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Innenminister Caffier verbietet Rockerclub mit Wurzeln im Neonazi-Milieu

Der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, hat heute morgen den Rockerverein „Schwarze Schar MC Wismar“ verboten. Die von der Gruppierung verfolgten Zwecke und Tätigkeiten stünden im Widerspruch zu den Strafgesetzen. Die Führungsfiguren der Outlawrocker sind seit vielen Jahren in der Hansestadt aktiv – früher jedoch als bekennende Neonazis.

Schwarze Schar (Screenshot)

Der Präsident des Wismarer Rockerclubs „Schwarze Schar“, Philip Schlaffer, und sein Vize, Sebastian Kairies, sind in der Hansestadt wohl bekannt. Bevor die beiden und ihre knapp zwei Dutzend Anhänger als Motorrad-Gang für Aufsehen sorgten, verbreiteten sie als Aktivisten der Neonazi-Kameradschaft „Werwolf“ Angst und Schrecken. Exemplarisch wurde dies 2006 auf einem Video festgehalten, in dem laut NDR heutige Mitglieder des umstrittenen Vereins Neonazi-Gegner mit Knüppeln und Baseballschlägern bedrohen, die vor dem mittlerweile geschlossenen Szenetreffpunkt „Werwolfshop“ an einer Demonstration teilnahmen. Die wenigen Polizisten vor Ort konnten den tobenden braunen Mob nur mit entsicherten Dienstwaffen im Zaum halten.

Heute morgen, rund einen Monat nach einer großangelegten Razzia gegen den Club, bei der eine Person festgenommen worden war, hat der Minister für Inneres und Sport, Lorenz Caffier (CDU), die „Schwarze Schar“ und die zu diesem Verein gehörende Teilorganisation „Schwarze Jäger MC Wismar“ verboten und aufgelöst. Zugleich haben die Behörden das Vereinsheim „Zum Schwarzen Herzog“ im Gewerbegebiet der Gemeinde Gägelow beschlagnahmt. Entsprechende Bescheide wurden den 25 Rockern zugestellt.

Außerdem ist es verboten, Ersatzorganisationen zu bilden und die Kennzeichen des Vereins zu verwenden. Nach Überzeugung des Innenministeriums stehen die vom Verein verfolgten Zwecke und seine Tätigkeiten im Widerspruch zu Strafgesetzen. „Ich achte das Grundrecht, Vereine und Gesellschaften zu bilden. Die Grenze ist aber überschritten, wenn der Verein Straftaten verübt. Hier muss sich der Staat schützend vor seine Bürgerinnen und Bürger stellen und deutlich machen: Null Toleranz gegenüber Gewaltkriminalität“, begründete Caffier das Vorgehen.

Die seit Ende 2008 bestehende Vereinigung war von Experten als gewaltbereit eingeschätzt worden. Zahlreiche Opfer, zum Teil mit erheblichen Verletzungen, seien zu beklagen gewesen, teilte das Haus von Caffier weiter mit. Im letzten Juni soll ein Kuttenträger der „Schwarzen Schar“ nach einem Streit einen Mann niedergestochen haben. Der damals 25-Jährige sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft; die Staatsanwaltschaft wirft ihm „versuchten Mord“ vor.

Schlaffer hatte erst im September des letzten Jahres im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gestanden. Damals war vor dem Schweriner Amtsgericht ein bizarrer Streit ausgetragen worden. Der bullige Rocker, der nach NDR-Informationen mehrere Prostituiertenwohnungen betreiben soll, hatte sich von der Wismarer Kommunalpolitikerin Ines Raum 90.000 Euro geliehen, um das heute beschlagnahmte Clubhaus zu kaufen. Zurückgezahlt habe er nach der Darstellung der CDU-Pressesprecherin, die auch im Vorstand der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft sitzt, nur rund ein Viertel der Summe. Eingefädelt habe den Deal der damalige Geliebte der Unternehmerin. Diesen, den besten Freund des Chef-Rockers, habe sie nach seiner Haftentlassung 2010 kennengelernt. Wie der Disput indes ausging, ist nicht bekannt. Die beiden Parteien einigten sich hinter verschlossenen Türen.

Kommentare(11)

Don Geraldo Mittwoch, 08.Januar 2014, 12:30 Uhr:
Man könnte fast den Eindruck gewinnen, der CDU-Politiker Caffier hätte die Bande nur verboten, weil eine CDU-Politikerin einen "Disput" mit der Bande hatte.
Interessant auch, welchen Umgang CDU-Politiker so pflegen.

Immerhin, einen 2008 gegründeten Verein 2013 verbieten zu lassen zeigt eine erstaunliche Schnelligkeit. Stellt sich die Frage, warum man das bei Hells Angel, bandidos und Co nicht auch schafft.
 
Roichi Mittwoch, 08.Januar 2014, 14:07 Uhr:
@ Don

Du darfst ruhig den ganzen Artikel lesen. Auch die Teile zu den Straftaten.
Und wo du schon den Umgang ansprichst: Was sagst du denn zum Umgang der Kamerraden mit Rockernbanden (Roßmüller als Beispiel), Kriminellen und sogar nicht nur der Umgang, sondern, dass Kriminelle gerne bis in höchste Parteiämter kommen.
Dagegen ist der von dir angesprochene Umgang Kleinkram und vor allem ein Einzelfall.

Es gab übrigens auch schon etliche Verbote von Gruppierungen der Bandidos und Hells Angels, sowie anderer Rockergruppen. Das ist dir wohl mal wieder entgangen.

Willst du jetzt auch noch was sinnvolles beitragen, oder reicht dir das Einwerfen von Behauptungen?
 
münchhausen Mittwoch, 08.Januar 2014, 18:12 Uhr:
"Stellt sich die Frage, warum man das bei Hells Angel, bandidos und Co nicht auch schafft. "

Andere MC-Charter werden ebenso erfolgreich mit Verboten belegt. Ihre Unterstellung, dass man nur bei rechtslastigen Vereinen genauer hinschauen würde, soll die rechte Szene wieder wie gewohnt in die Märtyrerrolle setzen, entbehrt aber wieder einmal jeglicher Fakten.

Verbotene MCs:

1. Hells Angels MC Hamburg, 1983
2. War Angels MC München, 1988
3. Gremium MC Mannheim, Karlsruhe, Konstanz, Ludwigshafen und Rastatt, 1988.
4. Hells Angels MC Düsseldorf, 2001.
5. Chicanos MC Barnim, 2009.
6. Bandidos MC Probationary Neumünster, 2010.
7. Hells Angels MC Flensburg, 2010.
8. Mongols MC Bremen, 2011.
9. Hells Angels MC Borderland, 2011.
10. Hells Angels Frankfurt, 2011.
11. Hells Angels Westend 2011.
12. Hells Angels MC Kiel, 2011.
13. Bandidos MC Aachen, 2012.
14. Hells Angels MC Cologne, 2012.
15. Hells Angels MC Berlin City, 2012.
16. Hells Angels Bremen, 2012.
17. Regionalverband Gremium MC Sachsen, 2013.
18. Hells Angels MC Oder City & Oder City Kurmark, 2013.

Eine Nachfrage: Wie kann man eigentlich behaupten, man wüsste, was das beste für das eigene Land und "Volk" (tm) wäre, wenn man ständig bei jedem Thema von einer vollkommen falschen Faktenlage ausgeht und gar nicht weiß, was in der Welt da draußen wirklich vor sich geht. Am Ende hat man sich nur Antworten auf die eigenen nationalen Fantasien gegeben, die nirgendwo außer im eigenen Kopf existieren.
 
Roichi Mittwoch, 08.Januar 2014, 19:51 Uhr:
@ Münchhausen

In der Aufstellung fehlen natürlich noch die, die sich kurz vor dem Verbot selbst auflösten. War zwischenzeitlich in Berlin und Umgebung recht modern.
 
Don Geraldo Donnerstag, 09.Januar 2014, 11:13 Uhr:
@ Roichi
Von Ihnen ist ja nicht anderes zu erwarten als beleidigungen und Unterstellungen.
Ich halte in der Tat Verbindungen von Politikern mit Einfluß zu Kriminellen nicht für eine Lapalie, NPD-Politiker mit Einfluß oder gar Entscheidungsbefugnis sind mir dagegen nicht bekannt.
Und denken Sie an die Verbindungen der Hannoveraner Hells Angels zu Spitzenpolitikern, solche Verbindungen sind kein Einzelfall.

Wie schwachsinnig die ganzen Verbote sind sieht man doch schon an dieser Aufstellung:

1. Hells Angels MC Hamburg, 1983
.
.
18. Hells Angels MC Oder City & Oder City Kurmark, 2013.

Dreißig Jahre nach dem ersten Verbot verbietet man die Hells Angels immer noch.
Solange die Behörden diese Hase-Igel-Spiel mit ständigen Neugründungen unter quasi gleichem Namen mitmachen wird das Problem nie gelöst werden.
Entweder sind die Behörden total doof - es gibt ja genügend Amtsträger die diesen Schluß nahelegen - oder man will das Problem nicht lösen. Dann kommen wir schon zur Frage, wie korrupt dieses System tatsächlich ist.
 
Balou Donnerstag, 09.Januar 2014, 12:13 Uhr:
@ Don:

Knalltüte. Seit über 60 Jahren verbietet man eine Neonazi-Organisation nach der anderen, und immer wieder tauchen neue mit quasi gleichem Inhalt und denselben Leuten auf. Ziehst du daraus dieselben Schlüsse wie bei den Hell´s Angels? Liegt das auch an einem korrupten "System"? Und wer ist dann an dieser Korruption beteiligt? Oder ist das jetzt etwas gaaaanz anderes, weil es dir garade mal so in den Kram passt?
Wenn sogar ihr Dumpfnasen wisst, dass man eine Organisation/ einen Club/ einen Verein nicht einfach mal so eben verbieten kann und man auch im Falle dessen also lediglich nur immer wieder neue Organisationen gründen muss, um sich dem zu letztlich entziehen, dann wissen das die Hell´s Angels und die Bandidos auch. So einfach ist das, Und wenn man da nun unbedingt Verschwörungen vermuten will, dann liegen die zunächst einmal nicht im System begraben, sondern bestenfalls bei den so handelnden Organisationen. Solchen wie Euren zum BEispiel.
 
Don Geraldo Donnerstag, 09.Januar 2014, 15:11 Uhr:
@ Balou

Ich wüßte nicht daß wir uns dutzen, und normalerweise reagiere ich gar auf Auswürfe von Leuten, die ihre Ergüsse gleich mit Beleidigungen beginnen.
Aber da solche Leute auch meist davon ausgehen, sie recht hätten recht wenn ihnen niemand widerspricht tue ich dies hiermit rein formell, denn inhaltlich sind Sie nicht diskussionsfähig.
 
Roichi Donnerstag, 09.Januar 2014, 15:18 Uhr:
@ Don

Ich finde es sehr gut von dir, deine offensichtliche Doppelmoral gleich nocheinmal herauszustellen.
"Ich halte in der Tat Verbindungen von Politikern mit Einfluß zu Kriminellen nicht für eine Lapalie" um dann gleich darauf zu kommen, dass das bei der NPD doch nicht so schlimm wäre.
Mal abgesehen devon, dass du damit der Frage ausweichst.

"Dreißig Jahre nach dem ersten Verbot verbietet man die Hells Angels immer noch."

Tja. Wenn du dich mal etwas bilden würdest, wäre dir nicht entgangen, dass es sich jeweils um eigenständige Vereine handelt, die man natürlich nicht pauschal verbieten kann. Dem Grundgesetz sei Dank, geht das nicht. Daher muss aber eben für jeden Verein einzeln der Nachweis geführt werden, das er verbotswürdig ist. Das ist nunmal ein Teil der Demokratie.
Natürlich ist auch klar, dass du damit nicht klarkommst. Aber Demokratie ist eben nicht Wunschkonzert der Kamerraden und schon gar nicht Ziel.

"Solange die Behörden diese Hase-Igel-Spiel mit ständigen Neugründungen unter quasi gleichem Namen mitmachen wird das Problem nie gelöst werden."

Auch hier täte Bildung gut. Nachfolgeorganisationen sind in der Regel nicht zulässig. Diese können dann einfacher Verboten werden, was auch geschieht.
Die Vereinsfreiheit gilt eben für alle. Ob dir das passt, oder nicht. Und einige Leute nutzen dass eben für kriminelle Machenschaften. Die Kamerraden sind da ja kein unbeschriebnes Blatt.

Ende Teil 1
 
Roichi Donnerstag, 09.Januar 2014, 15:18 Uhr:
Teil 2

"Entweder sind die Behörden total doof "

Nö. Sie müssen sich schlicht an die Grundrechte halten.

"Dann kommen wir schon zur Frage, wie korrupt dieses System tatsächlich ist. "

Wie du jetzt darauf kommen willst, erschließt sich nicht.
Für dich ist es also "korrupt", wenn sich der Staat an die Gesetze hält, nur weil du nicht in der Lage bist, diese auch zu verstehen.
Wie wäre es denn mal mit Bildung bei dir.

Um jetzt mal auf deinen Einstieg in den Kommentar zurückzukommen: "Von Ihnen ist ja nicht anderes zu erwarten als beleidigungen und Unterstellungen."
Du beleidigst und verleumdest mal eben alle rechtmäßig handelnden Institutionen und Personen in diesem Staat als korrupt. Einfach, weil du Gesetze nicht verstehst, verstehen willst, und dir auch sonst Bildung fehlt.
Du verurteilst Verbindungen von Politikern zu Kriminellen, ahst aber kein Problem damit, wenn die NPD Kriminelle in diversen hohen Positionen beherbergt und fördert. Stattdessen versuchst du davon abzulenken.
Das alles lässt sich wunderbar an deinen Kommentaren belegen, wie hier getan. Ist also keine Unterstellung. Und wo ich dich beleidige, wird auch nicht klar. Vielmehr bleibt dies eine von dir unbelegte Unterstellung.
Und wieder sind wir bei der oben angesprochenen Doppelmoral, hier von dir gegenüber Leuten, die dir widersprechen.

Ende Kommentar
 
JayBee Freitag, 10.Januar 2014, 09:36 Uhr:
@Don Geraldo

"Aber da solche Leute auch meist davon ausgehen, sie recht hätten recht wenn ihnen niemand widerspricht tue ich dies hiermit rein formell, denn inhaltlich sind Sie nicht diskussionsfähig."

Das ist aber schade. Das hätte mich ja doch mal interessiert, wie Du auf diese Argumentation reagierst. So kann man Dir unterstellen, daß Du Dich mangels Argumenten aus der Diskussion verabschiedet hast.
 
Michael Karstens Freitag, 10.Januar 2014, 13:15 Uhr:
In Oberbayern wäre soetwas gar nicht möglich, wie in Wismar.
Ich freue mich für die Bürger von Wismar.
@Roichi
"Aber Demokratie ist eben nicht Wunschkonzert der Kamerraden und schon gar nicht Ziel."
Ja du bringst es auf den Punkt.
Kameraden, jedenfalls die Nazis wollen keine Demokratie.
Schau dir an, was und wie auf DS-aktuell diskutiert wird.
 

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