Mittwoch, 05. März 2014

Chemnitzer Neonazi-Aufmarsch nach Blockaden: Kehrt marsch

Bei zahlreichen Protest- und Gedenkveranstaltungen zeigten die Chemnitzer Gesicht gegen Rechtsextremismus. Wie im letzten Jahr konnte der „Trauermarsch“ der Rechtsextremen erneut auf wenige Meter verkürzt werden.

Fronttransparent des DGB "Kein Platz für Nazis!"

Um 20.45 Uhr stand es fest: Die laut Polizeiangaben 250 Rechtsextremisten können nicht ihre angemeldete Route laufen. Rund 600 Gegendemonstranten hatten, darunter auch zahlreiche Landtags- und Bundestagsabgeordnete von SPD und Die Linke, auf der von DGB-Jugend und dem Studentenwerk angemeldeten Proteste, die Strecke blockiert.

Neu war in diesem Jahr die genehmigte Strecke für den „Trauermarsch“. Außerhalb des Stadtzentrums gelegen, mussten auch sämtliche Gegendemos die Tage zuvor neu planen. Doch die DGB- und Stura-Demo trafen schließlich in unmittelbarer Nähe zur Strecke der Rechtsextremisten aufeinander. Mit Sitzblockaden verhinderten die Demonstranten ein Weiterlaufen der Neonazis - nach knappen 500 Metern war für die Geschichtsklitterer Schluss.
 Eine der Blockaden, die die Neonazis zur vorzeitigen Rückkehr zwang 

Parallel zu den Gegenveranstaltungen fand auf dem Marktplatz die städtische Gedenkveranstaltung statt. Neben dem sächsischen Innenminister Markus Ulbig (CDU) sprachen Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD), sowie der Theaterintendant zu den etwa 1.000 Chemnitzerinnen und Chemnitzern.

Dresdner Beispiel: Auch Täterspurenrundgang in Chemnitz

Bereits am Nachmittag um 13.30 Uhr gab es ein neues Angebot im Rahmen des Chemnitzer Friedenstags: Die Vereinigung VVN/BdA organisierte einen sogenannten Täterspurenrundgang. Gemäß dem Motto „Wo es Opfer gab, muss es auch Täter gegeben haben“ verlief die Route entlang von sieben Stationen, darunter u. a. die ehemalige Gestapo-Zentrale sowie der Standort der Synagoge, die in der Reichspogromnacht niedergebrannt wurde. An jeder Station verlasen Schülerinnen und Schüler Texte zu den historischen Hintergründen. Der Rundgang endete im Innenhof der Technischen Universität auf der Straße der Nationen, von wo aus während der NS-Zeit die Judendeportationen begannen. Die Veranstalter freuten sich über ca. 150 Teilnehmer und kündigten eine Fortsetzung z. B. zum Thema Zwangsarbeit an.
Es bleibt festzuhalten: Zahlreiche Protest- und Gedenkveranstaltungen boten viele Gelegenheiten, um am 5. März, dem Chemnitzer Friedenstag, gegen Rassismus und für Demokratie auf die Straße zu gehen.