von Oliver Cruzcampo
   

„Das wars. Schluß. Aus. Vorbei.“ – Ehemalige NPD-Funktionärin gibt Parteibuch zurück

Sigrid Schüßler war Vorsitzende der NPD-Frauenorganisation und stellvertretende Landesvorsitzende in Bayern. Die parteiintern umstrittene Frau hatte sich in den vergangenen Monaten bereits aus etlichen Funktionen zurückgezogen – und nun auch ihre Parteimitgliedschaft aufgekündigt. Jedoch nicht, ohne zu einem Rundumschlag gegen die aktuelle Parteiführung anzusetzen. Dass die NPD nicht auf die aktuellen Pegida-Demonstrationen reagiere, kritisiert sie ebenfalls scharf.

Die ehemalige Landesvize, ehemalige RNF-Vorsitzende und ehemaliges NPD-Mitglied Sigrid Schüßler

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte Sigrid Schüßler die Nachricht auf ihrem Facebook-Profil. „NPD-Ausweis Mitgliedsnummer 89961 kann ab sofort anderweitig vergeben werden! Das wars. Schluß. Aus. Vorbei.“, heißt es in der abschließenden Stellungnahme einleitend. Was folgt, ist ein Rundumschlag gegen ihre ehemalige Partei.

Darin thematisiert Schüßler auch die derzeitigen Pegida-Märsche in Dresden. Die NPD sei ihrer Meinung nach nicht in der Lage, daraus einen Nutzen zu ziehen. Auch spreche die rechtsextreme Partei „nicht die Sprache dieses Volkes“, sondern versuche alles, „um genau das nicht zu tun.“ Die Führungsriege der NPD habe Schüßler zufolge „ein Image des häßlichen Deutschen etabliert“, mit dem sich niemand „identifizieren kann und will“.

Frank Franz – Präsenz wie „lauwarmes Wasser“

Die ehemalige Vorsitzende der Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ (RNF) legt nach und spricht mehrere Punkte an, die bereits andere Parteifunktionäre in den vergangenen Monaten öffentlich kritisiert hatten: Wer „tumbe und laute Wahlkampfparolen, kriminelles Führungspersonal wissentlich(!!!) pflegt und hegt, politische Talente systematisch deckelt, ins Messer laufen und ausbrennen läßt, dabei von Unbelehrbarkeit und sektiererischer Überheblichkeit gesegnet ist […] – der entpuppt sich als größter Schädling und Verräter.“

Auch Sebastian Richter, neuer Vorsitzender der Jugendorganisation, schlug vor wenigen Tagen in dieselbe Kerbe: „Die kleinen und großen Skandale der jüngsten Vergangenheit lassen unsere Bewegung als lächerlichen Haufen dastehen. [...] Früher waren wir die Bösen, Gewaltbereiten oder auch Dummen. Heute sind wir einfach nur noch die Loser, die Verlierer, die Frauenschläger und die sexuell Desorientierten.“ Der neue JN-Chef spielt damit auf die etlichen NPD-Eklats an, die das öffentliche Bild der letzten Monate geprägt haben.

Vom neuen Parteivorsitzenden Frank Franz scheint Sigrid Schüßler sich ebenfalls mehr erhofft zu haben. Franz, der das Machtzepter von rund zwei Monaten übernommen hatte, sei „von einer Präsenz wie lauwarmes Wasser“. In der Tat hat sich der neue Parteichef bisher kaum öffentlich zu Wort gemeldet. Auch auf den fahrenden Pegida-Zug vermochte die NPD unter Franz´ Führung bisher nicht aufzuspringen. Spiegel Online greift das Thema ebenfalls auf – die Rechtsextremen seien maximal „Zaungäste“.

Spurlos vorbei ging das Schüßler-Posting an der NPD-Führungsebene aber dennoch nicht. So äußerte sich Franz ebenfalls kurz zu den im Raum stehenden Vorwürfen. „Ja, so manches ist sektenartig und muss dringend aufgebrochen werden“, stimmt der 36-Jährige zu. „Wie `lauwarmes Wasser´ sind nur Deine an maßloser Selbstüberschätzung krankenden Beiträge“, kontert Franz dann aber und ergänzt: „Dass Du Deinen Laden daheim – auch personell – im (Würge-)Griff hast, ist allen bekannt.“

Steiler Aufstieg, tiefer Fall

Selbstkritik sucht man in dem Statement der vierfachen Mutter indes vergebens. Sie „habe dieser Partei ein Gesicht gegeben, das aufhorchen ließ“. Und weiter: „Eine Sigrid Schüßler ist raus aus Eurer Nummer! Schickt unterwürfige Frauen vor, die den Mund nicht aufbekommen!“ Damit spielt das ehemalige NPD-Mitglied erneut auf die häufig kritisierte Rolle der Frau in der rechtsextremen Partei an.

Ob sich Schüßler parteipolitisch anders aufstellen will, lässt sie offen, auch ihre weitere Zukunft spricht sie nicht an. Über den Parteiaustritt dürften etliche Parteifunktionäre indes nicht unfroh sein. Die ehemalige RNF-Vorsitzende hatte mutmaßliche Missstände innerhalb der Partei immer wieder öffentlich thematisiert und damit den Missgunst etlicher Parteimitglieder auf sich gezogen.

Schüßler wurde Anfang 2012 zur neuen Vorsitzenden des „Rings Nationaler Frauen“ gewählt, sorgte aber immer wieder für Schlagzeilen. Den Rücktritt Holger Apfels begrüßte sie damals und sprach von „machtpolitischen Intrigenspielen“. Diese Meldung kam seinerzeit zu einem Zeitpunkt, als es noch keine näheren Informationen zu Apfels Beweggründen gab. Nach nur etwas mehr als einem Jahr wurde Schüßler als RNF-Chefin bereits ausgetauscht. Sie trat gänzlich aus der Frauengruppierung aus, da dort eine „unterentwickelte Kommunikationskultur sowie fehlendes Gespür für das politisch Wesentliche“ herrsche. Es folgte eine Klage gegen einen parteieigenen Kreisverband, im Oktober trat die diplomierte Schauspielerin dann schließlich von ihrer Funktion als stellvertretende bayerische Landesvorsitzende zurück.

Zumindest in der NPD-Frauenorganisation, die in der männerdominierten Partei ohnehin kam Einfluss hat, dürfte es in Zukunft vermutlich ruhiger zugehen.

Kommentare(5)

Insider wissen mehr! Sonntag, 28.Dezember 2014, 22:06 Uhr:
Der „Firle-Franz“, das kann man jetzt schon sagen, wird es bis zum Ende seiner Amtszeit nicht hinbekommen, sich in der deutschen Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen! Holger Apfels Stern ist schneller verglüht als die meisten zu hoffen wagten, der Stern des Völklingers hingegen, scheint gar nicht erst aufzugehen!
 
paul.pa Montag, 29.Dezember 2015, 15:42 Uhr:
Herr Franz und Stern? Eher eine Sternschnuppe, die schnell verglüht, aber die politischen Gegner der NPD dürfte die augenblickliche Konstellation in dieser ältesten nationalistischen Partei der BRD bestimmt Freude bereiten.
 
Irmela Mensah-Schramm Montag, 29.Dezember 2015, 18:28 Uhr:
Na, wirklich ein Ausstieg , oder nur Abschied von der NPD ?
Und der endgültige Schlussstrich unter der menschenverachtenden Gesinnung Frau Schßler ?
 
Nomen Dienstag, 30.Dezember 2015, 03:22 Uhr:
Mitgliedsnummern werden bei der NPD nicht neu vergeben, sondern fortlaufend, Frau Schüßler. Da fängt es schon an. Keinen Plan, diese Dame.
 
Erich Mühsam Dienstag, 30.Dezember 2015, 15:54 Uhr:
Die selbsternannte Hexe, Frau Schüßler, wird ihrem kruden Weltbild sicher nicht den Rücken kehren, genauso wenig wie es andere getan haben wenn sie ihr NPD-Parteibuch abgaben. Die NPD verliert Mitglieder, weil sie es nicht schafft den irrational hassenden Kern der deutschen Volkstümmelei an sich zu binden. Die bleiben lieber klandestin. Lediglich das Maß an übermenschlicher Dummheit bildet hier noch den Wurzelstock für den Ariernachweis.

@"Insider"
Ihr Geifer ist nur noch an ihrer Beharlichkeit an dumm-deutschen Auswürfen zu messen.

@Nomen
Sicher dass nicht sie der "Insider" sind? Oder wiegt das Latein den verhassten Ost-Küsten-Sprech auf?
 

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