von Oliver Cruzcampo
   

„In Gedenken an Mehmet Turgut“

Für den heute vor zehn Jahren vom NSU-Trio ermordeten Mehmet Turgut wurde heute in Rostock ein Mahnmal eingeweiht. Die Hansestadt stand bis zuletzt in der Kritik, da sich die Errichtung des Gedenkortes immer wieder verzögerte. In der Nacht zuvor hatten Unbekannte bereits symbolisch 30 Straßen in die Mehmet-Turgut-Straße umbenannt.

Rund 200 Personen nahmen am Dienstagvormittag an der Gedenkveranstaltung für Mehmet Turgut teil, der am 25. Februar vor zehn Jahren von Mitgliedern des NSU durch drei Kopfschüsse ermordet wurde. Anlässlich des Todestages wurde zwei Bänke eingeweiht, an denen jeweils eine Plakette angebracht wurde. Darauf ist auf Deutsch und Türkisch neben dem ersten Artikel der Erklärung der Menschenrechte auch eine Widmung an das Opfer zu lesen:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

 

In Gedenken an Mehmet Turgut, der hier am 25. Februar 2004 dem menschenverachtenden, rechtsextremistischen Terror einer bundesweiten Mordserie zum Opfer fiel.“


Neben dem Bürgermeister und der Bürgerschaftspräsidentin waren auch Barbara John, Ombudsfrau für die Hinterbliebenen der Opfer der NSU-Morde und der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu vor Ort. Dieser zeigte sich erfreut, dass „dank dieses Gedenkortes die Erinnerung an Mehmet Turgut am Leben gehalten und ein Zeichen gesetzt wird.“ Gleichzeitig mahnte der Botschafter jedoch, dass – in Anspielung auf das behördliche Versagen – diese „notwendige Maßnahmen für die Zukunft ergreifen“ müssten. Mit Mustafa und Yunus Turgut fanden sich zudem zwei Brüder des Ermordeten bei der Gedenkveranstaltung in Rostock ein – der Jüngere wandte sich in einer kurzen Rede ebenfalls an die Gäste.

Kritik an Verweigerung zur Straßenumbenennung

Bereits in der Nacht auf Dienstag haben Unbekannte in der Hansestadt ca. 30 Straßennamensschilder mit den Schriftzug „Mehmet-Turgut-Straße“ überklebt. Bereits wenige Tage zuvor wurde auch der Neudierkower Weg, dort wo das NSU-Opfer vor zehn Jahren ermordet wurde, kurzerhand zum „Mehmet-Turgut-Weg“. Mit dieser Aktion soll vermutlich kritisiert werden, dass sich die Hansestadt im Gegensatz zu den anderen von NSU-Morden betroffenen Städten nicht zu einer Straßenumbenennung durchringen konnte.

Aber auch die Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens wurde während ihrer heutigen Rede mit mehreren Protestschildern konfrontiert. „Er war kein Rostocker und ist illegal hier gewesen“, steht in großen Lettern auf den Zetteln. Dies soll die CDU-Politikerin im vergangenen Jahr in Bezug auf Turgut gesagt haben. In der Tat lebte der damals 25-Jährige zur Tatzeit in Hamburg und besaß keine Aufenthaltsgenehmigung. Kritisiert wird sie wohl auch dafür, dass die rassistischen Mordmotive so in den Hintergrund gerückt und verharmlost würden.

Alternative Gedenkveranstaltung & Ausstellung zu NSU-Morden

Neben der am Dienstagvormittag durchgeführten Gedenkveranstaltung der Stadt mobilisieren linke Kreise für ein um 17 Uhr stattfindendes Gedenken mit Mitat Özdemir, Überlebender des NSU-Bombenanschlags in Köln. In einer Abendveranstaltung soll der Mann dann darüber berichten, dass er von Anfang an gegenüber der Polizei die Meinung vertreten hätte, dass es sich um einen rassistischen Tathintergrund handelt. Gehör gefunden hätte er nicht.


Eine der Tafeln der Ausstellung im Rostocker Rathaus

Zusätzlich kann im Rostocker Rathaus noch bis zum 12. März die Ausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ besichtigt werden.

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