Montag, 06. März 2017

Historische Niederlage für Neonazis – kein „Trauermarsch“ am Chemnitzer Friedenstag

Der Tag, an dem alljährlich der Zerstörung von Chemnitz gedacht wird, fand nach mehreren Jahren erstmals wieder ohne einen Neonazi-Aufmarsch statt. Einzig bei der Kranzniederlegung am Mahnmal der Bombenopfer fanden sich einige Rechtsextreme ein.

Foto: Chemnitz nazifrei

Der 5. März, der Chemnitzer Friedenstag, war nach etlichen Jahren mit sogenannten Trauermärschen und entsprechenden Gegenprotesten in Sicht- und Hörweite ein friedliches Gedenken und ein buntes Fest. Jeder konnte unten den zahlreichen Angeboten seine Form finden, Gesicht zu zeigen für ein friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Am lebendigsten wurde das beim Fest „Jetzt – unsere Stadt im Frieden“ im Stadthallenpark, wo Flüchtlinge und Chemnitzer sportlich, spielerisch und kreativ zusammenfanden.

Städtische Gedenkveranstaltung

Ca. 400 Personen fanden sich 18 Uhr auf dem Neumarkt zur städtischen Gedenkveranstaltung „Damals – mein Land vor dem Krieg“ ein. Hier standen Geschichten über Flucht und Vertreibung im Mittelpunkt, vorgetragen von Chemnitzern mit Migrationshintergrund. Auch das Foyer des Stadtischen Rathauses war eine Stunde vorher gut besucht, als zwei Mitglieder des Theaterjugendclubs aus Jenny Erpenbecks „Gehen, ging, gegangen“ lasen.

Festival und Demo des Bündnisses „Chemnitz nazifrei“

Dank des Bündnisses „Chemnitz nazifrei“ wurde der Protest gegen rechte Strukturen nicht vergessen. Dieses mobilisierte gemeinsam mit dem DGB und der lokalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft bereits am Nachmittag an den Karl-Marx-Kopf zum Festival „Willkommen am Kopp“, wo die Rapper „Fatoni“ und „BRKN“ auftraten. An der anschließenden Demonstration über den Chemnitzer Sonnenberg, der zuletzt als „Nazi-Kiez“ des „Rechten Plenums“ auf sich aufmerksam machte, nahmen nach Angaben des Ordnungsamts ca. 400 Personen teil.

Eine Zwischenkundgebung gab es am ehemaligen Büro der Landtagsabgeordneten Susanne Schaper. Das Wahlkreisbüro der Linken-Politikerin war mehrfach angegriffen worden. Die Demo endete am Lokomov, das in der letzten Woche vermutlich beschossen wurde, nachdem das Kulturzentrum bereits Ende 2016 Ziel eines Anschlags war.


Der größtenteils von der Öffentlichkeit ignorierte "Informationsstand" der "Deutschen Mitte"

Nach Angaben des Bündnisses wurde am Lessingplatz ein Demoteilnehmer von einer Person getreten, die auch festgenommen wurde. Zuvor sollen sich dort Mitglieder des „Rechten Plenums“ aufgehalten haben. Zudem wurde ein Farbbeutel auf den mitfahrenden Lautsprecherwagen geworfen.

Kleinstpartei von Verschwörungstheoretikern mit wenig Zulauf

Vor dem Hintergrund des Protests und Gedenkens war der Informationsstand der Kleinstpartei „Deutschen Mitte Sachsen“ um Christoph Hörstel zwischen all diesen Veranstaltungen eine kleine und harmlose Randerscheinung. Nur wenige Menschen fanden sich hier ein, vielmehr wurde der Stand mit Nichtbeachtung gestraft.

Als eine historische Niederlage muss es gewertet werden, dass nach zehn Jahren erstmals kein „Trauermarsch“ oder sonstige Kundgebung der rechten Szene am 5. März stattfand. Einzig eine kleine Gruppe Neonazis, darunter auch Mitglieder des „Rechten Plenums“, fand sich am Morgen am Mahnmal der Bombenopfer auf dem Städtischen Friedhof ein.