von Thomas Witzgall
   

Erneut Themar: Neonazi-Konzert lockt 1000 Teilnehmer an

Am Samstag endete in Themar, was als der thüringische Neonazi-Festival-Monat für großes Medieninteresse sorgte. Mit etwa 1000 Teilnehmern wirkte die von NPD-Mann Patrick Schröder verantwortete Veranstaltung deutlich „familiärer“. Das bei weitem größere Konzert von vor zwei Wochen wirkt auf verschiedenen Ebenen noch nach.

Am Ende meldete die thüringische Polizei 1050 Teilnehmer und 36 Straftaten. Mit 30 Euro Spendeneintritt war das Neonazi-Festival „Rock für Identität“ etwa ähnlich teuer wie das „Rock gegen Überfremdung“, auch wenn sich die Bands als nicht so zugkräftig erwiesen wie bei der Veranstaltung Mitte Juli. Dafür konnten Teilnehmer, die früher ankamen, dieses Mal direkt am Gelände parken.

Alles war am vergangenen Samstag deutlich kleiner gehalten. NPD-Mitglied Patrick Schröder hatte die Veranstaltung für 750 Besucher angemeldet und hoffte im Gespräch mit Medienvertretern, die Marke von tausend Teilnehmern noch zu knacken. Das Zelt war deutlich kleiner und innerhalb der Absperrung kam nie diese Enge auf, die vor zwei Wochen noch die Polizei dazu bewogen hatte, den abgesperrten Bereich noch mal um einige Meter zu verbreitern. Auch ein Presserundgang war dieses Mal möglich.

Reden waren kaum beachtetes Vorprogramm

Die Redner wirkten am Samstag noch nebensächlicher als vor zwei Wochen, wurden doch die politischen Inhalte auf den Nachmittag gepackt. Teilweise überlagerten sich Soundcheck und Reden. Angekündigt waren Axel Schlimper (Europäische Aktion), Dieter Riefling, Patrick Weber (NPD), Melanie Dittmer (Identitäre Aktion, nicht zu verwechseln mit der Identitären Bewegung), Michael Zeise und Dominik Stürmer. Nicht angekündigt, aber dennoch als Redner vor Ort war Sascha Krolzig der Partei Die Rechte. Wie beiläufig das politische Programm war, zeigte sich vor allem an einer Episode. Schlimper bestritt als eine Art Dauerredner den Nachmittag, sprach über das, was ihm so gerade in den Sinn kam. Mindestens einmal bot er an, es könne jede Person, die etwas mitzuteilen habe, an Mikrofon treten. Doch das Angebot nahm augenscheinlich niemand an und so machte er einfach weiter.

Abbruch bei Hitlergruß?

Wie sehr das große Konzert zwei Wochen nachwirken würde, zeigte sich schon bei der Eröffnung durch Schröder. Er wies seine Teilnehmer darauf hin, dass dieses Mal die Polizei mit Kamera direkt an der Bühne stehen würde, die dann ähnliche Vorgänge, wie die massenhaften Hitlergrüße dokumentieren würde. Und er selbst würde das Festival dann abbrechen, wenn so etwas auch am Samstag vorkäme. Nun spricht daraus keine Ablehnung nationalsozialistischen Gedankenguts. Schröder selbst hat eine Vorstrafe wegen des Zeigens der NS-Grußformel in einer seiner Videosendungen. Er hatte behauptet, dies sei zu dokumentarischen Zwecken erfolgt. Schröder trieb eindeutig um, noch häufiger in Themar feiern zu wollen und je weniger Gelegenheit es für die Behörden gibt, ihm Ärger zu bereiten, desto angenehmer für ihn als Geschäftsmann.

 

Und auch bei den Teilnehmern gab es wieder zahlreiche Anspielungen auf das „Dritte Reich“, seine Begriffe, Kennzeichen und Personen. Neben der bekannten Abkürzungen fiel besonders ein Teilnehmer und eine Teilnehmerin auf, die passend jeweils Shirts mit „Adolf 8“ und „Eva 8“ mit dem Untertitel „stay together fall together“ trugen. Insgesamt dominierten Bandshirts nicht mehr so eindeutig die Kleidung der anreisenden Teilnehmer. Häufiger waren auch Kleidungsstücke mit Bezug zu Schröders Projekt FSN-TV und seinen früheren Konzerten zu sehen.

Kritik des Dritten Weges wirkte nach

In den Reden wurde immer wieder auch Bezug genommen auf die harsche Kritik von Seiten der Kleinstpartei Der Dritte Weg. Die reichte von fehlenden Mülltüten, über die Erduldung der polizeilichen Vorkontrollen bis hin zum kapitalistischen Geist der Verantwortlichen und der Konsumhaltung eines Großteils der Teilnehmer. Schlimper bezeichnete die Konzerte als notwendig, um die politische Arbeit zu bezahlen und etwa Immobilien kaufen zu können.

Auch Schröder schlug in die gleiche Kerbe und nannte es eine Art der Parteienfinanzierung, wo keine öffentlichen Mittel zu bekommen seien. Für Riefling, mehrfach vorbestrafter Kader, der den Nachmittag am Verkaufsstand der Kampagne „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) verbrachte, waren Bier und Konzert die Belohnung für diejenigen, die sich sonst „den Arsch aufreißen“, zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung. Teilnehmer mit Dritter Weg-Symbolik blieben an dem Nachmittag der Veranstaltung dann auch fern.

Gegen den Rechtsrock-Event gab es mehrere Protestveranstaltungen. Eine Prozession zog mehrfach zur Wiese am Ortsrand. Auch eine etwas größere politische Demonstration wurde auf Sichtweite herangelassen. Auffällig waren die vielen Banner von Anti-Rechts-Initiativen aus dem nahen Oberfranken, die wieder im Ort hingen. Der Polizei wurde erneut von den anwesenden Medienvertretern und Beobachtern eine gute und umsichtige Arbeit bescheinigt.

Am Rande kam es zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen Fotografen und anreisenden Teilnehmern. 21 Mal wurden verbotene Kennzeichen verwendet. Elf Verstöße gegen das Versammlungsgesetz gab es. Dazu zählte auch ein Teilnehmer, der mit Stahlkappen-Schuhen angereist war. Nach einem langwierigen Schuhwechsel konnte auch er am Festival teilnehmen. Die Polizei kontrollierte am Eingang akribisch Taschen und führte Leibesvisitationen durch.

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