von Redaktion
   

Ex-AfD-Mitglied mit Neonazi-Vergangenheit heuert bei NPD an

Er gilt als „Macher“ der ausländerfeindlichen Proteste in der thüringischen Kleinstadt Greiz: David Köckert. Nach eigener Aussage war Köckert bis vor Kurzem Mitglied der AfD, nun hat er sich der NPD angeschlossen. Dort trifft er auf einen Gesinnungsgenossen mit ebenso brauner Vergangenheit. Den verurteilten Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, Patrick Wieschke.

David Köckert in der NPD-Geschäftsstelle (Foto: Screenshot)

Die Alternative für Deutschland (AfD), so wie sie derzeit in Thüringen aufgestellt sei, sei zu „keiner Politik fähig“, versichert David Köckert im Gespräch mit dem NPD-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten der Rechtsextremisten zur Landtagswahl im Freistaat, Patrick Wieschke. Der Unternehmer, nach eigenen Angaben zuvor Mitglied der AfD, sei „maßlos enttäuscht“, denn seine frühere Organisation sei nicht in der Lage, im Landtag oder in den Kommunen mitzuregieren, heißt es in dem Propagandavideo weiter. Die „Katastrophe“ habe er mit eigenen Augen am 1. Februar in Erfurt gesehen, so der mutmaßliche Organisator der fremdenfeindlichen Protestumzüge gegen ein Flüchtlingswohnheim in der knapp über 21.000 Einwohner zählenden Stadt Greiz weiter. Deshalb verlasse er die Truppe um Bundessprecher Bernd Lucke und heure bei der NPD an. Zufrieden überreicht Wieschke daraufhin den Parteiausweis. Er freue sich auf eine „erfolgreiche Zusammenarbeit“.

Die nun besiegelte Kooperation kommt keinesfalls überraschend. Im November letzten Jahres schloss sich die NPD der Demonstration der vermeintlichen „Bürgerinitiative gegen ein Asylheim“ an, Landeschef Wieschke durfte einen Redebeitrag beisteuern. Im Zusammenhang mit der Entstehung von neuen Asylbewerberwohnheimen sprach der strafrechtlich einschlägig in Erscheinung getretene Neonazi von einem „Flächenbrand“. Er bellte weiter seine Parolen wie „Asylflut stoppen“ in die Runde der geschätzten 100 Zuhörer. Außerdem schreckte er nicht davor zurück, den Schlachtruf der friedlichen Revolution von 1989 – „Wir sind das Volk“ – für seine Zwecke zu instrumentalisieren.

Facebook-Seite der „Bürgerinitiative Greiz“ (Foto: Screenshot)

Ex-AfD-Mitglied mit braunen Flecken auf der Weste

Wieschke und Köckert verbindet mehr, als man auf den ersten Blick erahnen mag. Recherchen des MDR-Magazins „exakt“ zufolge blickt das ehemalige AfD-Mitglied auf eine braune Vergangenheit zurück. Er habe sich nicht nur wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten müssen, sondern habe sich auch im Umfeld des in Deutschland seit 2000 verbotenen militanten Neonazi-Netzwerkes „Blood&Honour“ bewegt. Der Staatsschutz habe den Hetzer jahrelang als Rechtsextremisten eingeordnet.

So darf auch Wieschke mit Fug und Recht bezeichnet werden. Der aus der Kameradschaftsszene stammende Bundesorganisationsleiter der NPD trat eigenen Angaben zufolge bereits mit 16 Jahren in die NPD ein. Schlagzeilen machte der 32-Jährige, seit Mai 2012 Landeschef, aber vor allem durch einen anderen Vorfall. 2002 war Wieschke, der zugleich der NPD-Fraktion im Eisenacher Stadtrat vorsitzt, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, da er eine Gruppe Gesinnungsgenossen zu einem Sprengstoffanschlag auf einen Imbiss angestiftet hatte.

Für die Mobilisierung gegen das Greizer Flüchtlingswohnheim kann sich Köckert auf die Unterstützung seiner „Kameraden“ verlassen. Mit Kevin P. und Rico Döhler, beide sollen der rechtsextremistischen „Revolutionären Nationalen Jugend Vogtland“ (RNJ) angehören, unterstützen ihn nach MDR-Informationen weitere regional bekannte Neonazis. Dass die Unterkunft nur eine Zwischenlösung sein soll, stört den Unternehmer und seine Mitstreiter nicht. Ebenso ficht sie nicht der Vorfall aus dem Jahre 2003 an, als einige braune Gewalttäter versuchten, eine anderes Wohnheim in Brand zu stecken.

AfD - „Wir sind die Guten“. Wirklich?

AfD zunehmend in Erklärungsnot

AfD-Sprecher Lucke hingegen hat Probleme ganz anderer Art: Zwar versichert der Volkswirtschafts-Professor gebetsmühlenartig, seine Partei halte Distanz zu rassistischem Gedankengut, doch mehrere Fälle aus den zurückliegenden Wochen und Monaten ziehen diese Darstellung in Zweifel. Nicht nur, dass eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung (pdf-Dokument) den Euroskeptikern „wohlstandschauvinistische, marktradikale wie zum Teil auch nationalistische und kulturalisierende Tendenzen“ bescheinigte, in Mecklenburg-Vorpommern sorgt derzeit auch ihr Landeschef Holger Arppe für Wirbel. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Dass nun die AfD-Vergangenheit des neuen NPD-Migliedes Köckert öffentlich wird, dürfte Lucke, der selbst zu Beginn des Jahres Sinti und Roma als „unerwünscht“ bezeichnet hatte, neue Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Titelfoto: Screenshot YouTube

Kommentare(14)

Dumbo Dienstag, 25.Februar 2014, 14:45 Uhr:
Das ist ja schrecklich! Da ist doch tatsächlich jemand von der AfD jetzt zur NPD gewechselt. Ich plädiere für Lichterketten von Flensburg bis nach Mittenwald. Ihr ER-"Demokraten" versucht echt krampfhaft die AfD in die Nähe brauner Kreise hineinzukonstruieren, gell?

Ich schließe daraus, dass die Demokraten der AfD bislang alles richtig machten. :-)))
 
Bruno Schmitt Dienstag, 25.Februar 2014, 15:55 Uhr:
Es war schon immer bekannt, das die AfD eine rechtspopulistische Partei ist, welche die damalige REPUBLIKANER ersetzt hat. Sämtliche faschistoide Parteien, sollten im Zuge des anstehenden NPD - Verbotsverfahren ebenso verboten werden. Gechichtsverfälscher, wie diese Parteien und Organisationen es sind, basieren nicht auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Ein Verbot ist daher ZWINGEND notwendig!
 
Roichi Dienstag, 25.Februar 2014, 16:13 Uhr:
@ Dumbo

Offensichtlich hat dich auch die Schwäche Artikel zu begreifen ergriffen.
Der Typ war auch schon vorher Nazi. Und ist jetzt eben von der AfD zur NPD gegangen.

Für eine Partei, die immer gerne behauptet solche Leute nicht zu dulden, nicht gerade vorteilhaft.

Was mich wirklich nicht wundert ist die hervorragende Kamerradschaft in rechten Kreisen, wo die NPD ganz bewusst dafür sorgt, dass die AfD in, für sie, schlechtes Licht gerückt wird. So kurz vor der Wahl. Das ist wahre Kamerradschaft unter Rechten.
 
Ein Nienhagener Dienstag, 25.Februar 2014, 16:47 Uhr:
Hi, hi, hi,

und da wird behauptet, nur bei den "linksgrünen Systemparteien SPDCDUPDSFDP" seien die Personen austauschbar.
 
Irmela Mensah-Schramm Dienstag, 25.Februar 2014, 16:55 Uhr:
Ich denke mal, die Zeiten symbolischer Aktionen wie Lichter - und Menschenketten etc. ist vorbei, denn sie beeindrucken die Nazis ohnehin nicht.
Wenn aber die "Demokraten" mehr spaltend als waltend agieren, d.h. sondieren, was ihner Vorstellung als Protest oder Gegegstrategie entspricht - eben nicht über den Tellerrand hinaus, so bleibt es beim Alten!

Derzeit ist mir der angeblich Protest gegen die Nazis viel zu scheinheilig!
Wer sich von dieser Justiz und Polizei am Blockieren hindern läßt, könnte auch zuhause bleiben...............
 
Bürger Dienstag, 25.Februar 2014, 21:46 Uhr:
@ Roichi

Ist Hans Püschel eigentlich über Nacht zum "Nazi" geworden? Wenn nicht,dann würde es ja bedeuten,dass die SPD "Nazis" in ihren Reihen duldet. Sowas geht doch nicht.
 
Roichi Dienstag, 25.Februar 2014, 22:31 Uhr:
@ Bürger

In dem Moment, als Püschel herauskam mit seinen Ansichten, kam prompt die Reaktion der Partei.
Vorher war er nicht einschlägig aufgefallen.
Das ist bei Köckert durchaus anders, wie auch im Artikel aufgeführt. Zumal auch seine Aktivitäten in letzter Zeit offenbar keinen Anlass gaben, mal genauer hinzusehen.
Du kannst also gerne versuchen hier etwas zu konstruieren. Es scheitert allerdings schon an den Vorraussetzungen.
 
Balou Mittwoch, 26.Februar 2014, 08:21 Uhr:
@ "Bürger":

Tu doch nicht so dämlich. Etwas zu dulden erfordert zuallererst einmal, davon überhaupt Kenntnis zu haben, Davon kann sich die SPD im Falle Püschel für die Zeit seiner Mitgliedschaft wohl zum übergroßen Anteil freisprechen, da Püschel seinerzeit das ganze Ausmaß seiner fortschreitenden Karnevalsdemenz verschwiegen hatte. Die AfD hingegen kann das angesichts der dummdreist offenen Agitationstendenz ihrer Mitglieder aber sicherlich nicht.
 
nur mal angemerkt Mittwoch, 26.Februar 2014, 08:42 Uhr:
@roichi
"Der Typ war auch schon vorher Nazi. Und ist jetzt eben von der AfD zur NPD gegangen."

Alle die nicht so ticken wie Du, sind also Nazis...
Ja, ja die Gutmenschen, alles wegbeissen was nicht ihrer Art entspricht. lol
 
nur mal angemerkt Mittwoch, 26.Februar 2014, 08:45 Uhr:
"Derzeit ist mir der angeblich Protest gegen die Nazis viel zu scheinheilig!"

Irmela, scheinheilig sind Menschen wie Sie, die meinen, auf Kosten der hart arbeitenden deutschen Bürger hier, könnte die halbe Welt durchgefüttert werden!
 
Dumbo Mittwoch, 26.Februar 2014, 10:25 Uhr:
@Roichi

"Offensichtlich hat dich auch die Schwäche Artikel zu begreifen ergriffen."

Nö, ich habe den Beitrag gelesen und auch verstanden.

"Der Typ war auch schon vorher Nazi. Und ist jetzt eben von der AfD zur NPD gegangen."

Ach so, und weil der Typ ein Nazi ist, ist die ganze AfD eine Nazi-Partei? Denn genau das suggeriert der Artikel.

"Für eine Partei, die immer gerne behauptet solche Leute nicht zu dulden, nicht gerade vorteilhaft."

Manchmal kann man den Leuten eben nur vor den Kopf gucken.

"Was mich wirklich nicht wundert ist die hervorragende Kamerradschaft in rechten Kreisen, wo die NPD ganz bewusst dafür sorgt, dass die AfD in, für sie, schlechtes Licht gerückt wird. So kurz vor der Wahl. Das ist wahre Kamerradschaft unter Rechten. "

Da ich kein "Rechter" bin und ich in diese Kreise nicht frequentiere, kann ich deine These auch nicht bestätigen.
 
Roichi Mittwoch, 26.Februar 2014, 16:26 Uhr:
@ nur mal angemerkt

"Alle die nicht so ticken wie Du, sind also Nazis."

Nö. Aber über deine billigen Behauptungen scheinst du mal wieder nicht hinauszukommen.

"die meinen, auf Kosten der hart arbeitenden deutschen Bürger hier, könnte die halbe Welt durchgefüttert werden! "

Scheinheilig ist wohl eher so zu tun als wäre dem so, obwohl doch das Gegenteil bewiesen ist.
Obwohl, das ist schon glatte Lüge.


@ Dumbo

"Nö, ich habe den Beitrag gelesen und auch verstanden."

Dein Kommentar lässt daran zweifeln.

"Ach so, und weil der Typ ein Nazi ist, ist die ganze AfD eine Nazi-Partei? Denn genau das suggeriert der Artikel."

Nö. Es ging darum, dass die Partei sich nicht um ihre Beteuerungen nach außen schert, nach denen sie keine entsprechenden Personen duldet. Sie nimmt aber Nazis auf. Das sollte man schon erwähnen, gibt es doch zusammen mit anderen Äußerungen der Partei ein Gesamtbild.

"Manchmal kann man den Leuten eben nur vor den Kopf gucken."

Man kann aber bei den Aktivitäten, die derjenige entfaltet hat misstrauisch werden und nachfragen. Spätestens da wäre die Vergangenheit und die Zusammenhänge aufgefallen.
Hat man aber nicht getan.

"Da ich kein "Rechter" bin und ich in diese Kreise nicht frequentiere, kann ich deine These auch nicht bestätigen. "

Den ersten Teil bezweifel ich zwar, aber das war tatsächlich nicht direkt an dich gerichtet.
 
JayBee Donnerstag, 27.Februar 2014, 14:37 Uhr:
@ nur mal angemerkt

"Irmela, scheinheilig sind Menschen wie Sie, die meinen, auf Kosten der hart arbeitenden deutschen Bürger hier, könnte die halbe Welt durchgefüttert werden!"

Na das erklär mal den Näherinnen, die 7 Tage die Woche 12 - 14 Stunden in Bangladesh für deutsche Firmen schuften und trotzdem kaum überleben können, daß die "hart arbeitenden" deutschen Bürger hier sogar in der Lage sind, die halbe Welt durchzufüttern...
 
Irmela Mensah-Schramm Samstag, 01.März 2014, 19:10 Uhr:
An den Schreiberling, der meint, ich sei scheinheilig.......

Ich wünschte, dass derartige "Deutsche" Typen maltatsächlich so hart arbeiten in Deutschland, wie jene Menschen z.B. in Bangla Desh es für Deutsche Firmen tun und dann oft dabei auch noch umkommen (auf deutsch: sterben) !
 

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