Haftstrafe für Auschwitz-Leugnerin
Detmold – Die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel aus Vlotho (Kreis Herford) ist vom Amtsgericht Detmold zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt worden.
Im Februar hatte Haverbeck-Wetzel in einem offenen Brief an den Detmolder Bürgermeister Rainer Heller (SPD) den Holocaust geleugnet. Während des Prozesses gegen den Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning am Landgericht Detmold, echauffierte sich die 87-jährige Rechtsextremistin in dem Schreiben über das Strafverfahren gegen den einstigen SS-Unterscharführer.
Es sei „eindeutig erkennbar“, schrieb die Rechtsextremistin, dass „Auschwitz ein Arbeitslager – und kein Vernichtungslager“ gewesen sei. Die Überlebenden von Auschwitz, die gegen den SS-Mann Hanning in Detmold aussagten, bezeichnete Haverbeck-Wetzel als „angebliche Zeugen“. Hanning wurde am 17. Juni wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.
Mangelnde Einsicht
In dem Brief beklagt sich Haverbeck-Wetzel auch darüber, dass sie an einem Verhandlungstag nicht als Zuschauerin an dem Prozess teilnehmen konnte. „Die Antifa“, so die Auschwitz-Leugnerin, hätte sie davon abgehalten, die Polizei hätte dabei tatenlos zugesehen. „Diese sah zu, wie die Chaoten, etwa zwanzig Menschen, mich bedrängten, schupsten und hätte ich mich gewehrt, über mich hergefallen wären.“ Das Schreiben trägt den Titel „Die Kapitulation Detmolds vor der Antifa“. Tatsächlich war Haverbeck-Wetzel bei einem Prozesstermin am Eingang zum Gerichtssaal bedrängt worden, Polizisten mussten sie vor aufgebrachten Passanten schützen. Letztlich war sie jedoch nicht in den Saal gelassen worden, da alle Sitzplätze belegt waren.
In ihrem Prozess am vergangenen Freitag leugnete die notorische Volksverhetzerin von der Anklagebank aus erneut den Holocaust. Auch wegen der mangelnden Einsicht verurteilte die Richterin Haverbeck-Wetzel zu acht Monaten Haft ohne Bewährung – der Staatsanwalt hatte sechs Monate gefordert. Vor sich hatte die Angeklagte für die Fotografen das Buch „Jüdisch-Deutscher Dialog“ von Josef Ginsburg aufgestellt. Ginsburg dient den Geschichtsrevisionisten als „jüdischer Entlastungszeuge“ für das Dritte Reich.
Weitere Prozesse wegen Volksverhetzung
Über ein Dutzend Anhänger Haverbeck-Wetzels verfolgten den Prozess in Detmold. Einige mussten aus Platzgründen vor dem Verhandlungssaal warten und applaudierten ihrem Idol nach der Verurteilung. Während einer Verhandlungspause reichte die ehemals in der inzwischen verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ aktive Anna-Maria U. der Holocaust-Leugnerin eine Flasche Wasser.
Gegen Haverbeck-Wetzel ist es bereits die zweite Haftstrafe ohne Bewährung. Im November 2015 war sie vom Amtsgericht Hamburg zu zehn Monaten verurteilt worden. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig, weswegen die umtriebige Antisemitin noch auf freiem Fuß ist. Die nächsten Verhandlungstermine wegen Volksverhetzung stehen allerdings schon fest: Vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen muss sie sich im Oktober, vor dem Verdener Amtsgericht im November verantworten. Außerdem hat die Staatsanwalt Berlin bereits Anklage wegen Volksverhetzung erhoben. (jf)