Dienstag, 13. Januar 2015

NPGida: Blockaden schränken Stralsunder Mvgida-Demo ein

Ähnlich wie in Schwerin bestätigten sich auch bei dem zeitgleich in Stralsund durchgeführten Mvgida-Aufmarsch die Befürchtungen, dass die rechtsextreme Szene einen nicht unerheblichen Anteil an der Veranstaltung ausmachen würde. Dazu kam, dass die Polizei hilflos überfordert war und die Lage kaum in den Griff bekam.

Die Hansestadt Stralsund wurde seitens der Veranstalter neben Schwerin als zweiter Anlaufpunkt gewählt, nachdem die ursprünglich in Rostock geplante Demonstration ohne Angabe von Gründen abgesagt wurde. Beobachter vermuten, dass die breite Mobilisierung des Bündnisses „Rostock nazifrei“ zur Entscheidung beigetragen haben dürfte. Durch zwei Anmeldungen sollten zudem die Anfahrtswege minimiert werden und so mehr Anhänger zur Teilnahme bewegt werden.

Neonazis bestimmen Demo

In der Landeshauptstadt hatte in der vergangenen Woche die NPD-Fraktion eine Kundgebung durchgeführt und offen zur Teilnahme an den bevorstehenden Mvgida-Demonstrationen aufgerufen, auch die Bundes-NPD mobilisierte. Es überraschte somit kaum, dass am Montagabend etliche Parteikader vor Ort anzutreffen waren und auch leitende Funktionen übernahmen.

Ähnlich stellte sich die Situation in Stralsund dar: Ein großes Banner mit der Aufschrift „Wir sind das Volk“ wurde von Alexander Wendt, einem der aktivsten Neonazi-Kader aus der Region, getragen. Ein paar Meter weiter hinten reihte sich sein Arbeitgeber, der NPD-Landtagsabgeordnete Michael Andrejewski, in die Marschformation ein. Der Fraktionsmitarbeiter Marko Müller übernahm die Funktion, die Mvgida-Demo fotografisch festzuhalten, während sein Bruder Tino sich dem Schweriner Ableger anschloss.

Der Anmelder Enrico Naumann, der sich anfangs am typischen Pegida-Transparent positionierte, schien von der starken Präsenz regionaler NPD-Kader und militanter Kameradschaftsmitglieder keinesfalls überrascht, eine Distanzierung erfolgte offensichtlich nicht. Vor dem Hintergrund, dass Pegida-Anhänger nicht müde werden zu betonen, dass sie keine Nazis seien und gerne auf ihr Positionspapier verweisen („Pegida ist gegen Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert) (!) eine skurrile Anmutung.

Mehrere Blockaden

Der Treffpunkt der Mvgida-Teilnehmer am Stralsunder Hauptbahnhof zog auch Dutzende Gegendemonstranten an. Als sich der Zug dann in Bewegung setzte, wurde die personelle Unterbesetzung seitens der Polizei schnell deutlich. Nach nur einhundert Metern wurden die rund 300 Wutbürger und Neonazis blockiert, es ging weder vor noch zurück. Lediglich ein bis zwei Dutzend Polizisten versuchten mehrere Hundert Personen voneinander zu trennen – eine von vornherein zum Scheitern verurteilte Aufgabe.

Schließlich gelang es, den Rückwärtsgang einzulegen und Naumann und seine Anhänger wurden über den Bahnhofsweg gen Süden geleitet. Die ursprünglich geplante Route durch die Stralsunder Altstadt war zu dem Zeitpunkt bereits abgehakt. In der Karl-Marx-Straße angekommen, näherten sich aus entgegengesetzter Richtung schließlich erneut mehrere Dutzend Gegendemonstranten. Aus der Entfernung versuchten wenige Polizeibeamte, die erst aus großer Entfernung aufschließen mussten, beide Gruppen voneinander zu trennen. Der Versuch scheiterte.

So kam es zu heftigen Rangeleien, mehrere Teilnehmer wurden gestoßen und bedrängt. Ein Demonstrant entfernte sich mit blutender Nase – er sei nach eigener Aussage von einem Neonazi geschlagen worden. Die Situation beruhigte sich auch nach mehreren Minuten kaum, in der Zwischenzeit hatten Demonstranten die Mvgida-Route mit Müllcontainern und Einkaufswagen eines nahegelegenen Marktes blockiert. Schließlich wurden die „Islamkritiker“ auf derselben Strecke rasch zurückgeführt zum Hauptbahnhof, eine Polizeibegleitung fehlte erneut. Nur glücklichen Umständen dürfte es zu verdanken sein, dass es zu keinen weiteren Konfrontationen kam.

Am Start- und Endpunkt angekommen verkündete eine junge Frau schließlich, dass man sich „nächste Woche“ wieder auf der Straße sehe. Eine Anmeldung liegt bislang nicht vor.