von Robert Scholz
   

Grenzverschiebungen – NPD-nahes Bildungswerk tagt zu „Nation & Europa“ und Menzel ist dabei

An der tschechischen Grenze trafen sich werdende NPD-Intellektuelle um über „Nation & Europa“ zu debattieren. Eingeladen hatte das 2005 gegründete, der NPD nahe stehende „Bildungswerk für Heimat und nationale Identität e.V.“ Für die europäische Einigung müsse man „historische Streitfragen“ überwinden. Das dachte sich offenbar auch Felix Menzel, Chefredakteur der neurechten Schülerzeitung „Blaue Narzisse“, der an der Veranstaltung teilnahm.

Etwas überraschend, dass ein ausführlicher Bericht von der Tagung ausgerechnet auf der Seite der „Blauen Narzisse“ (BN) erscheint, tummeln sich in den Kommentarspalten doch ein Haufen Leute, die sich kritisch bis angewidert über die NPD äußerten. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet BN-Chef Menzel die Veranstaltung des Bildungswerkes besuchte. In seinem Bericht setzt er Hoffnungen auf „eine Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis“. Inwiefern Menzel hier nur Beobachter sein wird, oder sich auch aktiv einbringen will, macht er allerdings nicht deutlich.

Dabei dürften Schnittmengen zwischen ihm und dem elitären Kreis der NPD-Intelligenzija um die NPD-Mitarbeiter Holger Szymanski und Thorsten Thomsen sowie den sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten Arne Schimmer durchaus vorhanden sein. Das wird zumindest in dem Bericht zur Tagung deutlich. Demnach haben sich die Referenten für eine „Phalanx der Euro-Rechten“ ausgesprochen, die aus den „national-identitären Parteien und Bewegungen“ bestehen solle. Vorbild hierfür sei dem Pressereferenten der sächsischen NPD-Fraktion und neuen Vorsitzenden des Bildungswerkes, Thorsten Thomsen, zufolge der 1980 verstorbene englische Faschist Sir Oswald Mosley. Menzel fragt sich allerdings, inwiefern eine solche Konzeption, die „verschiedenen Massen in Europa in Form bringen könnte“.

Eine Frage, die auf der zweitägigen Tagung unbeantwortet bleiben sollte, da man sich zunächst offenbar mit dem ersten Schritt befasst hat, indem überlegt wurde, wie die Einheit dieser „Euro-Rechten“ überhaupt hergestellt werden könne und wie sie auszusehen hätte. Dabei kam es zu bemerkenswerten Überlegungen. Pflegt die NPD doch von Mitteldeutschland zu sprechen, um zu verdeutlichen, dass Deutschland für sie größer sei als die BRD und sie die Ostgebiete noch längst nicht abgeschrieben hat, waren die Referenten hier überwiegend anderer Meinung. Thomsen etwa sprach davon, dass „historische Streitfragen“ überwunden werden müssten, da sie das Verhältnis der Rechtsparteien in Mittel- und Osteuropa belasteten. Dieser Punkt sei auch in der abschließenden Diskussion Konsens gewesen. Auch hier habe es der Pressemitteilung zufolge geheißen, dass „historischer Ballast wie Grenzstreitigkeiten aufgrund der Europa gleichermaßen betreffenden Bedrohungslage überwunden werden“ sollten. Ein „europa der Nationen“ sei daher um ein „Europa der Regionen“ zu ergänzen.

Auch darüber, was de „Hauptbedrohung“ sei, war man sich überwiegend einig. Sie würde in einer „Kombination aus ungebremster Massenzuwanderung einerseits und demographischen Niedergang der Autochtonen anderseits“ (Thomsen) zu finden sein. In bester Schmittscher Diktion sah der „Politikstudent Jan-P. Thomas“ darin aber auch die Chance zu neuer Einigkeit. Demnach könne das „Bedrohungsszenario Islam“ zu einer „gemeinsamen Abwehrfront der europäischen Völker beitragen“. 

Eine nennenswerte innerparteiliche Wirkung dürften die NPD-Denker allerdings nicht erzielt haben. Zwar heißt es in der Pressemitteilung, man hätte ein „breites Spektrum der akademischen Jugend versammeln“ können, BN-Reporter Menzel berichtet allerdings enttäuscht von gerade einmal 15 Zuhörern. Für Menzel Anlass, die „Akzeptanz der offenen Art von Schimmer und seinen Kollegen“ in Frage zu stellen. So stellt Menzel fest, dass „sich deutlich mehr junge Leute an den Demonstrationen in Torgau bzw. dem Parteitag in Sachsen-Anhalt beteiligt [hätten], statt in aller Abgeschiedenheit die theoretischen Grundlagen des radikal rechten Weltbildes zu klären“.

Vielleicht ändert sich das ja noch und die NPD erhält den offenbar erhofften Zulauf aus der Akademiker-Riege der Republik. Für den Herbst hat das Bildungswerk jedenfalls schon mal die nächste Veranstaltung angekündigt. Dann werden möglicherweise auch Menzels Fragen beantwortet.

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