von Redaktion
   

Ein Herz für Blondi: Ärger um braune Tierheim-Offensive

Sei die politische Mission auch noch so neonazistisch: Jede rechtsextreme Gruppierung versucht zuweilen, sich durch soziale und wohltätige Aktionen einen Platz im Herzen potentieller Unterstützer zu sichern. So auch die Splitterpartei Der Dritte Weg. Durch Futter- und Barspenden an Tierheime sollte jüngst in verschiedenen Bundesländern für die nationale Sache geworben werden. Doch die Tierfreunde setzten sich entrüstet zur Wehr.

Als hätte er es geahnt, vertreibt Storch Heinar seit Jahren zackige T-Hemden mit "Blondi gegen rechts"-Motiv | Bild: storch-heinar.de

rBeispiel Siegen in Nordrhein-Westfalen. Dort versuchten Mitglieder des Dritten Wegs vor einigen Tagen unter dem Motto „Tierfutter statt Böller“ zu punkten. Wie der „SiegerlandKurier“ berichtet, hatte sich zunächst eine Privatperson per Mail an das örtliche Tierheim gewandt. Erst habe man sich über die Spendenaktion sehr gefreut, so der Leiter des Heims. Als sich aber herausstellte, dass es sich dabei um eine Aktion der rechtsextremen und verfassungsfeindlichen Partei handelte, hätten „die Alarmglocken geläutet.“

„Bis Sonntag nicht gewusst, was das für eine Partei ist"

Gerade im Kontakt mit kleinsten Neonazi-Gruppierungen ist Betroffenen häufiger nicht sofort ersichtlich, dass es sich um den Versuch einer politischen Vereinnahmung handelt. Viel zu unbekannt sind oftmals Personen und Partei. So auch im Siegerland. Bis nach der Spendenübergabe habe er gar nicht gewusst, um was für eine Partei es sich handele, wird der Tierheim-Chef zitiert. Erst der zufällige Blick auf die propagandistische Ausschlachtung der rechtsextremen Spendenaktion durch den Dritten Weg selber ließ den Siegener aufmerken.


"Der III. Weg" brüstet sich auf Facebook mit Spenden für Tierheime. Diese wehren sich dagegen.

Garniert mit Fotos des Vor-Ort-Termins brüstet sich die Mini-Partei dort, Vertreter ihres „Stützpunktes Sauerland-Süd“ hätten Spenden und eine „Grußkarte“ übergeben. In Abwandlung des christlichen Motivs „Brot statt Böller“ habe man zum Jahreswechsel auf Pyrotechnik verzichtet, um [anstelle von hungerleidenden Kindern in Afrika; Anm. d. Red.] „lieber heimatlose Tiere“ zu unterstützen. Die Mitarbeiter des Tierheims und der Tierschutzverein Siegen sind auf den Vorfall insgesamt schlecht zu sprechen. Diese Masche gelte es unbedingt zu unterbinden, so ein Vorstandsmitglied gegenüber dem „SiegerlandKurier“. „Wir haben auch unsere Anwälte eingeschaltet, damit die Partei nicht mehr mit uns wirbt. Das Geld wird natürlich zurückgegeben und wir distanzieren uns ganz deutlich.“

„Keine Blutkonserve von Faschisten“

Die Aktivisten des Dritten Wegs reagieren pikiert auf die Zurückweisung. In einem eigens angefertigten Youtube-Video beschwert man sich mit sarkastischem Unterton über den „korrekten Lebensstil der mutigen Gutmenschen“. Für diese gelte wohl auch "Keine Spenderniere von Nazis! Keine Blutkonserve von Faschisten! Keine Autobahn aus dem 3. Reich! Kein Tierschutzgesetz auf Basis der Nationalsozialisten!“

Allzu sehr dürften die Zurückweisungen den Neonazis letztlich aber doch nicht an die selbigen Nieren gehen. In den vergangenen Jahren wurde schon häufiger versucht, die Unterstützung von Tierheimen für die eigene Werbung zu benutzen. Nahezu zeitgleich wurde in Talheim (Region Neckar in Baden-Württemberg) eine „rassistische Futterspende“ durch den dortigen „Stützpunkt Württemberg“ überreicht. Auch dort die gleiche Vorgehensweise von Der Dritte Weg.

Die rechtsextreme Partei gilt als Auffangbecken für ehemalige Kader des 2014 verbotenen „Freies Netz Süd“ (FNS) und der Revolutionären Nationalen Jugend (RNJ). Die Partei hat nach eigenen Angaben 16 „Stützpunkte“ in Deutschland und kann laut Verfassungsschutz bundesweit ca. 300 Mitglieder verzeichnen. Anfang Januar hatte "Der III. Weg" das ihr erstes Büro im sächsischen Plauen eröffnet.

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P.S.: Wer angesichts dieser Geschichte die Ehre von Blondi retten möchte, sollte sich einfach mal bei Storch Heinar umschauen.

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