von Redaktion
   

Göppingen – Friedlicher Gegenprotest und neue Neonazi-Demos bis 2020 angemeldet

Am vorletzten Samstag demonstrierten rund 140 Neonazis unter dem Motto "Unserem Volk eine Zukunft – Schluss mit Ausbeutung und moderner Sklaverei" im baden-württembergischen Göppingen. Die Stadt hatte die Demonstration zunächst verboten. Das Verbot wurde jedoch später gerichtlich gekippt. Unterdessen wurde bekannt, dass die Neonazis jährlich wiederkommen wollen - bis zum Jahr 2020.

Symbolbild Neonazi-Aufmarsch; Foto: Oliver Cruzcampo

Organisator und treibende Kraft hinter der Demonstration war die ortsansässige Gruppierung der Autonomen Nationalisten Göppingen. Neben dem bundesweit mobilisierten freien Kameradschaftsspektrum waren auch die NPD sowie die Partei Die Rechte vertreten. Als Redner traten unter anderem der mehrfach vorbestrafte Dieter Riefling, der NPD-Funktionär Roland Wuttke, der Schweizer Rechtsextremist Philippe Eglin sowie Michael Brück, Mitglied der Rechten Dortmund, auf. Der im Vorfeld als Redner angekündigte NPD-Landesvorsitzende Alexander Neidlein war nicht erschienen.

Unter den Teilnehmern gab sich auch das Umfeld des NSU ein Stelldichein. So war unter anderem Maik E., der Bruder des im NSU-Prozess Angeklagten André E., in Göppingen dabei. Durch Gleisblockaden kam es zur Verzögerung der Anreise der Neonazis, sodass die Demonstration mit Verspätung begann und die Demonstrationsstrecke dementsprechend verkürzt werden musste. Mit Sichtschutzwänden und quergestellten Einsatzfahrzeugen hatte die Polizei für eine weiträumige Trennung gesorgt, sodass die Außenwirkung der Neonazi-Demonstration gegen Null ging, dadurch aber auch Gegenprotest in Hör- und Sichtweite nahezu unmöglich war.

Die ursprünglich über den Göppinger Marktplatz verlaufende Strecke, hatten die Neonazis nicht zuerkannt bekommen, wohl unter anderem weil dort der Verein "KREIS GÖPPINGEN nazifrei" (KGn) gemeinsam mit der SPD, den Grünen, den Gewerkschaften, dem Kreisjugendring sowie der Ortsgruppe von Amnesty International die zentrale Gegenkundgebung sowie in der angrenzenden Marktstraße die "Göppinger Straße der Demokratie" veranstaltete. Schon zum Auftakt fanden sich dort mehrere Hundert Bürger ein. KGn-Vorsitzender Alex Maier, Landrat Edgar Wolff, Oberbürgermeister Guido Till, der SPD-Kreisvorsitzende Sascha Binder, der Landesvorsitzende der Grünen Chris Kühn, Gewerkschafterin Leni Breymaier sowie kirchliche Vertreter, Vertreter des Integrationsausschusses und lokaler Vereine, sprachen sich klar gegen braunes Gedankengut aus. Die Bands Box Beat, Unsaturate und Rocket Rollator sowie die Solokünstler Phillip Frei, Ninel Cam und Werner Dannemann sorgten daneben für ein buntes Unterhaltungsprogramm. Über den Tag verteilt besuchten mehrere Tausend Menschen die friedlich verlaufende Göppinger Straße der Demokratie, auf der sich lokale Vereine, Parteien und Gewerkschaften mit Ständen und vielfältigen Aktionen für Toleranz und Demokratie und gegen Neonazismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt positionierten. Nachmittäglicher Höhepunkt war der Aufstieg von mehreren Hundert Luftballons, mit der die Göppinger Bürger ihre Botschaft gegen Rechtsextremismus in die Welt schickten. Storch Heinar war zwar nicht persönlich mit von der Partie, hatte den Veranstaltern aber bereits im Vorfeld einige seiner begehrten Pakete zukommen lassen und war so in Form von Aufklebern und Plakaten präsent.

An den Sichtschutzwänden und Absperrgittern zur Route der Neonazis kam es zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Linksautonomen und der Polizei. Dabei wurden nach Angaben von Demosanitätern rund 70 Gegendemonstranten und, laut der Abschlusspressemitteilung der Polizei, sieben Polizisten verletzt sowie rund 500 Gegendemonstranten in Gewahrsam genommen. Nach Polizeiangaben waren mehr als 2.000 Beamte im Einsatz. Im Nachhinein wurde aus verschiedenen Richtungen Kritik an der Einsatzstrategie der Polizei sowie den Ingewahrsamnahmen laut.

Die Stadt Göppingen hatte bereits im Vorfeld der Demonstrationen die Fotokampagne "Wir zeigen Gesicht gegen Rechts" gestartet, die entstandenen Plakate in den Geschäften in der Innenstadt ausgehängt und am Vorabend eine eigene Veranstaltung auf dem Marktplatz durchgeführt. Oberbürgermeister Guido Till sprach zwar auch am Samstag auf der zentralen Gegenkundgebung, hatte den Bürgern jedoch im Vorfeld dazu geraten, zuhause zu bleiben.

Inzwischen wurde bekannt, dass die Autonomen Nationalisten den Göppinger Marktplatz bis ins Jahr 2020 jährlich im Oktober für weitere Demonstrationen "reserviert" haben.

Kommentare(4)

L.B. Freitag, 25.Oktober 2013, 12:16 Uhr:
Das Motto ist ja ganz schön konkret. Das muss man den Braunbatzen schon lassen.

*ironie off*
 
Soldat Freitag, 25.Oktober 2013, 15:22 Uhr:
Mich wundert, dass das Bild mit der Unterschrift "Symbolbild Neonaziaufmarsch" tituliert ist. Die linken Autonomen heben sich, von der Beflaggung und Symbolik abgesehen, kein Stück von denen ab.
Ansonsten: find ich gut. Die Faschisten können ihren Unsinn rauslassen und fühlen sich selber als Helden, die Bürger reagieren dagegen solidarisch. Nur die Übergriffe auf Polizisten/von Polizisten (?) lese ich mit Unbehagen.
 
Steven Freitag, 25.Oktober 2013, 15:57 Uhr:
"Dabei wurden nach Angaben von Demosanitätern rund 70 Gegendemonstranten und, laut der Abschlusspressemitteilung der Polizei, sieben Polizisten verletzt sowie rund 500 Gegendemonstranten in Gewahrsam genommen. "

Und das nennt ihr dann einen friedlichen Protest?

Interessant ... da wil ich gar nicht wissen, wie es abgeht wenn ihr dann "gewalttätig" werdet
 
Momo Montag, 28.Oktober 2013, 02:40 Uhr:
Wer ist in dem Zusammenhang denn bitte "ihr"?

Anscheinend hat es sowohl friedlichen als auch unfriedlichen Protest gegeben, was bei Neonazi-Demonstrationen ja keine Seltenheit sein soll.
 

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