von Presseservice Rathenow
   

"Gegen linke Gewalt und Asylmissbrauch" – Hooligans organisieren Aufmarsch in Magdeburg

An einer von rechten Hooligans organisierten Versammlung hatten sich am Samstagnachmittag in Magdeburg zwischen 500 und 600 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „gegen linke Gewalt und Asylmissbrauch“ und bestand aus zwei Kundgebungen und einem Marsch durch das Zentrum der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt.

Uraufführung am Rande der Aufmarsches in Magdeburg: Eine neue "Deutschland-Choreographie" (Foto: Presseservice Rathenow)

Heterogener Teilnehmer_innenkreis

Zu der Versammlung aufgerufen hatte die aus der Bewegung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) entstandene Vereinigung „Gemeinsam Stark eV“. Entgegen dem Zusammengehörigkeit vermittelnden Anspruch im Namen der Gruppierung war die Veranstaltung aber eher ein Produkt eines sehr heterogenen Unterstützer_innenkreises. Im Wesentlichen beteiligten sich an dem Aufmarsch rechtsgesinnte Hooligans, extrem rechte PEGIDA-Ableger, neonazistisch angehauchte Bruderschaften und aktionsorientierte Neonazis aus „Freien Kräften“ und der Partei DIE.RECHTE, die in Bezug auf das Auftreten bei Veranstaltungen sehr differenzierte Ansichten vertraten.

Nur ein kleiner Teil der Veranstaltungsteilnehmer_innen gab sich hingegen explizit als Sympathisant_in oder Mitglied von Gemeinsam Stark zu erkennen. Hauptsächlich war dies die erste Demoreihe und die Ordner_innen. Und diese hatte auch alle Mühe die Versammlungsteilnehmer_innen zusammenzuhalten bzw. zu disziplinieren. Während Gemeinsam stark nämlich eigentlich mit dem Anspruch auftrat, einen geordneten, mediengerechten Aufzug zu präsentieren, waren einige Personen und Gruppen nicht bereit, auf Provokationen, Pöbeleien und Rangeleien zu verzichten. Ein Teil der Hooligans, insbesondere eine Reisegruppe aus Oberhausen (Nordrhein Westfalen), kam beispielsweise bereits schon erheblich betrunken auf der Veranstaltung an und versuchte immer wieder Auseinandersetzungen anzuzetteln.


Am Rande der Veranstaltung kam es erneut zu Angriffen auf Journalisten (Presseservice Rathenow)

Ähnlich gewaltsuchend, jedoch weniger alkoholisiert, gab sich eine ungefähr 100 Personen starke Aktionsgruppe von Sympathisant_innen der Partei DIE.RECHTE aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Aus diesem Personenkreis wurde bereits während der polizeilichen Einlasskontrollen ein Pressevertreter angegriffen. Der Angreifer ist Funktionär des Rechte-Kreisverbandes Magdeburg / Jerichower Land. Medienvertreter_innen waren zudem das Ziel von verbalen Anfeindungen von PEGIDA-nahen Redner_innen auf dem Bühnen-Truck.

Gemeinsame Feindbilder

Trotz des unterschiedlichen Auftretens der Versammlungsteilnehmer_innen einte alle jedoch die Proklamierung gemeinsamer Feindbilder. Insbesondere die Diffamierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, beispielsweise während des Redebeitrages des Leipziger Funktionärs der Partei DIE.RECHTE, Alexander Kurth, bot beispielsweise auch den PEGIDA-nahen Grüppchen, wie der „Bürgerbewegung Altmark“ aus dem nördlichen Sachsen-Anhalt sowie „POGIDA“ und das „Bürgerbündnis Deutschland“ aus Brandenburg, die Möglichkeit, gemeinsam mit expliziten Gewalttäter_innen und einschlägigen Neonazis zu marschieren.

Andererseits war in den vergangenen Monaten aber auch zu beobachten, dass diese vermeintlichen „Patrioten gegen die Islamisierung“ sich in ihrem Meinungsbild bereits erheblich auf die extreme Rechte zu bewegte. Deutlich wurde dies beim Beitrag des PEGIDA-nahen Redners Sebastiano Graziani. Brachte er in früheren Redebeiträgen in ersten Linie seine Abscheu gegen den Islam und gegen Bundeskanzlerin Merkel zum Ausdruck, näherte er sich in Magdeburg auch Themen an, die, wie das explizit erwähnte Gedenken an die Toten der „Rheinwiesenlager“ oder an die Bombardierung Magdeburgs, ein fester Bestandteil neonazistischer Revisionismuskampagnen sind.

Neonazistische Symbolik dominiert Versammlung

Überhaupt war die Demonstration von „Gemeinsam Stark“ erheblich von neonazistischer Symbolik und Ausdrucksweise geprägt. Mehrere Versammlunsgteilnehmer_innen fielen beispielsweise mit Kleidungsstücken auf, auf denen Schriftzüge, wie „HKN KRZ“ (Szenekürzel für Hakenkreuz) oder SS (vorgeblich für „Stressstaffel“, mutmaßlich aber eine Sympathiebekundung für die verbotene, nationalsozialistische Schutzstafffel) zu erkennen waren. Die neonazistische Vereinigung „AG Nordheide“ aus dem niedersächsischen Buchholz präsentierte zu dem auf der Demonstration ein Banner mit der Aufschrift: „Gemeinsam gegen Überfremdung – Volkstod stoppen“. Aus diesem Block, in dem auch der bekannte Hamburger Neonazi Thomas Wulff, wurde auch die Parole: „Hier marschiert der nationale Widerstand“ gerufen.


Dezent geht anders: Anstelle des verbotenen Symbols ziert das Shirt die Abkürzung "HKN KRZ", was als "Hakenkreuz"interpretiert werden kann. (Foto: Presseservice Rathenow)

Darüber hinaus wurde während des Aufzuges mehrfach auch „Frei, Sozial, national“ oder wer „Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“, ebenfalls Standardsprüche des neonazistischen Milieus, skandiert. Der Großteil letztgenannter Parolen wurde vor allem von Sympathisant_innen der Partei DIE.RECHTE angestimmt. Diese Organisation war gleich mit mehreren höheren Funktionären, wie eben Alexander Kurth aus Leipzig, Michel Fischer aus Erfurt, Ingo Zimmermann aus Burg und Siegfried Borchardt aus Dortmund vertreten. Das Bild der neonazistischen Sympathisant_innen komplettierten zu dem rechte Bruderschaften, wie die „Berserker Deutschland“, die „Brigade Halle Saale“ oder die „Bagaluten Kameradschaft“ aus Magdeburg.

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