Dienstag, 22. September 2015

Mvgida-Comeback: Die Pastörs-Show

Nach mehrmonatiger Pause meldete sich gestern der hiesige Pegida-Ableger, Mvgida, mit einem „Spaziergang“ in Boizenburg (Elbe) zurück. Erneut stach die führende Rolle der NPD heraus, die ihren Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs nicht nur in die erste Reihe, sondern auch ans Mikrofon schickte.

Der "Spaziergang" in Boizenburg (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Die Organisatoren der ersten Mvgida-Aufmärsche um die Jahreswende gaben sich alle Mühe, den Einfluss der NPD zu verschleiern. Kaum glaubhaft „distanzierte“ sich die Gruppe um den später ausgestiegenen Enrico Naumann, der mittlerweile mit den „MV Patrioten“ eine weitere Initiative an den Start gebracht hat, von „jeder Form des Extremismus“. In ihren Reden wiesen die Mvgida-Macher darüber hinaus gebetsmühlenartig auf ihre vorgebliche Überparteilichkeit hin. Vergeblich, denn die Rolle der NPD und ihrer Spitzenkader bestimmte bald die Presseberichterstattung der lokalen Medien. Wahrscheinlich mit ein Grund, dass die zunächst anwesenden „besorgten Bürger“ den Demonstrationen fernblieben und die Szene in ihrem eigenen Saft schmorte.

Bei dem gestern von Mvgida in Boizenburg (Elbe) organisierten „Spaziergang“ versuchten die Hintermänner nochmals einen Etikettenschwindel. Die knapp 200 Teilnehmer des Aufmarsches – der Veranstalter spricht von 250 – sammelten sich hinter alten NPD-Wahlplakaten, bei denen schlicht das Parteilogo abgeschnitten worden war. Auch das von den früheren Aufmärschen, etwa von der Demonstration in Schwerin am vergangenen Samstag bekannte Fronttransparent „Für die Zukunft unserer Kinder“ fand erneut Verwendung.

NPD - immer und überall

Noch bevor sich der Aufzug in Bewegung gesetzt hatte, war die Zurückhaltung indes vorbei. Michael Grewe, NPD-Landesorganisationsleiter, signalisierte den anwesenden Polizisten, man sei bereit zum Abmarsch. Gemeinsam mit dem Chef der Landtagsfraktion, Udo Pastörs, setzte er sich an die Spitze der Demonstration, während dessen Wahlkreismitarbeiter Andreas Theißen über ein Mikro die Parolen vorgab. Diese unterschieden sich kaum von früheren Veranstaltungen, von „Merkel muss weg“ über „Lügenpresse“ bis zu „Wir wollen keine Asylantenheime“ – der Einfallsreichtum der „Bewegung“ bleibt begrenzt.

Mvgida, angeführt von den NPD-Kadern Michael Grewe und Udo Pastörs 

Einen Teil der Zeit liefen die Demonstrations-Teilnehmer relativ ruhig nebeneinander her, rauchten Zigaretten und führten kleinere Gespräche. Den vergeblichen Versuch, die Nationalhymne anzustimmen, hörte in den leeren Straßen von Boizenburg kaum jemand. Wie ausgestorben lag das knapp über 10.000 Einwohner zählende Städtchen im Schatten der Nacht. Ein paar wenige Schaulustige, meist Jugendliche, lugten hinter den Häuserecken hervor. Mit ihren Handys filmten sie den marschierenden Mvgida-Zug, einzelne schlossen sich den Rassisten an, nachdem sie bekannte Gesichter entdeckt hatten. Protest fand an diesem Abend keiner statt, es schien, als hätte sich die Zivilgesellschaft auf gemeinschaftliches Ignorieren verständigt – und überließ den Neonazis die Straße.

Pastörs als „Gastredner“

Menschenleer war auch der Marktplatz, auf dem die Mvgida-Truppe, zu der mit Torsten Schramke und David Bühring zwei der Macher der „Deutschland wehrt sich“-Proteste in Wismar und Schwerin gehörten, ihre Abschlusskundgebung abhielt. Als letzter Redner betrat Udo Pastörs die Bühne, der lapidar als „Gastredner“ vorgestellt wurde. Der vorbestrafte Volksverhetzer nutzte die Gunst der Stunde, wetterte gegen die „Krankheit, die ihr Epizentrum im Berliner Reichstag hat“, und warnte vor der „Landnahme“ durch „fremdrassige Menschen“. Diese, so der gescheiterte Ex-NPD-Bundeschef weiter, würden „in zehn oder 15 Jahren die Mehrheit stellen“.

Den „Volksverrätern“, zu denen Pastörs explizit Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zählte, ginge es darum, „das Wesen des alten Europas zu verändern“. Vorbild seien die USA, ein Vielvölkerstaat. Spätestens im nächsten Jahr würden sich „Hunderttausende“ den „Nationalisten“ anschließen. Eine Prophezeiung ganz im Stile der NPD – wie sie schon oft abgegeben wurde, und sich nie erfüllte.