von Redaktion
   

„Blackfacing“: Linken-Abgeordnete feiert in rassistischem Kostüm

Von „Verstehen Sie Spaß?“ über „Wetten, dass...?“ bis Dieter Hallervorden - immer wieder wird in der Öffentlichkeit das Verkleiden hellhäutiger Menschen als Dunkelhäutige, „Blackfacing“ genannt, kritisiert. Besonders häufig ist diese Art der Kostümierung naturgemäß an Karneval zu beobachten. Dem Vorwurf des „Blackfacings“ sieht sich nun auch eine Landtagsabgeordnete der Linken ausgesetzt. Sie war mit einer Gruppe als „Eingeborene aus dem Dschungel“ aufgetreten.

Unten rechts die Landtagsabgeordnete Jeannine Rösler, Foto: Screenshot Facebook

Mit einem knappen Dutzend Karnevalisten war die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jeannine Rösler am vergangenen Wochenende beim Tutower Karnevalsklub e.V. im vorpommerschen Teil des Bundeslandes unterwegs. Unter dem Motto „Dschungel“ wollte man mit Baströcken, Afro-Perücken, Knochenketten und eben geschwärzten Gesichtern eine Gruppe „Eingeborene“ darstellen. Mittendrin die Linken-Politikerin.

Gegenüber dem Nordkurier zeigte sich Rösler anschließend arglos. „Ich bin die letzte Person, die rassistisch eingestellt ist. Ich habe viele schwarze Freunde und setze mich in der Flüchtlingshilfe ein“, wird sie in der Montagsausgabe zitiert.

„Belustigung des weißen Publikums“

Die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) hat für derlei Verhaltensweisen keinerlei Verständnis. Es sei nicht hinnehmbar, dass die rassistische Darstellungsform immer noch praktiziert werde, so Tahir Della, Vorsitzende der ISD, im Nordkurier. Spaß höre immer da auf, wo sich andere Menschen diskriminiert fühlten.

Tatsächlich gilt das "Blackfacing" beispielsweise in den USA schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts als rassistisch und wird daher abgelehnt. Auch in solchen Fällen, wo offenkundig keine abwertende Absicht hinter der Verkleidung steckt.

Hintergrund dieser Haltung ist die Sinnbildlichkeit des „Blackfacings“ für die Versklavung und Herabwürdigung Schwarzer zu Kolonialzeiten. Unter anderem in „Minstrel Shows“ wurden dem weißen amerikanischen Publikum schwarz angemalte, ebenfalls weiße Darsteller vorgeführt, die zur allgemeinen Belustigung dümmliche, tollpatschige Schwarze mimten. Auch in Deutschland waren in etlichen DEFA-Filmen der DDR und eben zu Karnevalszeiten „Schwarzgesichter“ ein gern verwendetes Stil- und Verkleidungsmittel.

Satire und nicht so gemeint

Im gleichen Umfang, wie immer wieder das „Blackfacing“ kritisiert wird, versuchen sich die Gescholtenen anschließend immer wieder zu rechtfertigen. Genau wie Jeannine Rösler wollen viele den Ärger der Betroffenen nicht gelten lassen und fühlen sich missverstanden.

Von „Tradition“, über „passt so gut zum Thema Dschungel“ bis hin zu „Satire, um auf Missstände im Umgang mit Fremden hinzudeuten“ - kaum ein Argument wird nicht bemüht, um den Vorwurf des Rassismus durch „Blackfacing“ zu entkräften. Die Gefühle der karikierten Schwarzen spielen dabei offensichtlich eine untergeordnete Rolle.

Kommentare(14)

Gorm der Alte Dienstag, 28.Februar 2017, 21:18 Uhr:
von einer Abgeordneten der Linken hätte ich so ein Verhalten nicht erwartet, es ist doch wohl mehr als bekannt, das blackfacing sich nicht mehr gehört, die Gründe sind genannt. Traurig über emphatieloses und respektloses Verhalten.
 
Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 01.März 2017, 08:38 Uhr:
So arglos kann - und darf man nun wirklich nicht sein!
Und, wenn ich mich noch an die Wahlplakate der Linken in MVP erinnere, stößt es mir sehr auf - und deshalb gerade bei dieser Partei: "Aus Liebe zur Heimat"......
Ich bin überhaupt nicht 'antideutsch' - aber es wäre sicher deutlich und überzeugender gewesen, wenn stattdessen die Aussage verwendet worden wäre: : "Aus Verantwortung in unsererm Land" ..............o.ä.!
Ich empfinde dies mehr als befremdlich.........
 
Robert Mittwoch, 01.März 2017, 12:56 Uhr:
Blackfacing ist nicht rassistisch in Europa oder sonstwo, wo es keine Historie dazu gab. In Amerika wird es als rassistisch angesehen, weil in Theaterstücken Weiße Schwarze auf dümliche art und weise nachgespielt haben - in Europa (oder auch Holland, wo es oft diskutiert wird), gibt es diese assoziation nicht. Es gibt keinen Grund, weswegen es rassistisch sei, sich anders zu schminken.

„Belustigung des weißen Publikums“ - wrong country. "immer noch" - nie passiert.
 
Georg Mackowiak Mittwoch, 01.März 2017, 13:16 Uhr:
Identisches gilt auch für Kostümierungen als Indianer, Chinese, Mexikaner und so weiter. Nicht nur zur Karnevalszeit, denken wir etwa an Karl-May-Filme und -Aufführungen, in denen Europäer als "Indianer" verkleidet auftreten; von den zahlreichen "Indianerclubs" ganz zu schweigen.
 
xxx Mittwoch, 01.März 2017, 13:16 Uhr:
Aus meiner Sicht hat das so viel mit Rassismus zu tun wie Genderologie mit Wissenschaft, nämlich garnichts. Die Schwarzen selbst wurden wahrscheinlich nicht nach ihrer Meinung gefragt. Wohl auch aus gutem Grund, weil die Antwort "Nein" der linksgrünen Ideologie widerspricht.
 
Jens Schulze Donnerstag, 02.März 2017, 05:10 Uhr:
In der Fasnacht verkleidet man sich halt. Regt sich auch jemand auf, wenn dei Jungs als Indianer verkleidet kommen? Nicht alles was mit Rasse zu tun hat ist rassistisch. Wer alles als rassistisch bezeichnet, verharmlost die, die wirklich rassistisch sind.
 
sabine Koné Donnerstag, 02.März 2017, 09:26 Uhr:
eine unfaßbar dumme person die in einer partei wie die linke nichts zu suchen hat!
 
Roichi Donnerstag, 02.März 2017, 11:27 Uhr:
@ Robert

Genau. Kolonialismus gab es in Europa nie und nimmer.
Historie ist auch immer nur das, was einem gerade passt. Der Rest ist dann nie passiert.

Für den Anfang darfst du aber gerne bei Tante Wiki Nachhilfe nehmen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Blackface
Wobei der englische Artikel wesentlich ausführlicher ist.
https://en.wikipedia.org/wiki/Blackface


@ Georg

Richtig. Entsprechende Bestrebungen, das zu kritisieren und zu ändern gibt es ja inzwischen zum Glück auch.


@ xxx

Deine Sicht kommt aber auch nicht über Ideologie hinaus. Insofern kannst du keine wissenschaftliche Aussage treffen.
Was Schwarze wie empfinden, kannst du nicht beurteilen. Dennoch verfällst du gleich in das übliche rassistische Muster, für "die Schwarzen" sprechen zu wollen.
Ein schöner Beitrag zum Nachdenken dazu findet sich hier:
https://www.facebook.com/AmnestyDeutschland/videos/10155207329349604/
Mal sehen, ob es dir hilft.


@ Jens

Und am Stammtisch hitlert man natürlich rum, wie man sich im Stadion auf die Fresse haut, oder wie?
Deine Logik ist gelinde gesagt haarsträubend.
Blackfacing ist rassistisch geprägt. Daran wird sich nichts ändern, wenn das im Karneval verwendet wird.
 
Blinde Kuh Donnerstag, 02.März 2017, 14:57 Uhr:
@Robert|Georg|xxx
...Rassismus hat vor allen Dingen mal etwas mit Ignoranz und Interpretationshoheit gegenüber den Diskriminierten zu tun...
...gerade die koloniale "Historie" und die damit einhergehenden pseudowissenschaftlichen Rasseüberlegenheitstheorien haben dezidierte "deutsche" Wurzeln und die "amerkanische Historie" ist ja wohl auch ausgiebig weiß-europäisch - dieses ignorante über den Atlantik Gezeige vergißt regelmäßig, dass wer mit dem Zeigefinger auf andere zeigt, immer auch mit 3 Fingern auf sich selbst zeigt...
Alleine schon die bildliche Darstellung der gewählten "Verkleidung" mit Knochenkettchen, könnte doch als Beleg für die unreflektierte und klischeebezogene Abwertung der "Dargestellten" ausreichen - wann und wo bitteschön haben denn die Verteidiger des Rassismus hier solch einen "Afrikaner" mal in solchem Aufzug bewundern dürfen???
...falls es um "Belustigung des schwarzen Publikums" gegangen sein sollte, ist es gemessen an der Reaktion dieser Gruppe mehr als nur misslungen - was bleibt ist die Belustigung von Weißen auf Kosten anderer in inadäquater Art und Weise - egal wo - auch egal gegen wen (auch gegen sog. "Indianer" [hier auch die falsche Fremd-Bezeichnung!])...
 
Robert Freitag, 03.März 2017, 12:26 Uhr:
Blinde Kuh, nimmst du an, ich bin weiß & deutsch?
 
Charlotte E. Samstag, 04.März 2017, 00:11 Uhr:
Sorry, aber mit dem Artikel habt Ihr Euch bei mir ins Abseits gestellt. Bevor Ihr weiter wild auf unbescholtene Leute eindrescht, solltet Ihr Euch mal folgenden Kommentar reinziehen und mal nachdenken: http://www.uckermarkkurier.de/demmin/ein-helau-auf-die-korrekte-kostuem-wahl-beim-fasching-0327213803.html
 
Michael Lang Samstag, 04.März 2017, 00:49 Uhr:
Man kann auch alles übertreiben. Dann kann man im Karneval ja nix mehr anziehen, weil sich immer wer davon beleidigt fühlen könnte.
Würde sich jemand aufregen, wenn Schwarze als Weiße Ärzte oder Köche auftreten würden?
Wenn aber ein Türke die Deutschen als "Köterrasse" bezeichnet, dann schreibt hier keiner was von Rassismus! Und er wird nicht mal wegen Volksverhetzung belangt!
 
Roichi Samstag, 04.März 2017, 23:07 Uhr:
@ Robert

Na wer hätte das gedacht?
Jetzt musst du nur noch zeigen, dass du auch Texte verstehen kannst.

@ Charlotte

Naja. Der verlinkte Artikel fängt schon mit einer falschen Bildbeschreibung an und ist inhaltlich auch auf dem Niveau, das hier kritisiert wird.
Als Kommentar ist das schon schwach. Zum Glück bleibt es dabei.
Also gehst du noch auf die Argumente ein, die gegen Blackfacing und Diskriminierung im Karneval sprechen, oder nicht?
 
Roichi Samstag, 04.März 2017, 23:07 Uhr:
@ Michael

"Dann kann man im Karneval ja nix mehr anziehen, weil sich immer wer davon beleidigt fühlen könnte. "

Es geht um Diskriminierung. Beleidigung ist übrigens auch strafbar.
Satire, grobe Übertreibungen und auch sonstige Kostüme sind ja kein Problem. Wenn da ein fetter Sigmar auftaucht mit Zigarre, oder Birne, oder Mutti. Je nach Kostümgestaltung kann das doch sehr passend sein.
Wozu also diskriminierende Kostüme nutzen?

"Würde sich jemand aufregen, wenn Schwarze als Weiße Ärzte oder Köche auftreten würden?"

Vielleicht. Aber warum sollten sie denn nicht als schwarze Köche oder Ärzte auftreten?
Was hat der Beruf mit der Hautfarbe zu tun? Und schon sind wir wieder bei der Diskriminierung. Schwarze Ärzte sind ja wohl nicht "normal".

"Wenn aber ein Türke die Deutschen als "Köterrasse" bezeichnet, dann schreibt hier keiner was von Rassismus! Und er wird nicht mal wegen Volksverhetzung belangt! "

Ah. Whataboutismus.
Weil ein Türke das mal gesagt hat und das Gericht das nicht sanktioniert hat, darfst du also schwarze Menschen diskriminieren.
Die Logik der "Besorgten".
 

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