von Redaktion
   

Boateng als Nachbar: Gauland mit bekannter Masche, Arppe mit Medienhetze

Die AfD-Vize Alexander Gauland am Wochenende zugeschriebenen Äußerungen über Jérôme Boateng waren ein Lehrstück in Sachen Strategie der Rechtspopulisten. Erst der vermeintliche Tabubruch mit einer provokanten Äußerung, dann zurückrudern. Ein weiteres Register zog der Rostocker AfD-Funktionär Holger Arppe, der den Medien „Manipulation“ unterstellte.

Alexander Gauland als Redner einer Wahlkampf-Veranstaltung in Stralsund (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Nein, er ist nicht mit der Maus ausgerutscht. Allerdings bestritt Alexander Gauland, Fraktionschef der Alternative für Deutschland im brandenburgischen Landtag, gestern die ihm zugeschriebene Aussage so gemacht zu haben. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) zitierte den stellvertretenden Bundessprecher in ihrem Artikel „Gauland beleidigt Boateng“ mit dem Satz: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Der in Berlin geborene deutsche Nationalspieler ist der Sohn einer deutschen Mutter, sein Vater stammt aus Ghana.

Bekannte Masche

Zunächst wendete Gauland einen alten rechtspopulistischen Trick an, um die rassistische Sichtweise in die Medien zu bringen. Aus seiner Erfahrung weiß der heutige AfD-Politiker, welche Knöpfe er drücken muss, um die gewünschte Reaktion zu erhalten. Denn früher stand Gauland „auf der anderen Seite“ – er gab die Märkische Allgemeine heraus. Nun aber legte er seine Worte „den Leuten“ in den Mund. Natürlich ohne die These zu belegen. Die AfD als vermeintliches Sprachrohr des Volkes, immer den Gegensatz zwischen der eigenen Gruppe und den anderen hervorhebend. Anschließend bestritt Gauland, die Aussage in dieser Form gemacht zu haben, die FAS aber blieb bei ihrer Darstellung.

Bevor er in der Tagesschau einräumte, der Name Boateng könnte von Seiten der Journalisten in das Hintergrundgespräch eingebracht worden sein, teilte Gauland laut RBB mit: „Ich habe nie, wie die FAS insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten“. Trotzdem legte der Fraktionschef in den ARD-Nachrichten nach. Er habe deutlich machen wollen, „dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten“. Ein Mensch mit deutschem Pass bleibt ob seiner Wurzeln „fremd“, wer in Deutschland dazugehören darf, entscheidet nach dieser Sichtweise die genetische Herkunft. 

Hetzen, dementieren, nachlegen

Gaulands Parteifreund Holger Arppe, ohnehin bei Facebook und Twitter äußerst mitteilungsfreudig, nutze die Gelegenheit für einen Angriff auf die Medien, ganz der inszenierten Opfer-Rolle der Partei folgend. Der Rostocker Stadtvertreter, seit diesem Wochenende nach der Abwahl von Petra Federau auf Platz 3 der Landesliste für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September, stellte zunächst den Wahrheitsgehalt der Äußerung in Frage. Bekanntlich stehen Aussage gegen Aussage, Arppe betonte in einem Sharepic auf Twitter die „angeblichen Äußerungen“.

Mit seinem Post stellte der erstinstanzlich wegen Volksverhetzung verurteilte Arppe auf die vermeintliche „manipulative Energie des deutschen Medien- und Empörungskartells“ ab. Seine Aussage illustrierte der Partei-Hardliner mit einem Foto von Karl-Eduard von Schnitzler, dem Moderator der DDR-Propadanda-Sendung „Der schwarze Kanal“. Womöglich hat Arppe Gaulands Vorstoß nicht komplett verstanden. Den der wollte wohl in die Medien, seine Botschaft platzierte er gleich zwei mal: Zunächst mit der geübt formulierten Aussage, dann mit dem Dementi.

Kommentare(6)

Rostockä Montag, 30.Mai 2016, 18:04 Uhr:
Und wie kommt ihr zu euer Entscheidung, dass die FAS Leute auf jedenfall die Wahrheit sagen und Herr Gauland nicht?

Dabei muss noch gar nicht die zitierte Aussage gelogen sein. Aber die merkwürdige Schlussfolgerung daraus.

Das Herr Gaulamd nicht über sich spricht, sondern über eine bestimmte Gruppe von Leuten, solltet sogar ihr sehen. Das also die zwei Sätze aus einem längerem Gespräch herausgerissen sind, erkennt ein Blinder.
Aber anstatt zu recherchieren auf welche Frage Herr Gauland denn da geantwortet hat, kommt ihr nicht. Oder wollt ihr nicht kommen.

Stattdessen wird der Betroffene zum Täter gemacht, er hätte ja nur Medienaufmerksamkeit erhaschen wollen und rudert dann zurück. Das er tatsächlich nicht Boateng beleidigt hat, diese Möglichkeit kommt für euch keinesfalls in Frage.

Da sich Herr Gauland aber noch nie rassistisch geäußert hat, ist es wohl wahrscheinlicher, dass die FAS Leute einen Skandal fabrizieren wollten, um ihre einbrechenden Auflagen zu bremsen. Ansonsten hätten sie längst das ganze Interview veröffentlichen können, wenn sie nichts zu verbergen gehabt hätten.

Und alle Genossen der Mainstream Medien stimmen in das Geheul mit ein. Und dann wundert sich mancher über die Bezeichnung "Lügenpresse".

Ein "schönes" Beispiel für die Gleichschaltung der BRD-Medien.
 
Roichi Dienstag, 31.Mai 2016, 11:27 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Lesen Björni, lesen. Und natürlich verstehen.
Beides sind weiterhin größere Probleme für dich.
Ideologisch begründet.

Warum die Aussagen von Gauland ein Problem sind, wird im Artikel ausgeführt.
Ebenso die Strategie dahinter.

"Aber anstatt zu recherchieren auf welche Frage Herr Gauland denn da geantwortet hat, kommt ihr nicht. Oder wollt ihr nicht kommen."

Jaja, der Björn.
Also recherchiere doch mal, und hau nicht nur wieder Behauptungen raus.

"Stattdessen wird der Betroffene zum Täter gemacht, er hätte ja nur Medienaufmerksamkeit erhaschen wollen und rudert dann zurück."

Genau das ist Sinn und Zweck der Aktion. Zusammen natürlich mit der Verbreitung des eigenen Rassismus.
Wie das funktioniert, wurde oben auch ausgeführt.
Natürlich musst du auf die Opfermasche der AfD aufspringen. Ist ja schließlich auch deine Vorgehensweise.

"Das er tatsächlich nicht Boateng beleidigt hat, diese Möglichkeit kommt für euch keinesfalls in Frage."

Das ist sogar der eigentliche Knackpunkt.
Er hat alle Menschen nichtweißer Hautfarbe beleidigt.

"Da sich Herr Gauland aber noch nie rassistisch geäußert hat,..."

Was nur eine Behauptung von dir ist.
Oder doch eher eine Lüge.

"Und dann wundert sich mancher über die Bezeichnung "Lügenpresse"."

Überhaupt nicht.
Solange es dir und deinen Kamerraden ideologisch passt, wird der Begriff verwendet.
Passt eine Meldung ins Weltbild, so wird sie natürlich als "die Wahrheit" angenommen.
 
kritiker Freitag, 03.Juni 2016, 02:34 Uhr:
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Wenn Herr Boateng sich beleidigt fühlt, kann er doch Herrn Gauland anzeigen. Ein ganz normaler Vorgang ohne eine
besondere Bedeutung. Es geschieht in Deutschland doch täglich wahrscheinlich
hundertfach, daß Menschen sich beleidigt fühlen. Sollen die nun alle in die
Zeitung ? Und ist Herr Boateng denn ein besonderer Mensch ? Nur weil er einer
von diesen exorbitant zu hoch bezahlten Fußballprofis ist ? Oder etwa wegen
seiner Hautfarbe oder seiner Herkunft ? Ich denke, es ist bei uns in Deutschland
egal, welche Hautfarbe,Herkunft oder Religion jemand besitzt. Jedenfalls wird
uns das ja ständig von den Regierenden und deren Medien erklärt. Also warum
nun diese Sonderbehandlung für Herrn Boateng in diesem "Nachbarschafts-
streit" ?
Oder sind wir jetzt in Deutschland schon so weit, daß man bestimmte Menschen
als seine Nachbarn "gern" haben muß ?
Ich möchte auch keinen bekannten Profi als Nachbarn haben, egal wie er heißt
oder wie er aussieht. Mich würde schon der Rummel stören, der um einen
solchen Menschen gemacht wird, die meine Straße belagernden bescheuerten
Fans des Profis, die ganzen Unannehmlichkeiten (Lärm nach einem Turnier).
Nur, weil neben mir solch eine Person wohnt.
 
Kritikerin Freitag, 03.Juni 2016, 17:44 Uhr:
@ kritiker

"Ich verstehe die ganze Aufregung nicht."

Das war klar.

"Wenn Herr Boateng sich beleidigt fühlt, kann er doch Herrn Gauland anzeigen. Ein ganz normaler Vorgang ohne eine
besondere Bedeutung. Es geschieht in Deutschland doch täglich wahrscheinlich
hundertfach, daß Menschen sich beleidigt fühlen. Sollen die nun alle in die
Zeitung ? Und ist Herr Boateng denn ein besonderer Mensch ? Nur weil er einer
von diesen exorbitant zu hoch bezahlten Fußballprofis ist ? Oder etwa wegen
seiner Hautfarbe oder seiner Herkunft ? Ich denke, es ist bei uns in Deutschland
egal, welche Hautfarbe,Herkunft oder Religion jemand besitzt. Jedenfalls wird
uns das ja ständig von den Regierenden und deren Medien erklärt. Also warum
nun diese Sonderbehandlung für Herrn Boateng in diesem "Nachbarschafts-
streit" ?
Oder sind wir jetzt in Deutschland schon so weit, daß man bestimmte Menschen
als seine Nachbarn "gern" haben muß ?
Ich möchte auch keinen bekannten Profi als Nachbarn haben, egal wie er heißt
oder wie er aussieht. Mich würde schon der Rummel stören, der um einen
solchen Menschen gemacht wird, die meine Straße belagernden bescheuerten
Fans des Profis, die ganzen Unannehmlichkeiten (Lärm nach einem Turnier).
Nur, weil neben mir solch eine Person wohnt."

Und das war naiv.
 
Roichi Freitag, 03.Juni 2016, 20:36 Uhr:
@ kritiker

"Ich denke, es ist bei uns in Deutschland
egal, welche Hautfarbe,Herkunft oder Religion jemand besitzt."

Gauland nicht. Und das ist das Problem.
Ansonsten zeigst du nur, dass du weder die Problematik, noch den Artikel verstanden hast. Oder genauer, nicht verstehen willst.
 
kritiker Montag, 06.Juni 2016, 01:59 Uhr:
@ roichi
Herr Gauland soll u.a. gesagt haben:" Die L e u t e finden ihn als Fußballspieler
gut. Aber s i e wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Woher nehmen
Sie, werter Roichi, die Annahme, daß es Herrn Gauland nicht egal sein soll, welche
Hautfarbe, Herkunft oder Religion jemand in Deutschland besitzt ? Ich denke,
daß ist nur eines Ihrer stattsam bekannten Vorurteile gegen Andersdenkende,vor
allem gegen Mitglieder und Funktionäre der AfD. In dem Zitat "Die Leute..." be-
schreibt doch Herr Gauland nur die Realität, nämlich daß es in Deutschland nicht
wenige Leute (Menschen) gibt, die einen Fußballprofi oder auch einen Farbigen
nicht unbedingt als Nachbarn haben wollen. Das ist eine Zustandsbeschreibung
und k e i n e Wertung ! Wo ist da die Problematik ? Ich sehe darin nur eine
von den Medien hochgespielte hysterische Kampagne gegen die AfD und Herrn
Gauland. Noch einmal : Kein Mensch ist (auch) moralisch verpflichtet, ir-
gendeinen anderen Menschen gern zum Nachbarn haben zu wollen. Und kein Mensch
in Deutschland und auch nicht Herr Boateng hat in Deutschland das Vorrecht,
daß man ihn gerne zum Nachbarn haben muß oder möchte.
@ kritikerin
N a i v von den Medien ist es, zu versuchen, mit einer solchen Kampagne die
Menschen davon abzuhalten , die AfD zu wählen. Je mehr gegen die AfD und
deren Vertreter so unqualifiziert und hysterisch gehetzt wird, um so mehr Men-
schen werden sich dieser Partei zuwenden !
 

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