„Frauenbündnis Kandel“ lädt zum Corona-Protest

Das rechtslastige „Frauenbündnis“ ruft für Samstag zur „37. Kandel-Demo“ unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark! Für Freiheit, Demokratie und Grundrechte“ auf. Als Redner ist neben anderen der Ex-AfD-Politiker Stefan Räpple angekündigt.

Mittwoch, 05. August 2020
Horst Freires

Lange Zeit hatte sich das männerdominierte „Frauenbündnis Kandel“ seit seinem Auftauchen mit dem Thema Islamfeindlichkeit und einer Stigmatisierung von Flüchtlingen als potenzielle Gewalttäter auch über die Südpfalz hinaus einen festen Anhängerkreis in der rechten Szene gesichert. Neuerdings setzt man jetzt äußerlich auf die Karte des breiten Protestspektrums gegen die Corona-Infektionsschutzmaßnahmen. Damit erhofft man sich wachsenden Zuspruch nach zuletzt abbröckelndem Interesse am rassistischen Flüchtlings-Narrativ.

Am 8. August wird nun zur mittlerweile 37. Kandel-Demo in die Kleinstadt im Landkreis Germersheim eingeladen. Als Motto hat man sich für „Gemeinsam sind wir stark! Für Freiheit, Demokratie und Grundrechte“ entschieden. Anfang Juli wurden mit dem Corona-Thema bereits 135 Teilnehmer angelockt. Und quasi als Werbe- und Vernetzungsfeldzug in eigener Sache beteiligte sich eine Kandel-Abordnung zuletzt auch an Demonstrationen in Heidelberg, Mannheim und am vergangenen Wochenende in Berlin.

Semivirtuell-rechte Bewegung

Eine monatelange Auswertung des Online-Auftritts vom „Frauenbündnis Kandel“ in sozialen Medien kommt im Rahmen einer Studie der Universität Marburg zu „Dynamiken rechter Gewalt im Kontext der Debatte um Flucht und Asyl“ zu der Bewertung, dass es sich bei dieser Gruppierung um eine semivirtuell-rechte Bewegung handelt. Semivirtuell deshalb, weil das Bündnis neben der proaktiven Onlinearbeit auch in mehr oder weniger großen Abständen bei Kundgebungen, Mahnwachen und Demonstrationen auf der Straße auftaucht.

Das „Frauenbündnis Kandel“ startete ab 2018 unter Regie von Marco Kurz sein Treiben. Es instrumentalisierte den tödlichen Messerangriff an ein 15-jähriges Mädchen aus Kandel durch einen Jugendlichen aus Afghanistan Ende 2017 für seine generell flüchtlingsfeindliche Einstellung. Eine anfangs AfD-getragene Initiative „Kandel ist überall“ zog sich derweil nach kurzer Zeit zurück. Fortan gab es weitere Demonstrationen vom selbst ernannten Frauenbündnis in Kandel, aber auch Kandel-Demos in Landau, Herxheim oder Jockgrim (Landkreis Germersheim).

Postings der „Unabhängigen Nachrichten“ verbreitet

Der eigentliche Bündnis-„Motor“ Kurz hatte sich dann intern mit Mitstreitern überworfen und Ende 2019 den Zusammenschluss verlassen. Auf Facebook wurde der Bündnis-Account unterdessen immer öfter gesperrt. Mittlerweile ist man zum Messengerdienst Telegram gewechselt und nennt sich dort nach den internen Streitigkeiten Einigkeit beschwörend „Team Kandel 2020“.

Fiel die Gruppierung 2019 etwa durch eine Einladung von Sven Liebich („Halle Leaks“) als Demo-Redner bereits als offen sympathisierend mit einem vom Verfassungsschutz beobachteten Rechtsextremisten auf, so hat sich die Ausrichtung aktuell nicht geändert. So werden doch beispielsweise online Postings und Beiträge der seit Jahrzehnten als rechtsextremistisch klassifizierten „Unabhängigen Nachrichten“ verbreitet. Setzt man auf der Straße auf das Thema Corona, wird virtuell weiterhin ausgiebig Stimmung gegen Flüchtlinge betrieben.

Inmitten von Verschwörungsideologen

Als Redner für den anstehenden 8. August wird der von der AfD in Baden-Württemberg u.a. wegen zu eindeutiger Nähe zum Rechtsextremismus Ende März ausgeschlossene Landtagsabgeordnete Stefan Räpple angekündigt, eine Entscheidung, die noch nicht rechtskräftig ist. Aktuell tritt Räpple regelmäßig bei Veranstaltungen von Corona-Rebellen auf. Nach eigenen Angaben will er auch die Berliner Großdemonstration gegen die verordneten Corona-Maßnahmen am 1. August besucht haben.

In Kandel soll Räpple nun von der rechtslastigen Bloggerin Inge Steinmetz unterstützt werden. Diese bewegt sich seit geraumer Zeit inmitten von Verschwörungsideologen und ist immer wieder mal an der Seite des rechten Bloggers Henryk Stöckl anzutreffen.

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