich in den vergangenen Wochen noch Dutzende NPD-Funktionäre und Neonazi-Kader den Aufmärschen angeschlossen hatten, blieben diese am Sonntag der Veranstaltung fern. Kein Udo Pastörs, kein Stefan Köster und auch die starke Kameradschaftsszene bevorzugte andere Aktivitäten am Sonntagnachmittag.

Nachdem Mvgida trotz „prominenter“ Redner und dem lange geforderten Zwischenstopp in Rostock zahlenmäßig keinen Erfolg brachte, dürften es die Organisatoren die kommenden Wochen noch schwerer haben, ihre Anhänger auf die Straße zu bewegen. Der Zenit ist überschritten, innovative Ideen fehlen und die stets geforderten Dialoge mit der Politik wird es nicht geben.