von Mathias Brodkorb
   

Herr Rennicke, was würden Sie tun, wenn...?

Dieser Tage reisen die Kandidaten der einzelnen Parteien für das Amt des Bundespräsidenten durch die Republik. Gestern besuchte die SPD-Kandidatin Gesine Schwan das Schweriner Schloss, heute folgt ihr der NPD-Kandidat Frank Rennicke. Im Unterschied zu Schwan hat Rennicke keine Einladung anderer Fraktionen erhalten. Was er tun würde, wenn er Bundespräsident würde, erläuterte er vor einigen Tagen in einem Interview mit Karl Richter.


Rennicke, Jahrgang 1964, gehört neben Jörg Hähnel zu den wichtigsten Liedermachern der rechtsextremen Szene. Er ist gelernter Elektroinstallateur, verheiratet, Vater von sechs Kindern und wohnhaft in Franken. Seine Kandidatur begründete er nach Angaben einer Informationsseite des Bundestages wie folgt: "Ich verstehe mich als musikalischer Anwalt aller deutschen Patrioten und möchte den diffamierten und ausgepressten Landsleuten Stimme und Gesicht sein."

Man könne aber nicht gerade behaupten, dass es sein eigener Wunsch gewesen sei, für NPD und DVU als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten ins Rennen zu gehen. Dennoch freue es ihn, wenn man ihn für würdig halte, "das nationale Deutschland vertreten zu können". Dass Rennicke bei der Wahl ohne Chancen ist, weiß er ganz genau. Daher sei es mit der Kandidatur für die Nationalen wie bei der Olympiade: "Dabeisein ist alles!"

Dennoch lässt es sich Rennicke nicht nehmen, sich ausführlich darüber Gedanken zu machen, was er denn täte, wenn er denn könnte. "Keinen Kniefall in Israel, stattdessen Besuch im Gaza-Streifen, die Reise in den amerikanischen Kontinent würde nicht nach Nordamerika gehen - eher zu Venezuelas Präsidenten Hugo Cháves.", betont der nationale Barde. Und damit sich Frau Knobloch vom Zentralrat der Juden erst gar keine falschen Gedanken macht, fasst er noch einmal nach: "Und statt im Zentralratsbüro wäre ein Besuch bei den politischen Gefangenen wie Ernst Zündel und Horst Mahler für mich Verpflichtung." All sein Handeln wäre dem Grundsatz gewidmet, "das Überleben unserer Art in einer zu befriedenden Welt" zu sichern. Mit "Art" meint Rennicke offenbar das "deutsche Volk".


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