Bürgermeisterkandidat Christian Worch kommt auf acht Stimmen

Der Parteivorsitzende der Splitterpartei Die Rechte, Christian Worch, wollte die kommunale Verankerung seiner Partei vorantreiben und kandidierte in 800 Kilometer Entfernung seines Wohnortes bei einer Bürgermeisterwahl. Dort konnte er am Sonntagabend ganze acht Stimmen einfahren – doch der Landesverband gibt sich zufrieden mit dem Wahlergebnis.

Parteichef Christian Worch wird doch kein Bürgermeister

Als vor einigen Wochen publik wurde, dass Christian Worch, Chef der Kleinstpartei Die Rechte im baden-württembergischen Au am Rhein zur Bürgermeisterwahl antreten würde, war die Verwunderung vor Ort groß. Welche Beweggründe sah der Neonazi, in der kleinen Gemeinde, die immerhin rund 800 Kilometer von seinem Wohnort Parchim in Mecklenburg-Vorpommern entfernt liegt, zu kandidieren?

Diskriminierung?

„Für den Landesverband ist meine Kandidatur in Au am Rhein eine Art Wahlkampf-Auftakt“, sagte Worch den Medien und erlangte so zumindest einige Aufmerksamkeit für sein Vorhaben. Der Landesverband Baden-Württemberg, der etwa 80 Mitglieder hätte, sei mit dem Vorschlag an ihn herangetreten.

In der Tat machte sich dann Worch auf den Weg in die kleine Gemeinde, ließ sich beim Hängen von Plakaten fotografieren und hielt einen Vortrag, in dem es allerdings weniger um Kommunalpolitik ging: „Der Knast als multikulturelles Biotop“. Auch an der öffentlichen Vorstellungsrunde der Kandidaten nahm der 61-Jährige teil. Die Altersgrenze für hauptamtliche Bürgermeister habe er in Mecklenburg-Vorpommern bereits überschritten, deswegen fühle er sich „diskriminiert“ und kandidiere nun in Au am Rhein. Auch ein lokales Thema brachte Worch mit. Nach der Veranstaltung, fiel dem Parchimer auf der Anreise auf, könne er den Ort aufgrund der fortgeschrittenen Stunde mit öffentlichen Transportmitteln nicht mehr verlassen, somit müsse der Personennahverkehr ausgebaut werden. 

„Viermal so viele Stimmen wie bei der vergangenen Landtagswahl“

Am Sonntagabend wurde dann das Ergebnis mit Spannung erwartet – würde es der Neonazi in die Stichwahl schaffen? Immerhin kandidierten neben Worch sechs weitere Personen. Doch aus dem forschen Vorhaben wurde nichts. Der Möchtegern-Bürgermeister konnte 0,39 Prozent der Stimmen auf sich vereinen – acht Personen gaben dem Neonazi ihre Stimme.

Doch für Die Rechte kein Grund zu resignieren. Der Landesverband erkannte in einer Pressemitteilung richtig an: „Der erste Wahlgang [konnte] unserem Bundesvorsitzenden Christian Worch noch keine absolute Mehrheit bescheren“. Und man freut sich gar über einen Stimmenzuwachs: „Somit erhielt unsere junge Partei immerhin viermal so viele Stimmen wie bei der vergangenen Landtagswahl 2016 in Au am Rhein.“ Seinerzeit machten in der 3.300 Einwohner zählenden Gemeinde also ganze zwei Personen ihr Kreuz bei der rechtsextremen Partei. Bis zur gewünschten kommunalen Verankerung scheint es noch ein weiter Weg zu sein.

Kommentare(3)

Don Geraldo Montag, 27.März 2017, 14:58 Uhr:
In unserem Dorf mit gerade mal 9.000 Einwohnern benötigt man schon 54 Unterstützungsunterschriften um überhaupt antreten zu können.

Gibt es dort keine Wahlantrittshürden ?
 
Roichi Montag, 27.März 2017, 15:17 Uhr:
Immerhin: Der Endsieg ist nah.
 
S. Hertweck Dienstag, 28.März 2017, 13:46 Uhr:
Leider darf bei einer Bürgermeisterwahl jeder antreten. Er durfte bei der Bewerbervorstellung auch öffentlich reden. Eine Demokratie kann so was aushalten! Als er seine Rede antrat mussten wir leider anstehen, um aus dem Saal zu kommen, weil über 100 Leute gleichzeitig den Saal verließen. Ein anderer Teil drehte ihm bei seiner Rede den Rücken zu. Die Presse schrieb von "verhaltenem Applaus" nach seiner Rede. Leider fehlerhafte Recherche! Der Applaus kam von 10 mitgereisten "Worch-Kampfhunden" aus dem Raum Karlsruhe und Calw (Autokennzeichen).
Bei der Wahl selbst erhielt der "Spaßbewerber" Leist von der Partei übrigens 10 Stimmen. Viele Wähler in unserem Ort sind Ü75 und wissen oft nicht einmal, was sie wählen. Zudem besitzt unser Dorf einen braunen Fleck, ääh, ein Parteimitglied der Republikaner mit Familie. Somit erklärt sich der "Erfolg" von Worch.
P.S. In Au da haben wir Hühner und Rinder, wir sind halt Dorfkinder. Doch ich weiß es ganz genau: keine Sau braucht Nazis in Au!!!
 

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