von Marc Brandstetter
   

Ein Jahr Die Rechte: Der private Feldzug des Christian W.

Die Partei Die Rechte existiert nun ein Jahr; Zeit, Bilanz zu ziehen. Und die ist mehr als durchwachsen. Außerhalb ihres Kernlandes Nordrhein-Westfalen schafft es die zu einem Sammelbecken militanter Neonazis verkommende Organisation auf keinen grünen Zweig. Für Parteigründer Christian Worch erfüllt sie dennoch ihren Zweck: Denn sie könnte die aktuelle NPD-Strategie durchkreuzen.   

Vor einem Jahr gründete der bekannte Neonazi Christian Worch eine neue Partei: Die Rechte (DR). Aufbauend auf dem Fundament der aufgelösten DVU wollte der einstige Kader der verbotenen „Aktionsfront Nationaler Sozialisten / Nationale Aktivisten“ (ANS/NA) die Parteienlandschaft am rechten Rand durcheinanderwirbeln. Prominente Unterstützer konnte Worch indes nicht um sich versammeln, die DR-Führungsspitze rekrutierte sich zunächst aus der zweiten oder dritten Reihe anderer Organisationen. 

Die DR trat auf der Stelle, eine „Gründungseuphorie“, wie sie bei anderen Neugründungen wie den Piraten oder der „Alternative für Deutschland“ beobachtet werden konnte, erfasste sie nicht. Dass ausgerechnet das verhasste „System“ in persona von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) Schützenhilfe beim weiteren Aufbau leistete, ist ein Treppenwitz der Geschichte. Zu Jägers politischem Programm gehört es, klare Kante gegen rechtsextremistische Bestrebungen in seinem Bundesland zu zeigen. Deshalb verbot der SPD-Politiker mehrere militante Kameradschaften, denen sein Haus eine „Wesensverwandtschaft mit den Nationalsozialismus“ attestierte.

Dieser Schuss ging nach hinten los: Worch witterte seine Chance – und öffnete die DR für Anhänger des „Nationalen Widerstandes Dortmund“ (NWDO), der „Kameradschaft Hamm“ und der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), deren ehemalige Führungskader im bevölkerungsreichsten Bundesland den ersten DR-Landesverband aus dem Boden stampften. Mit Dennis Giemsch führt der „Vater der Autonomen Nationalisten“ im Ruhrgebiet, dem einst sogar die NPD ob seiner Radikalität den Parteieintritt verweigert hatte, die nordrhein-westfälische Rechte. Längst hat die DR ihr im Parteiprogramm festgezurrtes Selbstbild als grundgesetzkonforme Kraft zu den Akten gelegt. Hier sind radikale Systemfeinde am Werk. Die Wahl des Neonazis Sven Skoda zum Spitzenkandidaten für die Europawahlen 2014 ist hierfür ein weiterer Beleg.

Entsprechend ist das Aktionsrepertoire dieser Partei ausgerichtet, die nach eigenen Angaben 300 Anhänger umfasst. Bevorzugt führen die Kader um Worch, Giemsch, Sascha Krolzig und Michael Brück den „Kampf um die Straße“ und knüpfen damit an Worchs Vergangenheit als brauner „Demonstrationsunternehmer“ an. Im niedersächsischen Weyhe marschieren die DR-Truppen, unterstützt vom Neonazi Dieter Riefling auf, um den tragischen Tod des Sebastian S. zu instrumentalisieren und politisch auszuschlachten. Mit ihrer Präsenz im öffentlichen Raum versuchen die Straßenkämpfer darüber hinaus, ihre politischen Gegner einzuschüchtern. Zur Adventszeit bauten sie eine Drohkulisse vor den Privatwohnungen einiger Dortmunder Politiker auf, in rund zwei Wochen wollen die Neonazis beim Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in der Stadt des entthronten deutschen Fußballmeisters Flagge zeigen.

Bundesweit stellt der Aktionismus der NRW-DR aber die Ausnahme da. Der Strukturaufbau läuft bislang mehr als schleppend. Zwar gibt es in Brandenburg, Niedersachsen und Hessen eigene Landesverbände, die jedoch kaum politische Aktivitäten entfalten. Gleiches gilt für den Bundesverband, der in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auf seiner Webseite, die wie ein Relikt aus längst vergangenen Internettagen anmutet, politische Stellungnahmen abgibt, die fast alle aus der Feder Christian Worchs stammen dürften. 

Der Landesverband Nordrhein-Westfalen setzt für seine Propaganda ebenfalls auf das „Weltnetz“. Mit dem „DortmundEcho“ steht den „Kameraden“ ein aktuelles Sprachrohr zur Verfügung, dessen Artikel oft auf einem rassistischen Grundgerüst beruhen. Gebetsmühlenartige Angriffe auf das politische Establishment gehören ebenfalls zum Standardrepertoire der Propaganda-Maschine. 

Doch nicht nur Personen, die nicht in ihr hasserfülltes Menschenbild passen, geraten in das Fadenkreuz der DR-Aktivisten. Mit der lokalen NPD liefern sich Giemsch, Brück & Co. einige Scharmützel, die nach Aussage des NPD-Landesverbandes in Anschlägen auf die Wohnhäuser und Fahrzeuge führender Funktionäre gipfelten.

Ohnehin bereitet die Existenz der DR den Chefstrategen in der Berliner NPD-Parteizentrale Kopfzerbrechen. Mögen einige Überläufer für die Partei von Bundeschef Holger Apfel angesichts der eigenen sinkenden Mitgliederzahlen problematisch sein, sind die neuesten Pläne der Rechten-Führung, bei den Wahlen zum Europäischen Parlament im nächsten Jahr anzutreten, ein schwerer Schlag ins Kontor der NPD. Denn beide fischen im gleichen Wählerteich. Die DR könnte damit die NPD-Strategie, die vollkommen auf den Einzug in Straßburg ausgerichtet ist, durchkreuzen. Sicherlich eine späte Genugtuung für ihren spiritus rector Worch, der sich seit Ende der neunziger Jahre eine persönliche Fehde mit der NPD-Führungsriege liefert.   

Foto: Tom Fälis

Kommentare(5)

paul.pa Montag, 27.Mai 2013, 22:31 Uhr:
Wenn man so etwas im Netz surft, stellt sich Herr Worch wohl als juristisch durchaus versiert dar, allerdings scheint er organisatorisch und auch persönlich erhebliche Lücken zu besitzen.
Irgendwelche Verbindungen hat er noch nie geschafft zu bilden.
Sein angeblicher Aufbau in NRW scheint auch nur der Abneigung der NPD Landesführung zu verdanken zu sein gegen die Kameradschaften in Dortmund Hamm und Aachen, die eigentlich recht enge Verbindungen zu NPD Kadern zu pflegen scheinen.
 
Henriette von Stetten Dienstag, 28.Mai 2013, 07:43 Uhr:
In NRW gibt es ja viele Schamützel zwischen
Innenminister und den Verbotenen.
Demonstrationen kann Herr Worch ganz gut
anmelden,durchsetzen sowie durchführen.
Es gibt dort Verbindungen nicht nur zu dem
Siegfried B. (SS-Sigi) in NRW.
Zwar wohnt Herr Worch in Parchim,aber im
Osten hat er seit einigen Jahren keine
Demonstration mehr organisiert.Wie sonst in
Sachsen u.s.w..
Ob es in Brandenburg losgeht bleibt noch
abzuwarten.Die Familie Mann in Finowfurt
hat ja Potential.
Christian Worch wird wohl weiterhin für
die eine oder andere Überaschung sorgen.
Milionäre können das,es macht ihm Spaß.
 
Junger Fritz Dienstag, 28.Mai 2013, 08:37 Uhr:
Ob der Verbots-Schuß nach hinten losging? Selbst ein miserabler Innenminister wie Ralf Jäger konnte sich ausrechnen, daß Giemsch & Co. nicht die Hände in den Schoß legen werden. Er könnte den LV NRW als Nachfolgeorganisation verbieten, was Worch ja auch fürchtet. Tut er aber nicht, weil er die Spaltereien Worchs gerne sieht.
Merkwürdig, daß auf die enge Zusammenarbeit zwischen Worch und Molau bis zum sog. Ausstieg des letzteren nicht eingegangen wird. Worch hätte gerne bei Pro mitgemischt, was allein durch seine radikale Jugendzeit verhindert wurde. Die Episode zeigt, daß es Worch in der Tat nur auf Selbstdarstellung und Bekämpfung der NPD, aber nicht um politische Inhalte geht.
 
Fini Dienstag, 28.Mai 2013, 17:03 Uhr:
Horch was kommt von draußen rein,ist es nur der Worch allein.Nein es ist wohl mehr, als
eine Bürgerwehr.
Ein Worch kommt selten allein.Letztendlich
wird Christian Worch noch dafür sorgen,das
die NPD stärker wird als die SPD.Denn wenn
etwas bildet in der rechten Szene,dann ist
es Hass.Wenn dieser Hass halbwegs intelligent ausgelebt wird,gibt ein Klima
der Angst.Diese Angst wird jeden ergreifen,der öffentlich hervortut im
Kampf gegen Rechts.Denn Gesundheit oder
Leben kann der Staat nur gelegentlich oder gar nicht schützen,wenn eine Gruppe
von gut ausgebildeten Leuten geziehlte
Angriffe verübt.
 
Christina Samstag, 01.Juni 2013, 09:01 Uhr:
Worch mit Argumenten zu bekämpfen,schafft
keiner. Er ist ein Nationalsozialist die
Probleme als Aufgaben begreift und Lösungen
mit Konfrontation sucht.
Sicherlich würde er gerne in einem Landtag
als Abgeordneter sitzen,wie es die NPD ja
erreicht hat.
Das ist aber nicht unbedingt sein Endziel.
Freie Kräfte und Kameradschaften eine legal
existierende Möglichkeit anzubieten und die Straße zu erobern,macht ihm Spaß.
 

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