Rezension
Die Netzwerke um Armin Mohler – geistiger Mitbegründer der Neuen Rechten
In einer geschichtswissenschaftlichen Arbeit geht es um Armin Mohler, der für die deutsche Neue Rechte ein geistiger Vater war. Sein Agieren wird anhand von Archivfunden von dem Historiker Maik Tändler anschaulich und detailliert nachgezeichnet.
Armin Mohler war für die intellektuelle Neue Rechte ein geistiger Vater. Diese Aussage gilt für unterschiedliche Ebenen: Mit der Buchausgabe seiner Dissertation erinnerte er fortwährend an die „Konservative Revolution“ als geistige Strömung; mit „Criticon“ bot er den Gemeinten in den 1970er und 1980er Jahren ein Publikationsorgan; mehrere Aufsätze und Bücher galten und gelten als Grundlagenwerke für die Neue Rechte. Darüber hinaus hatte er in der Geschichte des bundesdeutschen Konservativismus große Relevanz, mal eher im Hintergrund als publizistischer Strippenzieher, mal als polemischer Publizist im Vordergrund.
Eine gesonderte Aufmerksamkeit in der Forschung fand dieses Wirken bislang nicht. Umso begrüßenswerter ist da die Buchausgabe einer geschichtswissenschaftlichen Arbeit, die von Maik Tändler unter „Armin Mohler und die intellektuelle Rechte in der Bundesrepublik“ als Titel erschien. In den Archiven hat der Autor tief gegraben und viele Einzelheiten über das politische Engagement von Mohler in diversen Zusammenhängen aufgearbeitet.
Manipulative Deutungen schon in der Doktorarbeit von Mohler
Die Arbeit ist zwar chronologisch ausgerichtet, versteht sich aber nicht als Biographie. Eher orientiert sie sich an bestimmten Entwicklungsabschnitten, wobei es um unterschiedliche Handlungsfelder von Mohler geht. So entstanden in der Darstellung einige Lücken, welche der Arbeit einen etwas fragmentarischen Charakter geben. Sie konzentriert sich auch auf eine Darstellung von Ereignissen und ist weniger an einer Fragestellung und Interpretation orientiert. Dafür handelt es sich aber auch um eine geschichtswissenschaftliche Arbeit, die eben auf Quellenerkenntnisse fixiert ist.
Der Blick fällt zunächst auf die Doktorarbeit zur Konservativen Revolution von Mohler, wobei das Bemühen um Differenzen zum Nationalsozialismus thematisiert wird. Dass er sie überbetont hat, kann Tändler anschaulich aufzeigen. Dann geht es um Bezüge zur Geschichtsforschung und „Vergangenheitsbewältigung“, aber auch um die Einflüsse auf den bundesdeutschen Konservativismus nicht nur in der Publizistik.
„Beitrag zur Intellectucal History der Bunderepublik“
Als „Beitrag zur Intellectual History der Bundesrepublik“ wird die Monographie angekündigt, genauso ist sie in der Darstellung und Kommentierung auch zu verstehen. Indessen hätte man sich hier auch eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Ideengut gewünscht, wird doch eher das politische und publizistische Engagement von Mohler formal thematisiert. So wäre eine Auseinandersetzung mit der Deutung mancher politischer „Klassiker“ der Neuen Rechten interessant gewesen. Bezogen auf den Geschichtsrevisionismus von Mohler geschieht dies noch am stärksten.
Berechtigt wird auch dessen Funktion von Tändler genannt: „die Relativierung der NS-Verbrechen als Voraussetzung für die Wiederbelebung unbefangenen Nationalstolzes, machtbewusster Souveränität nach außen und autoritärer Ordnung im Innern“. So etwas hätte man sich ausführlicher und häufiger hinsichtlich der politischen Auffassungen von Mohler gewünscht, vielleicht passt es aber nicht in eine geschichtswissenschaftliche Dissertation.
Bekenntnis, ein Faschist zu sein
Das Buch wurde in der „Jungen Freiheit“ und der „Sezession“ negativ kommentiert, eben bezogen auf die wenigen politischen Aussagen von Tändler hinsichtlich der Zuordnung. Dabei blieb der Autor doch eher zurückhaltend und thematisierte wichtige Kommentare nicht näher. Bekanntlich hatte auf die journalistische Frage, ob er ein Faschist sei, Mohler bejahend geantwortet. Die Belege dafür nannte Tändler, thematisierte sie aber nicht ausführlicher zur Kommentierung und Verortung. Auf eine andere Frage, wie er zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung stehe, sprach er von „Scheiße“.
Wie kann man derartige Bekundungen von Mohler denn anders als dem Rechtsextremismus zuordnen? Im letzten Kapitel verweist Tändler noch darauf, dass die Holocaustleugnung für Mohler nicht fern lag. Anders können kaum die Anmerkungen zum manipulativen „Leuchter-Gutachten“ gesehen werden. Bei Einordnungen zu diesen Sachverhalten ist Tändler sogar eher zurückhaltend gewesen. Gleiches gilt für die demokratietheoretische Einordnung von Mohler.
Maik Tändler, Armin Mohler und die intellektuelle Rechte in der Bonner Republik, Göttingen 2025 (Wallstein-Verlag), 468 Seiten