Sonntag, 01. Februar 2015

Legida verbreitet Stimmung wie zum „Reichsparteitag“

Am Freitagabend versammelten sich Anhänger des Leipziger Pegida-Ablegers bereits zum dritten Mal. Trotz schwindender Teilnehmerzahl empfinden Beobachter die Lage als immer angespannter. Offen wird nun gegen Ausländer gehetzt und Hooligans gedankt.

Schon zum zweiten Mal hatte der Leipziger Ableger der islamkritischen Pegida seinen „Abendspaziergang“ kurzfristig verlegt. Zunächst verschoben die Organisatoren die Veranstaltung von Montag auf Mittwoch, vermutlich um mehr Pegida-Anhänger in die Messestadt zu locken. Nun erfolgte kurzfristig die Vertagung auf Freitag, angeblich wegen eines Peter Maffay-Konzertes, das am Mittwoch stattfand.


Immer mehr Neonazis unter Legida-Demonstranten

Außerdem hatten sich die Organisatoren fest vorgenommen, über den „89er Ring“ zu laufen, auf dem 1989 Tausende Demonstranten für ihre Rechte stritten. Dem schob die Stadt allerdings einen Riegel vor, in dem sie nur eine stationäre Kundgebung auf dem Augustusplatz genehmigte. Das Leipziger Verwaltungsgericht und das sächsische Oberverwaltungsgericht bestätigten diese Entscheidung, nachdem Legida einen Spaziergang erzwingen wollte. Gleichzeitig hatte Legida versucht, Gegendemonstranten zu verwirren und sich verschiedene Plätze für ihre Demos zu schützen, indem sie an mehreren Orten sechs Veranstaltungen angemeldet hatten.

Noch am Sonntag hatte Legida-Organisator Silvio Rösler in Dresden den Schulterschluss mit Pegida verkündet. Trotzdem konnte Legida davon nicht profitieren. Stattdessen sank die Teilnehmerzahl bei Legida noch einmal auf ca. 1.500 Menschen, wie der MDR berichtet. Von dem „normalen Volk“ sei aber keine Spur gewesen. Die Masse der Demonstranten seien Neonazis, Hooligans und Akteure der freien Kräfte. Darunter auch alte Bekannte, wie Thomas Gerlach, der ehemalige JN-Vorsitzende Tommy Naumann und Dieter Riefling, so berichtet die LVZ.

Legida-Redner dankt Hooligans

Als Redner traten unter anderem Versammlungsleiter Silvio Rösler, Götz Kubitschek, Aktivist der Neuen Rechten, und ein Mann namens „Friedrich Fröbel“ auf. Zu hören waren altbekannte Hetzreden gegen Muslime. Fröbel warb für eine Reformation der Demokratie. Diese sei seiner Meinung nach notwendig, weil das Grundgesetz nie von den Bürgern legitimiert worden sei. Eine These, die auch unter Rechtsextremen weit verbreitet ist. Er sei für die Einführung von direkter Demokratie. Neben Rufen nach „Volksentscheiden“ gingen auch in Richtung der Politiker die Parolen „Volksverräter“ und an den Leipziger Oberbürgermeister „Jung muss weg!“.


Neu war auch der öffentliche Schulterschluss mit den Hooligans. „Die ersten, die für den Erhalt unserer Freiheit und unserer Demokratie auf die Straße gegangen sind, waren nicht die Gründer von Pegida, sondern das waren die Hooligans“, so Fröbel. Der Mann dankte den Hooligans, dass sie das „Volk vor der Antifa“ schützen würden. Die Masse jubelte Fröbel zu. Man solle sich von der Antifa, die „psychisch kranke Menschen“ seien, nicht provozieren lassen. Augenzeugen hätten sich bei diesem Auftritt an einem „Reichsparteitag“ erinnert gefühlt, berichtet die LVZ.

Zum Abschluss sang die Menge die Nationalhymne. Nach rund anderthalb Stunden wurde die Legida-Veranstaltung beendet. Immer wieder kam es zwischendurch und auch beim Abzug der Demonstranten zu Rangeleien mit Gegendemonstranten. Auch Flaschen und Böller seien von beiden Seiten geflogen.

Deutliche Mehrheit an Gegendemonstranten

Gegen die Legida protestierten rund 5.000 Menschen auf neun verschiedenen Veranstaltungen. Die größte Kundgebung „Leipzig zeigt Courage“ fand vor der Alten Hauptpost statt. Außerdem wurde der Aufzug „Refugees welcome - Solidarity with all those who are affected by racism!“ auf dem Johannisplatz durchgeführt. Mehrere Blockaden von Gegendemonstranten wurden von der Polizei geräumt. Außerdem kam es zu erneuten Anschlägen auf die Bahngleise, sodass der Zugverkehr kurzzeitig eingeschränkt werden musste.