von Claudia Naujoks
   

„Ferien im Führerbunker" - Wie Neonazis Kinder infiltrieren

Seitdem die NPD in die Landtage von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern eingezogen ist, steht sie regelmäßig in der medialen Öffentlichkeit. Weniger bekannt hingegen ist, wie NPD-Funktionäre bereits seit Jahren in einer eigens dafür gegründeten Jugendorganisation den rechtsextremen Nachwuchs der BRD heranzieht. 

Die Broschüre „Ferien im Führerbunker“ wurde von Andrea Röpke geschrieben und von der "Arbeitsstelle für Rechtsextremismus und Gewalt" der „Bildungsvereinigung ARBEIT und LEBEN Niedersachsen Ost gGmbH“ herausgegeben. Röpke ist Diplom-Politologin und seit 1994 als freie Journalistin mit dem Themenschwerpunkt Rechtsextremismus tätig.

Im Vorwort gliedert Gideon Botsch die HDJ in ihren historischen Hintergrund ein. Er bezieht sich auf Jugendverbände der Weimarer Republik und Nazideutschland und zeigt die Vorläuferorganisationen der HDJ auf. Hierbei haben bei Botsch besonders die „Hitler Jugend“, „Wiking Jugend“ und der „Bund Heimattreuer Jugend e.V.“ eine Schlüsselrolle inne.

Nach dieser sehr gelungenen Einleitung in das Thema berichtet Andrea Röpke ausführlich über Wesen und Wirken der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) und die Drahtzieher im Hintergrund. Viele bekannte Personen aus dem Umfeld der NPD und der „Rechten Szene“ waren als Kinder bei der HDJ aktiv und unterstützen diese bis heute. Die HDJ zielt auf Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 25 Jahren ab, Ältere bringen sich in die Organisation von Festen oder in den Aufbau von Lagern mit ein. Für die HDJ ist die Erziehung Gemeinschaftssache, deshalb finden ca. alle drei Wochen so genannte Zeltlager irgendwo in der Bundesrepublik statt, an denen die Kinder „völkisch-nationale Ideologien“ erlernen sollen.

Für Röpke war das Recherchieren über die Machenschaften der HDJ sicherlich nicht immer einfach. Jedenfalls beschreibt sie in ihrer Broschüre, wie sehr Kinder und Jugendliche gegen Medien und Presse gedrillt werden und wie hart die Organisatoren von HDJ-Treffen gegen Vertreter der Presse bisweilen vorgehen. Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist das Werk von Andrea Röpke sehr zu schätzen. Inhaltlich ist es gut gegliedert und strukturiert, der Leser kann sich gut an dem roten Faden, der durch das Buch führt, entlang hangeln. Wiederholungen setzt Röpke äußerst wenig ein und in den meisten Fällen sind sie dann auch notwendig. Nur der immer wieder auftauchende Bezug zur „Wiking Jugend“ und entsprechende Erläuterungen hätten an der einen oder anderen Stelle nicht mehr Not getan.

Besonders aufschlussreich ist das Aufzeigen der Zugehörigkeit bekannter Personen der NPD zur HDJ - wie z.B. Jürgen Rieger, Udo Pastörs und Stefan Köster sowie Jörg Hähnel und Frank Rennicke. Auch Insiderinformationen von Aussteigern, u.a. von Tanja Privenau, steigern den Informationswert ernorm. Alles in allem ist diese Veröffentlichung sowohl Einsteigern als auch Interessierten zu empfehlen. Es werden die Grundlagen der neonazistischen Kindererziehung dargelegt und viele neue Entdeckungen und Querverbindungen aufgezeigt.

Die Broschüre kostet nur 5 Euro und kann hier bestellt werden.



roepke-hdj Andrea Röpke:
Ferien im Führerbunker - Die neonazistische Kindererziehung der "Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ)"

Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN
Braunschweig 2007
ISBN 978-3-932082-31-3
Taschenbuch, 128 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
5.00 Euro


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