von Robert Scholz
   

HDJ-Aktivist Ragnar Dam – Genomforscher der Uni Greifswald

Am Donnerstag stand in Wusterhausen bei Greifswald die Polizei im Rahmen der Großrazzia gegen die HDJ bei Ragnar Dam als einem der ersten auf der Matte. Der Verfassungsschutz sieht Greifswald als Zentrum der HDJ. Dam gilt als wichtige Führungsfigur der neonazistischen Jugendorganisation, seinem wissenschaftlichen Arbeiten an der Uni Greifswald stand diese brisante „Nebentätigkeit“ nicht im Weg.

Wie die „Ostsee-Zeitung“ (OZ) in ihrer Wochenendausgabe berichtet, besitzt Ragnar Dam sogar ein Namensschild an der Eingangstür zur Abteilung „Funktionelle Genomforschung“, dem Fachbereich, an dem er seine Diplomarbeit verfasst. Der Leiter des Fachbereichs, Professor Uwe Völker, erklärte, dass der 24-Jährige seine Arbeit zu einem „biotechnologischem Thema“ schreibe. Von Dams politischen Aktivitäten distanzierte sich der Professor im Gespräch mit der OZ: „Als Hochschullehrer und Leiter eines internationalen Forschungsteams verurteile ich kompromisslos jede Form radikaler politischer Ansichten.“

Nach Rücksprache von ENDSTATION RECHTS. mit Professor Völker teilte dieser mit, dass Ragnar Dam kein Arbeitsverhältnis mit der Universität unterhalte. Die Uni sei aufgrund der Annahme der Diplomarbeit allerdings "arbeitsrechtlich gezwungen" Dam an einer Tafel mit Namen zu führen. "Niemand", erklärte Professor Völker, "teilt seine politischen Ansichten." Fachbereichsleiter Völker kann sich Dams politische Einstellung auch nur schwer erklären: "Wir sind eine Abteilung mit vielen Ausländern. Auch Herr Dam arbeitete hier mit Indern und Chinesen immer problemlos zusammen."

Der Pressesprecher der Uni, Jan Meßerschmidt, erläuterte ferner, dass eine Exmatrikulation Dams nicht ohne Weiteres umsetzbar sei: „Der Fall Ragnar Dam beschäftigt uns schon seit Mai.“ Im Mai wurde bekannt, dass Dam auf einer so genannten „Rassenschulung“ der HDJ im Januar dieses Jahres den nationalsozialistischen Propagandafilm „Der ewige Jude" gezeigt haben soll, dessen Aufführung wegen seines erheblich volksverhetzenden Charakters verboten ist.

Am Montag beraumte die Uni eine erneute Versammlung zu dem Thema an. Der Prorektor erklärte, dass sich nun auch die Unileitung mit dem Fall befassen wolle.

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