von Oliver Cruzcampo
   

Exit wird im Norden aktiv

Die Aussteigerinitiative Exit mit Sitz in Berlin hat in den vergangenen Jahren Hunderten Neonazis beim Ausstieg geholfen. Nun wurde in Schwerin eine Regionalstelle eröffnet – geleitet wird diese vom ehemaligen NPD-Funktionär Stefan Rochow.

Stefan Rochow ist Leiter des Projektes "Exit Nord"

Knapp 500 Rechtsextremisten konnte Exit bis 2013 helfen, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Gleichzeitig stand das Programm aufgrund von Finanzierungsproblemen vor dem Aus. Die Einstellung der Organisation konnte abgewendet werden – mittlerweile möchte Exit expandieren.

Im Rahmen einer Pressekonferenz Anfang März, bei der die Kampagne „Hass hilft“ Spenden übergab, wurde über die Pläne eine Regionalisierung berichtet. So gibt es ab sofort mit „Exit Nord“ einen Ableger für Norddeutschland. Geleitet wird das neue Projekt von Stefan Rochow, Anlaufstelle wird dabei Schwerin sein, wobei von Mecklenburg-Vorpommern, über Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg auch Niedersachsen mit abgedeckt werden soll. Rochow selbst ist ebenfalls Aussteiger, war früher jahrelang Kader der NPD. Bundesvorsitzender der „Jungen Nationaldemokraten“, tätig bei der sächsischen und zuletzt der mecklenburg-vorpommerschen Landtagsfraktion der rechtsextremen Partei, 2008 stieg er schließlich aus.

„Auf Kader zugehen“

Rochow, der mittlerweile auch als Journalist tätig ist, hat sich hohe Ziele gesteckt. Bewusst möchte der ehemalige Rechtsextremist auch „auf Kader zugehen“, wie er gegenüber ENDSTATION RECHTS. erklärt. Aufgrund der seinerzeit gehobenen Position Rochows innerhalb des rechtsextremen Spektrums dürften sich viele alte „Bekannte“ noch an den Schweriner erinnern – was eine erste Kontaktaufnahme in der Tat begünstigen könnte. Doch leicht wird die Aufgabe nicht. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo die NPD dominiert, der Verband äußerst verschlossen agiert und Rechtsextreme erst nach Jahren in Führungspositionen aufsteigen können.

„Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, am Projekt `Exit Nord´ mitzuarbeiten“, so Rochow. Er spricht von einer „Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit, die man hinter sich gelassen glaubt.“ Gerade aufgrund der aktuellen Entwicklung sehe er eine dringende Notwendigkeit für das Projekt, spricht von einer notwendigen „Deradikalisierung“.

Laut Projektbeschreibung gehe es jedoch nicht allein um Neonazis, die beim Ausstieg unterstützt werden sollen. Auch im Bildungsbereich möchte „Exit Nord“ aktiv werden oder als Ansprechpartner für Kommunen tätig sein, erklärt Rochow.

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