von Marc Brandstetter
   

JN-Führungswechsel in der Krise: Auf Schäfer folgt Knape

Die NPD-Jugend steht vor einem Führungswechsel. Der bisherige JN-Vize Andy Knape ist als Nachfolger von Michael Schäfer, der dem Parteinachwuchs fünf Jahre vorstand, im Gespräch. Seine gewagten Pläne konnte Schäfer nicht umsetzten. Somit bleibt fraglich, ob Knape den schleichenden Bedeutungsverlust der JN wird aufhalten können.

„Mit den "Jungen Nationaldemokraten" (JN) verfügt die NPD über eine vergleichsweise gut ausgebaute Jugendorganisation, die laut Satzung "integraler Bestandteil" der Gesamtpartei ist“, schreibt der Verfassungsschutz in seinem Bindeglied zwischen der Mutterpartei und radikaleren Kräften“ darzustellen.

Schäfer, der dem einstigen Schweriner Fraktionsmitarbeiter Stefan Rochow folgte, konnte die selbstgesteckten Erwartungen kaum erfüllen. Im Gegenteil: Er muss sich sogar einen Bedeutungsverlust des Jugendbündnisses ankreiden lassen. Davon zeugen nicht zuletzt die schmerzlichen Mitgliederverluste, die binnen eines Jahres von 430 und 350 JN-Angehörige (2011) zurückgingen.

Wer sich die Webseite des JN-Bundesverbandes ansieht, kann sich des Eindrucks kaum erwehren, bei den JN handele es sich eher um ein Reiseunternehmen als um eine politische Organisation. Neben gelegentlichen Berichten aus den Verbänden und politischen Statements bestimmen vor allem Reiseberichte das Bild. So werden die Anhänger über den „Edelweißmarsch“, die „Schlesienfahrt 2012“ oder den „JN-Segeltörn 2011“ informiert, an anderer Stelle ist die Rede von einem „Ausflug mit Sehenswürdigkeiten, viel Spaß und gutem Essen“. 

Der 30-jährige Schäfer sucht(e) gerne die Öffentlichkeit und kokettiert mit seinem „normalen“ Aussehen. Einige Male gelang es ihm, sich unter Gegendemonstranten zu mischen, stolz postete er anschließend „Beweisfotos“ auf Facebook. „Echte“ politische Erfolge kann er aber nicht vorweisen: Obwohl er sich mit seinem Verband früh zugunsten Apfels positionierte, scheiterte seine Kandidatur für den NPD-Bundesvorstand am Votum der Delegierten. Ebenso misslang sein geplanter Einzug in den Landtag von Magdeburg, was vor allem auf hausgemachte Probleme zurückzuführen ist.

Nun nimmt der Politikwissenschaftler also seinen Hut, und die Organisation gibt sich wortkarg. Bislang existiert zum geplanten JN-Bundeskongress mit dem Motto „Wir schreien wenn alle schweigen“ am 27. Oktober im thüringischen Kirchheim nur ein vom JN-Bundesgeschäftsführer Julian Monaco erstellter Facebook-Event. Und auch der bietet wenig Infos. Die offizielle Seite des JN-Bundesverbandes schweigt sich hingegen aus.

Dabei pfeifen die Spatzen längst von den Dächern, dass der 26-jährige Andy Knape, bislang Vize-Chef, Schäfer beerben soll. Ebenso wie sein Vorgänger ist der Magdeburger Rechtsextremist kürzlich in der sächsischen NPD-Fraktion untergekommen. Im Gegensatz zu Schäfer glückte dem „Kaufmann und Ökonom für Personalmanagement“ (Eigenangabe) aber der Sprung in den NPD-Vorstand. Dort ist er zuständig für den Bundesordnungsdienst. In dieser Funktion begleitete er auch die weitgehend gefloppte „Deutschlandfahrt“ der Partei.

In einem zweispaltigen Artikel in der aktuellen Ausgabe des Parteiblattes Deutsche Stimme legt Knape nun seine Vision für die Zukunft der JN vor. Von den realitätsfernen Planungen Schäfers nimmt er kleinlaut Abstand – und zollt damit der tatsächlichen Situation der JN Tribut. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und so schwadroniert er davon, eine „schlagkräftige Jugendorganisation [zu] formen, die weltanschaulich und politisch einheitlich ausgerichtet ist und entscheidenden Einfluss auf die gesamte nationale Bewegung nimmt“. Er möchte nicht weniger als „in gesellschaftliche Räume eindringen und diese in unserem Sinne beeinflussen“. Offensichtlich hat Schäfers „Größenwahn“ doch ein wenig abgefärbt.

Als „Stargast“ verpflichteten die JN – quasi auf dem kleinen Dienstweg – Olaf Rose, der ebenfalls bei der sächsischen NPD-Fraktion in Lohn und Brot steht. Bislang ist der Historiker kaum öffentlich in Erscheinung getreten, seine Kandidatur zum Bundespräsidenten war nicht mehr als ein Treppenwitz: Er konnte nur die drei Stimmen der NPD-Wahlmänner gewinnen. Bei der JN jedenfalls spricht der 54-Jährige zum Thema „Rebellische Jugend in den Jahrhunderten“. Abgeschlossen wird die Veranstaltung von einem Auftritt des Liedermachers „Jugendgedanken“, der wahrscheinlich aus dem Umfeld der kürzlich verbotenen Neonazi-Kameradschaft „Besseres Hannover“ stammt. Außerdem versprechen die Organisatoren „weitere Überraschungen“.

In Mecklenburg-Vorpommern spielt die von Alf Börm geleitete Jugendorganisation bislang keine Rolle, da sie an der Ostsee schlicht überflüssig ist. Bundesweit nehmen die JN für sich in Anspruch, als Scharnier zwischen der NPD und der Neonazi-Szene zu fungieren. Im hohen Norden werden sie hierfür aber nicht gebraucht, da nur wenige NPD-Landesverbände so eng mit den Freien Kameradschaften verwoben sind, wie die Truppe um Landeschef Stefan Köster. Außerhalb ihrer Hochburgen Nordwestmecklenburg und Rostock verfügt die Jugendorganisation, die nach Recherchen des Blogs „Anmeldung einer Demonstration in der Hansestadt Wismar unter dem Motto „Wir wollen leben“ überlassen, zu der 300 Neonazis erwartet werden. Dass der NPD-Nachwuchs genau dieses Thema ausgewählt hat, scheint kein Zufall. Denn mit dem Bundes-Vize Sebastian Richter hat kürzlich ein Führungskader seinen Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern genommen, der aus dem brandenburgischen „Spreelichter“-Milieu stammt, das sich für die „Volkstod“-Kampage verantwortlich zeigte. Damit werden die JN in Land und Bund aber kaum in die Erfolgsspur zurückfinden.

Kommentare(4)

Wahrheitsfanatiker Sonntag, 14.Oktober 2012, 09:30 Uhr:
Mal wieder ein sehr unparteiischer und neutraler Bereich der Redaktion von Endstation Rechts.

Knape wirds schon richten.
 
D.S. Montag, 15.Oktober 2012, 19:50 Uhr:
Mal wieder ein kalorienfreier Post ihrerseits. Mit welchen Äusserungen sind sie inhaltlich nicht einverstanden? Enthält der Artikel Falschaussaugen, wenn ja welche und können sie das belegen?

Na?
 
wissender Dienstag, 16.Oktober 2012, 09:56 Uhr:
Was hat Alf bzw Manfred Börm mit dem Bundesvorstand der JN zu tun ?!
 
bc Dienstag, 16.Oktober 2012, 12:14 Uhr:
wissender, wahrheitsfanatiker, kritiker

gehen diese verheissungen auch mal in erfuellung? habt ihr so einen kurs gemacht, sowas wie selffullfilling prophecy?
ich druecke die daumen.
 

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