von Oliver Cruzcampo
   

Der NPD laufen Mitglieder davon

Fast jeder zweite Euro, den die NPD bekommt, setzt sich aus staatlichen Geldern zusammen. Auf über 1,2 Millionen Euro kamen die Rechtsextremen dem aktuellen Rechenschaftsbericht für das Jahr 2013 demzufolge. Den Mitgliederschwund hingegen kann die Partei auch weiterhin nicht stoppen: In fünf Jahren sind ein Viertel der Anhänger verloren gegangen.

Immer mehr NPD-Mitglieder geben ihre Parteibücher zurück

In dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Rechenschaftsbericht (75MB, PDF) des Bundestages zu den „übrigen anspruchsberechtigten Parteien“ verfestigt sich die Abhängigkeit der rechtsextremen NPD vom Staat. 1,25 Millionen Euro landeten im Jahr 2013 auf dem Konto der derzeit im Verbotsverfahren befindlichen Partei. Dies sind zwar rund 200.000 Euro weniger gegenüber dem Vorjahreszeitraum – der Betrag macht aber dennoch 42 Prozent der Gesamteinnahmen aus.

Und obwohl zu dem Zeitpunkt bereits feststand, dass nach 2001 erneut ein Verbotsverfahren gegen die Partei am äußerst rechten Rand des Parteienspektrums eingeleitet würde, gingen über 800.000 Euro an Spenden ein. Auch die großzügigen Spenden der seinerzeitigen sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten konnten den Verlust der Fraktion im Sommer 2014 nicht verhindern. Alle acht Abgeordneten spendeten über das Jahr mehr als 10.000 Euro. Gleichzeitig waren die Ex-Parlamentarier aber auch die einzigen Personen, die der chronisch klammen Partei Beträge über dem Limit zukommen ließen.

Unverändert bleibt indes die Haltung des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, mittlerweile die einzig verbliebene Gliederung, die im Landtag eine Fraktion stellt. Die dortigen Mandatsträger drückten nicht einen einzigen Cent ab, während aus Sachsen beispielsweise über 80.000 Euro an die Partei gingen.

Ein Blick auf die in dem Bericht gelistete Anzahl der Personen mit Parteibuch offenbart ein Problem, mit dem die NPD bereits seit Jahren zu kämpfen hat: Der Neonazi-Partei laufen die Mitglieder davon. Waren es 2009 noch über 6.700, droht fünf Jahre später (5.048) das Durchbrechen der 5.000er Marke. Rund 25 Prozent haben in dem Zeitraum ihr Parteibuch zurückgegeben. Weder Udo Voigt noch Holger Apfel waren in der Lage, diesen Abwärtstrend zu stoppen. Und auch unter dem neuen Parteivorsitzenden Frank Franz deutet bislang wenig darauf hin, dass der Saarländer den drohenden Bedeutungsverlust stoppen könne.

Von hohen Spendeneinnahmen konnten in dem Berichtszeitraum vor allem die Republikaner profitieren. Die 2,6 Millionen Euro machten annähernd 60 Prozent der gesamten Einnahmen aus. Im Vorjahr – 2012 – waren es sogar 3,3 Millionen Euro. Die Mitgliederlisten werden, ähnlich wie bei der NPD, immer kürzer. Innerhalb eines Jahr verlor die Partei von Johann Gärtner über sechs Prozent ihrer Anhänger und rutschte auf 4.787 Mitglieder ab.

Erstmals wird in der Publikation auch die Alternative für Deutschland gelistet. Über die Hälfte der Einnahmen setzten sich aus Spenden zusammen, rund 4,3 Millionen Euro konnte die AfD auf ihrem Konto verbuchen. Knapp ein Viertel der Gelder kamen aus staatlichen Mitteln.  

Kommentare(6)

Dennis Freitag, 10.April 2015, 18:01 Uhr:
Liebe Redaktion,

bei allem Respekt, aber hier könnt Ihr euch doch nur vertan haben.
In der letzten Diskussion zum Thema Mitgliederschwund bei den Nazis hat uns Björn doch fein säuberlich davon überzeugt, dass die Mitgliedszahlen in Wahrheit gestiegen wären, bevor er sich aus der Diskussion mangels Argumenten verdrückt hatte. Das könnt Ihr doch jetzt nicht einfach so ignorieren.....:-)

Spaß beiseite: Diese Zahlen machen in der Tat ein klein wenig Mut für die Zukunft. Scheinen doch immer mehr Leute zu erkennen, dass diese komische rechte Ideologie Schrott ist und dass die NPD ein Haufen von politischen Krawallmachern ist.

Was die rechten Schreiber hier aber nachdenklich stimmen sollte, ist der Fakt, dass 2014 von den Abgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern nicht ein einziger Cent gespendet wurde. Wo ist da die so oft beschworene nationale Solidarität unter den Kameraden und den "nationalen Aktivisten"?
 
B aus M-V Freitag, 10.April 2015, 18:25 Uhr:
Nein, nein, der Rückgang ist doch völlig normal. Alles Karteileichen. ;o)
 
lara Freitag, 10.April 2015, 18:53 Uhr:
Also warum noch verbieten? In 10 Jahren sind die eh weg
 
Fragender Samstag, 11.April 2015, 17:16 Uhr:
Kann mir mal jemand erklären, was daran so ungewöhlich ist?
Die SPD hat von 1990 bis 2012 fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Bei der CDU sieht es ganz ähnlich aus. Diese Parteien verlieren pro Jahr zehntausende Mitglieder, wie folgende Grafik zeigt: http://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/138672/mitgliederentwicklung-cdu-und-spd-ab-1990
Bedeutet das etwa auch, daß es diese Parteien in 25 Jahren nicht mehr geben wird? Gibt es überhaupt eine Partei, die in den letzten Jahren einen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnte?
 
Insider wissen mehr! Sonntag, 12.April 2015, 21:24 Uhr:
„Und auch unter dem neuen Parteivorsitzenden Frank Franz deutet bislang wenig darauf hin, dass der Saarländer den drohenden Bedeutungsverlust stoppen könne.“

Der „Firle-Franz“ kriegt die Kurve nicht! Das wird nur ein kurzes Pontifikat!
 
Roichi Dienstag, 14.April 2015, 06:48 Uhr:
@ Dennis

Ich bin eher der Ansicht, dass die Kamerraden und ihre bürgerlichen Pendants sich anderen Gruppen zuwenden. Die AfD zieht die "bürgerlichen" und die Nazis landen bei drittem Weg und die Rechte. Also mehr ein Umschichten, als ein Schwund der Ideologie. Die Dummen sind ja nicht plötzlich weg.
 

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