von Redaktion
   

„Deutlich freundlicheres Erscheinungsbild“: NPD-Chef Franz zieht nach einem Jahr Bilanz

Es ist ein bekanntes Szenario – die NPD interviewt sich gerne selbst. Wenige Wochen vor ihrem Bundesparteitag im baden-württembergischen Weinheim steht mit Frank Franz der Bundeschef der Parteizeitung Deutsche Stimme Rede und Antwort. Unter seiner Führung habe sich die NPD ein „deutlich freundlicheres Erscheinungsbild“ zugelegt.

Der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz als Redner auf einer Demonstration in Berlin (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

„In einem Jahr haben wir viel erreicht“, versichert der Bundesvorsitzende der NPD, Frank Franz, seinen Anhängern in der aktuellen Ausgabe der Parteizeitung Deutsche Stimme. In dem Interview mit Peter Schreiber, mittlerweile Chefredakteur des Propagandablattes und früher Angestellter der sächsischen Fraktion, zieht Franz Zwischenbilanz nach zwölf Monaten an der Spitze der rechtsextremistischen Partei. Es gehört zum guten Ton der Szene, dass man sich gegenseitig interviewt. Wahrscheinlich deshalb, weil die NPD außerhalb ihres eigenen Milieus nach wie vor geächtet ist, egal was ihr Frontmann erzählt.

Im November 2014 hatte der Saarländer Udo Pastörs als NPD-Chef abgelöst. Pastörs wiederum konnte die von vielen Mitgliedern in ihn gesetzten Hoffnungen zu keinem Zeitpunkt erfüllen. Nach seiner gescheiterten Kandidatur als Spitzenkandidat der NPD zur Europawahl zog sich der 62-Jährige persönlich getroffen mehr oder weniger in seinem Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern zurück.

Nationaldemokratischer Realitätsverlust

Franz jedenfalls blendet die jüngsten Ereignisse komplett aus. In der öffentlichen Wahrnehmung spielt die NPD kaum eine Rolle. Längst haben ihr am rechten Rand die AfD oder auf der Straße Pegida den Rang abgelaufen. Bei den letzten beiden Landtagswahlen in Hamburg und Bremen schafft es seine Partei nicht einmal, die Ein-Prozent-Hürde zu überspringen. Damit fließen in den beiden Stadtstaaten keine Gelder aus der staatlichen Parteienteilfinanzierung in die braunen Kassen. Das realitätsferne Urteil der NPD-Spitze sieht hingegen anders aus: Die Partei ernte jetzt den „verdienten Zuspruch“.

Sein Ziel, so Franz, sei es „das Bild über die NPD nachhaltig zu verbessern“. Dazu gehöre „DS TV“, ein eher dröges Internetvideoformat, und eine „zunehmend attraktivere Deutsche Stimme“. Noch vor wenigen Jahren hatte die Partei intern darüber diskutiert, ihr Sprachrohr aus wirtschaftlichen Gründen eventuell einzustampfen. Nun der Kursschwenk. Bereits heute mache sich das „deutlich freundlichere Erscheinungsbild“ bemerkbar, stellt Franz, dem einige Kritiker in seiner Zeit als saarländischer Landesvorsitzender eine desaströse Bilanz vorwerfen, fest.

Völkischer Kern

Strategisch folgt Franz weiter der Linie seines Vor-Vorgängers Holger Apfel. Allerdings vermeidet Frank den Begriff der „seriösen Radikalität“, der unter „Kameraden“ verbrannt ist. Inhaltlich bleibt der dreifache Familienvater den radikaleren Positionen treu, Deutschland und Europa stünden angesichts der hohen Flüchtlingszahlen „vor dem Verlust ihrer Identität“. Die NPD strebe eine „grundsätzliche Revision des BRD-Asylrechtes an“. Natürlich könne es auch in einem nach „nationaldemokratischen Grundsätzen geführten Deutschland“ Ausländer geben – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Der harte völkische Kern der NPD bleibt unverkennbar.   

Kommentare(7)

Dennis Dienstag, 10.November 2015, 14:14 Uhr:
Wo hat sich die NPD denn ein „deutlich freundlicheres Erscheinungsbild“ zugelegt?
Es ist immer noch der gleiche Haufen vorbestrafter, krimineller Menschenhasser und Demokratiefeinde.

Der Rest ist die übliche, bekannte Realitätsferne der NPD. Alles ist prima, der Endsieg und die Machtübernahme stehen kurz bevor.

Im Wahren Leben dagegen ist die NPD lediglich eine Randgruppe ohne jegliche Zustimmung in der Bevölkerung, am Rand der Gesellschaft.
 
Roichi Dienstag, 10.November 2015, 14:36 Uhr:
Gibt es dann auch Kurse "Zuschlagen mit einem Lächeln" oder "Freundlich Hetzen"?
Damit die Kamerraden nicht immer so unfreundlich rüberkommen bei ihren Aktivitäten.
 
Dennis Dienstag, 10.November 2015, 17:49 Uhr:
Kleiner Nebenaspekt:
Jede einigermaßen bekannte Partei erinnert auf ihrer Seite an den heute verstorbenen Helmut Schmidt. Bei der NPD: Fehlanzeige. Ist ja auch nur ein verhasster Demokrat.
 
Insider wissen mehr! Mittwoch, 11.November 2015, 09:19 Uhr:
Wenn einen sonst niemand interviewt, dann muß man sich eben selbst interviewen! Der „Firle-Franz“ hatte letzten November in Weinheim einen Kavaliersstart angekündigt, der dann aber doch nicht stattfand. Jetzt befindet er sich mit seinem NPD-Tretboot schon seit einiger Zeit in Seenot!

@ Pastörs wiederum konnte die von vielen Mitgliedern in ihn gesetzten Hoffnungen zu keinem Zeitpunkt erfüllen. Nach seiner gescheiterten Kandidatur als Spitzenkandidat der NPD zur Europawahl zog sich der 62-Jährige persönlich getroffen mehr oder weniger in seinem Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern zurück.

So kennt man ihn! Der Interims- und Aushilfsvorsitzende Pastörs berauscht sich gerne regelmäßig an seinen eigenen, oftmals wirren Dampfplaudereien. Wenn er dann im Dienstwagen zurück nach MV sitzt, spätestens anderntags am Frühstückstisch, meint er schon wieder was anderes, oftmals das genaue Gegenteil.
 
Don Geraldo Mittwoch, 11.November 2015, 10:13 Uhr:
Bei den im Bericht angesprochenen Wahlen hätte auch ein Ergebnis von mehr als 0,5 Prozent kein Geld aus der staatlichen Parteienfinanzierung gebracht.
Bei Landtagswahlen gilt hier eine 1-Prozent-Hürde.
 
Redaktion Mittwoch, 11.November 2015, 11:17 Uhr:
Das ist richtig. Danke für den Hinweis.
Wir haben den Artikel entsprechend geändert.

Die Redaktion.
 
Der Archivar Donnerstag, 12.November 2015, 00:24 Uhr:
@ Strategisch folgt Franz weiter der Linie seines Vor-Vorgängers Holger Apfel. Allerdings vermeidet Frank den Begriff der „seriösen Radikalität“, der unter „Kameraden“ verbrannt ist.

Mit anderen Worten: „Seriöse Radikalität“ als No Name-Produkt! Und Markenschutz beantragt von Herrn Franz aus Völklingen!
 

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