Samstag, 18. Juni 2016

Nur 150 Teilnehmer folgen Demoaufruf der Identitären „Bewegung“

Erstmals hatte die Identitäre Bewegung offen zu einer deutschlandweiten Demonstration aufgerufen. Rund 400 Teilnehmer waren in Berlin erwartet worden – am Ende schlossen sich lediglich 150 Personen dem hippen Aufmarsch an. Kurz vor Ende kam es dann noch zu einer Blockade.

Fotogalerie der Demo in Berlin
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Über zu wenig mediale Aufmerksamkeit – eines ihrer wichtigsten Instrumente – können sich die Anhänger der Identitären Bewegung (IB) in den letzten Wochen nicht beschweren. Vergangenes Wochenende zogen bis zu 1000 Anhänger durch Wien, es kam zu Ausschreitungen und Verletzten, auch in Deutschland erreichte der Aufzug die Medien. Zudem verbreitete sich rasant die Meldung, dass der Verfassungsschutz die IB in mehreren Bundesländern beobachten würde.

Dieser Umstand dürfte wohl auch einige Sympathisanten davon abgehalten haben, sich der Demonstration in Berlin anzuschließen. Bis zu 400 Teilnehmer sollten es nach dem Willen der Organisatoren werden, rund 150 wurden es letztendlich. Zum Treffpunkt nahe der Berliner Friedrichstraße fanden sich anfangs lediglich einige Dutzend Identitäre ein, die im Platzregen ein eher klägliches Bild abgaben. Als schließlich die Wolkendecke aufbrach, formierte sich die Gruppierung, um auf der rund anderthalb Kilometer langen Strecke Richtung Potsdamer Platz aufzubrechen.

Martin Sellner, Kopf der österreichischen Identitären und vorab als einziger Redner angekündigt, stimmte immer wieder Sprechgesänge an. Mal hieß es: „Europa - Jugend – Reconquista“, dann der aus linken Kreisen abgewandelte Spruch „Pro border - pro nation - stop immigration“; immer wieder wurde auch „Berlin ist unsere Stadt“ angestimmt. Eine kuriose Inszenierung angesichts der Tatsache, das der Anteil der Berliner Identitären lediglich im unteren zweistelligen Bereich anzusiedeln sein dürfte.

Entlang der Route hatten sich Hunderte Gegendemonstranten positioniert und die vorbeiziehenden Identitären lauthals ausgepfiffen. Auf die Strecke gelangte bis auf einzelne Personen jedoch keine größere Gruppe. Lediglich am Potsdamer Platz und somit direkt am Endpunkt der geplanten Strecke blockierten rund 30 Gegner ein Weiterkommen, direkt dahinter hatten sich weit über 100 Personen positioniert.

So endete die Demo der hippen Identitären nicht ganz unpassend am Platz des Volksaufstandes von 1953. Die Gruppierung hatte sich den 17. Juni für ihren Aufzug ausgewählt, „um friedlich auf die aktuellen Entwicklungen hinzuweisen, die unser Land und Europa gleichermaßen bedrohen.“ Angesichts „verantwortungsloser Politik der Massen-Einwanderung“ sei es Aufgabe der Identitären, „für Frieden und Freiheit einzutreten“. Wer dem Aufruf folgen wollte, musste sich allerdings an zahlreiche Einschränkungen halten. Sprechchöre und Parolen waren nur nach Vorgabe erlaubt, auch eigene Fahnen und Transparente waren verboten. Symbole, Tattoos oder Kleidung aus der rechtsextremen Szene würden zum Ausschluss führen. Solche eher strikten Auflagen sind vor allem von Aufmärschen der rechtsextremen Szene bekannt.

Erfahrungen mit solchen Auflagen dürften noch einige Teilnehmer aus der Vergangenheit haben. So war am Sonnabend der ehemalige NPD-Funktionär Daniel Fiß aus Rostock nicht nur maßgeblich in die Organisation der Demonstration eingebunden, sondern trat auch als Redner auf. Auch der Thüringer Kevin Schulhauser, der noch bei der letzten Bundestagswahl für die NPD antrat, lief am Sonnabend bei den Identitären mit und scheint dort seine neue politische Heimat gefunden zu haben. Mit Jannik Brämer war zudem ein Mitglied des Landesvorstands der „Jungen Alternative“, der AfD-Jugendorganisation auf der Demo vertreten. Prominent lief der Mann mit Ordnerbinde neben dem Demotross.

Ein Sprecher des Berliner Ablegers der rechtsextremen Gruppierung versprach zum Ende: „Das wird in Zukunft noch viel, viel besser werden.“ Zudem wolle man sich „die Öffentlichkeit zurückholen“ und erneut auf die Straße gehen. Die eher überschaubare Teilnehmerzahl zeigt auch, dass die Identitäre Bewegung sich zwar medial recht geschickt und jugendaffin zu inszenieren weiß – anhand der überschaubaren Anzahl der Anhänger und öffentlichen Auftritte derzeit kaum von einer „Bewegung“ die Rede sein kann.