Dortmund verdirbt Neonazi-Hooligan Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt den Geburtstag

Die Stadt Dortmund macht den Plänen der Neonazi-Partei Die Rechte kurzfristig einen Strich durch die Rechnung. Deren Dortmunder Kreisverband wollte heute den Kommunalwahlkampf mit einem Rechtsrock-Konzert einläuten und gleichzeitig den 60. Geburtstag ihres Chefs Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt begehen. Grund sei ein nicht geeigneter Veranstaltungssaal.

Samstag, 16. November 2013
Redaktion
Lunikoff T-Shirt (Foto: Fabian Boist)
Lunikoff T-Shirt (Foto: Fabian Boist)
Neonazis aus ganz Deutschland saßen bereits auf gepackten Koffern. Ihr Ziel: Dortmund, wo heute der örtliche Kreisverband der von Christian Worch gegründeten Splitterpartei Die Rechte mit einem Rechtsrock-Konzert in den Kommunalwahlkampf starten wollte. In ihrer Hochburg machen sich die Neonazis, in deren Reihen zahlreiche Aktivisten der wegen Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus verbotenen militanten Kameradschaft „Nationaler Widerstand Dortmund“ (NWDO) ein neues politisches Zuhause gefunden haben, Hoffnungen auf Parlamentssitze im Stadtrat. Der Wahlkampfauftakt sollte an diesem Abend allerdings nicht der einzige Grund zum Feiern für die Szene sein. Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt, ein Neonazi-Urgestein der Ruhrpottstadt, hatte zugleich zu seinem 60. Geburtstag geladen. Gratulieren sollten wahrscheinlich neben neuen und alten Weggefährten wie Christian Worch und dem einstigen NWDO-Anführer Dennis Giemsch, der als Vater des Konzeptes der „Autonomen Nationalisten“ im Westen der Republik gilt, die Hass-Bands „Die Lunikoff Verschwörung“, „Sachsonia“, „Words of Anger“ und „Klänge des Blutes“. Bereits vor wenigen Wochen hatte der Frontmann der „Lunikoff Verschwörung“, Michael „Lunikoff“ Regener gemeinsam mit dem einstigen FAP-Aktivisten „SS-Siggi“ einen „Balladenabend“ im Revier begangen, zu dem der wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verurteilte Regener und die Führungsfigur der militanten Hooligangruppe „Borussenfront“ rund 80 Neonazis begrüßen konnten. Zu dem heutigen Treffen wurden laut der WAZ sogar 800 feierwütige Rechtsextremisten erwartet. Wahrscheinlich wird es soweit aber nicht kommen, denn am Freitagabend ließen die Behörden den Veranstaltern einen Verbotsbescheid zukommen. Die von dem Eigentümer „blauäugig vermietete“ Lagerhalle in der Nähe des Hafens sei für Veranstaltungen dieser Art nicht geeignet – als Grundlage war die Landesbauordnung des Bundeslandes herangezogen worden. Dies habe eine Inspektion des Veranstaltungssaals des konspirativ vorbereiteten Konzerts ergeben. Nach Angaben Der Rechten soll das Rechtsrock-Meeting auf jeden Fall über die Bühne gehen. Eine Alternative sei vorhanden, alle Bands „sollten auf jeden Fall“ spielen, teilten die Organisatoren auf Facebook mit. Möglicherweise müssten die „Gäste“ aber einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Darüber hinaus sei mittlerweile auch Klage vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gegen das Verbot eingereicht worden.
Kategorien
Tags