von Lukas Beyer
   

Halle: Hunderte protestieren gegen rechtes Hausprojekt

In Halle demonstrierten am Sonnabend rund 900 Menschen gegen die rechtsextremen Identitären. Insbesondere richtete sich der Protest gegen Kontrakultur Halle – den lokalen Ableger der Identitären Bewegung und ihr Hausprojekt.

An der Demo gegen das rechte Hausprojekt beteiligten sich weit mehr Personen als anfangs erwartet; Foto: Lukas Beyer

Im Juli wurde bekannt, dass die Identitären in Halle ein Hausprojekt gegründet haben. Bereits damals dauerte es nicht lange, bis sich das antifaschistische Bündnis „Kick them out“ gründete und über 800 Menschen zu einer Demonstration gegen das IB-Haus mobilisieren konnte.

Kontrakultur Halle (KKH) nahm das zum Anlass, um sich mit rund 90 Identitären, aber auch AfDlern vor ihrem „patriotischen Wohnprojekt“ zu versammeln. Seit September hat der AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider zudem sein Zweitbüro in derselben Immobilie.

Rechter Shitstorm mündet in Gewaltphantasien

In der Nacht zum vergangen Mittwoch attackierten Unbekannte das Haus der Identitären mit Pflastersteinen und hinterließen eine stark stinkende Flüssigkeit. Das rechte Vernetzungsprojekt Ein Prozent probierte einen Zusammenhang mit einer Infoveranstaltung des Soziologen Jerome Trebing am Vortag an der Universität Halle zu konstruieren. Der Denuzierungsversuch gegen Trebing und weitere Personen führte zu einem enormen Shitstorm inklusive zahlreichen Gewaltphantasien von Anhängern der Neuen Rechten in den sozialen Netzwerken. Dieser zielt auf die Diskreditierung der fundierten Recherchen und Analysen des Soziologen über die Identitären.


Die Klingelschilder am Hauseingang des rechten Hausprojektes; Foto: Lukas Beyer

Kontrakultur Halle probiert zwar stets, den Mythos der gewaltfreien Identitären aufrecht zu erhalten, jedoch kommt es immer wieder zu zahlreichen Bedrohungen gegenüber Studierenden auf dem Campus der Universität Halle. Während die KKH auf dem Campus Präsenz zeigt und diesen am liebsten dominieren würde, ließ sich dennoch kein IB-Kader während der antifaschistischen Demonstration blicken. Lediglich eine vermummte Person fotografierte Journalisten und Protestierende kontinuierlich aus dem Haus in der Adam-Kuckhoff-Straße 16.

Während in Deutschland immer noch viel über den Umgang mit den Identitären und der Neuen Rechten diskutiert wird, hat sich die AnwohnerInnen-Initiative gegen das „Identitäre Hausprojekt“ schon entschieden. Im Oktober veröffentlichte die Gruppe einen Offenen Brief, in dem es ausdrücklich heißt: „Wir wünschen ausdrücklich keine Nachbarschaft mit Ihnen“. Der Brief war von 120 Anwohnern, Institutionen und Geschäftsinhabern unterschrieben.

Aufklärung über rechte Vernetzung

Unter dem Motto „Nazizentrum dichtmachen“ startete am Samstag die Demonstration der Kampagne „Kick them out“ am Steinor in Halle und führte am IB-Haus vorbei zum Markt. Als die Protestierenden das Haus passierten, war dieses bereits durch die Polizei abgesichert. Das verhinderte jedoch nicht den lautstarken Protest mit Parolen wie „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“. In mehreren Redebeiträgen wurden sowohl die Vernetzungen der KKH in die Neue Rechte thematisiert als auch auf deren Gewaltbereitschaft hingewiesen.

Die Organisatoren der Demonstration, an der sich etwa 900 Menschen beteiligten, sprechen von einem vollen Erfolg. Erwartet hatten sie anfangs lediglich 300 Teilnehmer. Zunehmend entwickele sich auch ein breites Bündnis gegen das rechte Hausprojekt in der Adam-Kuckhoff-Straße. In Halle stünde nun die Auswertung der Demonstration an. Die Identitären haben das Haus als ideologisches Schulungszentrum offiziell noch gar nicht eröffnet, dementsprechend dürfte sich in nächster Zeit erst noch zeigen, in welchem Ausmaß die Immobilie für die Neue Rechte von Nutzen sein wird.

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