Braune Hassmusik im Eichsfeld
Rund 500 Teilnehmer kamen zum Eichsfeldtag, Foto: Kai Budler
Mit freundlicher Genehmigung des „blick nach rechts“ übernommen
Zum Zeitpunkt des angekündigten Beginns ist das Gelände des Neonazi Open-Airs „Eichsfeldtag“ weitestgehend leer. Die Organisatoren und ihre Helfer sind um 12.00 Uhr noch mit dem Aufbau der Bühne beschäftigt, andere Neonazis bauen Verkaufs- und Informationsstände, eine aufblasbare Hüpfburg sowie einen Stand mit Essen und Trinken auf. Schon zum fünften Mal findet das Rechtsrock-Konzert mit rechtsextremen Rednern unter freiem Himmel auf dem Ohnesportplatz im Süden der Stadt Leinefelde statt. Seit kurzem jedoch ist das Gelände von einem etwa zwei Meter hohen Metallstrebenzaun eingegrenzt, der Sportplatz wird zum Käfig.
Erst 90 Minuten nach dem angekündigten Beginn tritt das ehemalige Vorstandsmitglied der NPD Niedersachsen, Marco Borrmann, auf die Bühne und verliest die Auflagen des Landkreises Eichsfeld. Borrmann war langjähiger Anführer der „Kameradschaft Northeim“, die von dem mehrfach verurteilten Neonazi und NPD-Funktionär Thorsten Heise aufgebaut wurde, der jetzt im Eichsfeld lebt und dort für die NPD im Kreistag sitzt. Auch er tritt kurz ans Mikrofon und macht deutlich, dass die Bürger von Leinefelde weiterhin mit dem Rechtsrock Open-Air und seinen Begleiterscheinungen rechnen müssten. „Ich möchte in fünf Jahren hier den zehnten Geburtstag des Eichsfeldtages feiern“, ruft Heise von der Bühne und erntet damit Applaus bei den angereisten Neonazis. Er weiß, wovon er spricht, wenn er sich mit dem Satz „Eine gut gemachte CD ist definitiv weitaus besser als ein sehr gutes Flugblatt“ selbst zitiert. Heise betreibt im knapp 30 Kilometer entfernten Dorf Fretterode unter anderem den WB Versand mit Rechtsrock-Produktionen, der auch auf dem Gelände vertreten ist. An anderen Ständen warten unter anderem Oliver Niedrich und Mandy Schmidt von der NPD-Bundespartei, Patrick Schröder vom Ansgar Aryan-Versand und weitere Vertreter von braunen Gruppierungen wie beispielsweise der „Europäischen Aktion“ und dem „Tag der deutschen Zukunft“.
Verbundenheit mit „Blood&Honour“
Währenddessen beschimpft Heise die anwesenden Medienvertreter als „Lizenzpresse der Alliierten“ oder „als Presse getarnte Antifas“. Kurz darauf verbietet die Polizei den Pressefotografen, Aufnahmen zu machen, weil sie die Neonazis provozierten. Erst hartnäckiges Insistieren der Journalisten führt dazu, dass die Ordnungsbehörde die Polizei in ihre Schranken weist. Zu dieser Zeit hat schon der unvermeintliche Neonazi-„Liedermacher“ Frank Rennicke Gitarre und Mikrofon ergriffen, während die Zahl der Besucher langsam ansteigt. Sie müssen durch das Eintrittszelt das Gelände betreten, in dem Neonazis aus dem Umfeld der „Kameradschaft Northeim“ sitzen, die mit ihren T-Shirts „Arische Bruderschaft“ auch den Ordnerdienst stellen. Unter ihnen auch zwei Mitglieder der NPD Eichsfeld, die Pressevertreter außerhalb des Sportplatzes bedrängen und am Filmen hindern.
Organisator Thorsten Heise begrüßte seine Gäste auf der Bühne, Foto: Kai Budler