von Redaktion
   

Hamburger Hafengeburtstag: AfD scheitert mit Forderung nach Auftrittsverbot für Slime

Mit einem in dieser Woche in die Bürgerschaft eingebrachten Antrag wollte die Hamburger AfD-Fraktion den Auftritt der Punkband Slime auf dem Hafengeburtstag in letzter Minute durchkreuzen. In der Abstimmung erlebten die Rechtspopulisten indes eine Bruchlandung. Die Band freut sich derweil über die unfreiwillige Werbung.

Slime live auf dem Ruhrpott Rodeo (Foto: Christian Lukassen)

In ihrem jüngst in die Hamburger Bürgerschaft eingebrachten Antrag „Keine extremistischen Bands und Hass-Musiker auf dem Hafengeburtstag“ (pdf-Dokument) zitiert die dortige AfD-Fraktion ausführlich zwei Songs der Hamburger Punkband Slime. Die Konsequenz der selbsternannten Alternative aus den Texten von „Deutschland muss sterben“ und „Bullenschweine“ lautet: Der Senat solle darauf einwirken, dass „extremistische Gruppen und Hass-Musiker wie die Band Slime nicht im Rahmen des diesjährigen Hafengeburtstages auftreten“.

Das Auftrittsverbot soll nach dem Willen der AfD auch für zukünftige Veranstaltungen der Freien und Hansestadt Hamburg gelten. Am 8. Mai wird Slime die Stage der „Jolly-Roger-Bühne“ entern. In der Hamburger Morgenpost hatte ein Sprecher der Wirtschaftsbehörde unterstrichen, man werde sich nicht in die Musikauswahl einmischen.

In der namentlichen Abstimmung der Bürgerschaft kassierte die AfD gestern nach Angaben des Hamburger Abendblattes allerdings eine schwere Klatsche. Fünf Abgeordnete hätten für die Initiative gestimmt – und 98 dagegen. Selbst die CDU, die in einem eigenen Antrag dem SPD-geführten Senat unterstellte, das „Problem Linksextremismus“ nicht „bewusst an[zu]gehen“ (pdf-Dokument), stellte sich demnach nicht hinter die Rechtspopulisten. Dafür fuhr sie schwere Geschütze auf. In dem Antragstext der Union heißt es weiter, der Senat toleriere und unterstütze „mittelbar Vertreter aus dem linksextremen Spektrum“. Auch deshalb verfestige sich Hamburg „nachhaltig zu einer Hochburg des Linksextremismus“.

Kunst verbieten?

Zuvor hatte Slime auf Facebook darauf hingewiesen, das seit 2011 indizierte Lied „Bullenschweine“ gehöre nicht mehr zu ihrem Live-Programm. Dass die „Macher“ des Antrages ihre Argumentation außerdem auf „Deutschland muss sterben“ aufbauten, bewerten Beobachter als handwerklichen Fehler. Schließlich bekam dieses Lied vom Debüt-Album höchstrichterlich bereits vor 16 Jahren vom Bundesverfassungsgericht den „Kunst“-Stempel attestiert.

Karlsruhe hob damals Urteile aus niederen Instanzen auf – die „kritische Absicht“ des Liedes sei unverkennbar. Die Interpretation u. a. des Amtsgerichtes Tiergarten werde „dem satirischen, verfremdenden und metaphorischen Gehalt des Werks jedoch nicht gerecht“. „Bei dem Lied `Deutschland muss sterben´ handelt es sich erkennbar um eine plakative, drastische Kritik mit satirischem Einschlag an gesellschaftlichen und politischen Zuständen in Deutschland“, schreibt die Kammer in ihrer Urteilsbegründung.

Slime selbst zeigte sich in den Sozialen Netzwerken ob der „unfreiwilligen Werbung“ der AfD erfreut. Besonders für ihren aktuellen Song „Sie wollen wieder schießen dürfen“, der mit rassistischen Strömungen abrechnet und sich auch, aber nicht nur, an die AfD richtet. Die Erlöse aus dem Verkauf spenden die Hamburger an Pro Asyl.

Kommentare(14)

Erik Donnerstag, 28.April 2016, 16:06 Uhr:
"Karlsruhe hob damals Urteile aus niederen Instanzen auf – die „kritische Absicht“ des Liedes sei unverkennbar. Die Interpretation u. a. des Amtsgerichtes Tiergarten werde „dem satirischen, verfremdenden und metaphorischen Gehalt des Werks jedoch nicht gerecht“. „Bei dem Lied `Deutschland muss sterben´ handelt es sich erkennbar um eine plakative, drastische Kritik mit satirischem Einschlag an gesellschaftlichen und politischen Zuständen in Deutschland“, schreibt die Kammer in ihrer Urteilsbegründung"

Na, hoffentlich verstehen die Anhänger dieser Band den Text auch als Satire und nehmen das nicht so ernst. Darauf kommt es ja auch an.
Was mich aber interessieren würde ist, ob sich diese Band von den anderen früheren Texten distanziert, oder ob die Bandmitglieder die "Bullen" noch immer "platt wie Stullen" hauen wollen.
 
Don Geraldo Freitag, 29.April 2016, 10:34 Uhr:
Komisch, "Macht die Bullen platt !" ist Kunst, "Macht die Kanacken platt !" bei Störkraft ist Volksverhetzung.
Muß man nicht verstehen, ist halt eine Machtfrage.
 
Roichi Freitag, 29.April 2016, 12:18 Uhr:
@ Don

Hast du nicht verstanden, ist halt eine Bildungsfrage.
 
Lesen bildet Freitag, 29.April 2016, 15:08 Uhr:
@Don:

Oft hilft es, sich zu bilden, zu lesen oder nachzudenken, bevor man den nationalen Kriegspfad betritt. Der von ihnen (auch noch falsch) zitierte Abschnitt ist Teil eines indizierten Liedes und war nicht einmal Gegenstand des "Kunst"-Verfahrens vor dem BVerfG.
 
Erik Freitag, 29.April 2016, 15:14 Uhr:
@ Don

Du hast was falsch verstanden. "Macht die Bullen platt" wurde auch nicht als Kunst eingestuft. Das mit der Kunst bezieht sich auf das Lied "Deutschland muss sterben". Wobei das für mich auch keine Kunst darstellt.
 
Nils Freitag, 29.April 2016, 16:26 Uhr:
"Haut die Bullen platt wie Stullen" ist gar nicht von Slime. Der Satz stammt aus dem Song "Bullenschweine" von Normahl.
 
Rostockä Freitag, 29.April 2016, 18:08 Uhr:
Als wenn es überaschend wäre, wenn in einer Stadt, in der linksextreme Gewalt vom Senat nicht nur geduldet wird, sondern sogar deren Infrastruktur aus Steuermitteln finanziert wird, Linksextremisten öffentlich ihre Hassparolen verbreiten können.

Aber sich aufregen wenn ein Bassist einer rechten Band, von der keine Lieder verboten sind, als Feuerwehrchef gewählt wird. Wie in Pommern...
 
nur mal nachgefragt Freitag, 29.April 2016, 19:14 Uhr:
@ Björn
Die Hamburger Bürgerschaft hat abgestimmt. Punkt. Und das doch ziemlich eindeutig. Warum hast du denn jetzt schon wieder ein Problem mit Demokratie?
Und was hat das jetzt mit einem Barden aus Vorpommern zu tun?
 
Erik Samstag, 30.April 2016, 00:32 Uhr:
@ nur mal nachgefragt

"Die Hamburger Bürgerschaft hat abgestimmt. Punkt. Und das doch ziemlich eindeutig. Warum hast du denn jetzt schon wieder ein Problem mit Demokratie?"

Zu einer Demokratie gehört es auch, dass man die Entscheidungen der Hamburger Bürgerschaft kritisieren darf. Ich weiß, das passt dir nicht. Aber es kann ja niemand etwas dafür, wenn du ein Problem mit der Demokratie hast.
 
Roichi Samstag, 30.April 2016, 00:40 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Für deine Behauptungen wolltest du doch bestimmt auch noch einen Beleg bringen, hast nur vergessen ihn anzuhängen.
Bitte hole das doch nach. Nicht, dass du dann wieder mal nur mit Parolen und Behauptungen dastehst.
 
Roichi Samstag, 30.April 2016, 12:53 Uhr:
@ Erik

Kritik braucht eine faktische Grundlage, die Björni nicht hat.
 
Berlinerin Samstag, 30.April 2016, 19:07 Uhr:
@ Erik

"Zu einer Demokratie gehört es auch, dass man die Entscheidungen der Hamburger Bürgerschaft kritisieren darf."

Oh ja, das darf man natürlich. Aber das weinerliche Herunterrasseln von Behauptungen ist in deinen Augen Kritik?
Erinnert mich irgendwie an den, der sich hier auch gern @kritiker nennt.
Strengt euch doch endlich mal etwas an ...
 
Rostockä Sonntag, 01.Mai 2016, 11:37 Uhr:
Natürlich darf der Senat demokratisch entscheiden linksextreme Hasskapellen zu tolerieren. Nur ist es dann extrem heuchlerisch, schließlich wissen wir alle wie die Reaktionen der Herren "Demokraten" ausgesehen hätten, wenn statt Slime die Lunikoff Verschwörung beim Hafengeburtsag aufgetreten wäre.

Und das eben gerade jene linke Möchtegerndemokraten im Senat keinerlei Probleme mit dem Auftritt von Antidemokraten haben zeigt, dass es mit ihrer verfassungstreue nicht weit her ist.
Wie schon gesagt...armselige Heuchler diese Genossen.
 
Roichi Montag, 02.Mai 2016, 11:30 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Ich komme mal nicht auf deine Verteidigungsreden zugungsten deiner Kamerraden zurück, die dich als Heuchler entlarven.
Sonst kommt von dir nur eine Wiederholung deiner Behauptungen von oben.
 

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