Bautzen: CDU-Politiker plaudert Interna an NPD-Chef aus

Die Art der politischen „Aufarbeitung“ der fremdenfeindlichen Hetzjagden in Bautzen war schon in der Vergangenheit von einer auffallenden Distanzlosigkeit zur NPD geprägt. Nun wurde nach einem Gespräch zwischen dem CDU-Vize-Landrat Witschas und einem NPD-Funktionär bekannt, dass sogar Interna der Verwaltung weitergegeben wurden. Das Verhältnis der beiden Männer ist nach MDR-Informationen enger als bekannt.

Rechtsextreme Facebook-Seiten aus Bautzen

Dabei ist CDU-Vize-Landrat Udo Witschas nicht der erste, der sich mit der NPD zum Austausch über das weitere Vorgehen in Bautzen beraten hat. Zuvor hatten sich bereits weitere Politiker wie der Oberbürgermeister und der Landrat selber mit dem damaligen – jüngst überraschend abgesetzten – NPD-Kreischef Marco Wruck getroffen. Während Udo Witschas nicht müde wird, zu betonen, das Treffen am Dienstag letzter Woche sei auf Initiative Wrucks zustande gekommen und ein einmaliger sachlicher Austausch ohne nennenswerten Informationsgehalt gewesen, belegen MDR-Informationen nun einen innigeren Umgang.

Locker-freundschaftlicher Informationsaustausch

Wie der MDR am Freitag vermeldet, habe sich Landrat Witschas nicht nur mit dem NPD-Politiker im Büro getroffen, sondern „über mehrere Tage“ per Facebook „einen locker-freundschaftlichen Informationsaustausch“ gepflegt. Entsprechende Screenshots der Konversation lägen dem MDR vor. Demnach sei es auch nicht der NPD-Politiker Wruck gewesen, der auf Witschas zugegangen sei. Die dem MDR vorliegenden Nachrichten würden belegen, dass es Udo Witschas war, der zuerst Wrucks Gattin die Online-Freundschaft angeboten habe.

Diese habe zwar angenommen, aber sogar sogleich darauf verwiesen, dass sie mit den NPDler liiert sei und gefragt, ob dies denn kein Problem darstelle, so die Recherchen des Senders. Witschas habe dies aber mit einem „Für mich keines Falls! LG, auch an Hr Wruck.“ zurückgewiesen, zitiert ihn der MDR. Entscheidend sind dann die nächsten Sätze, die Witschas demzufolge an Wrucks Frau geschickt haben soll: "Mit Herrn Wruck würde ich mich gern mal treffen, habe überhaupt nichts gegen ihn.“ Darauf hin habe sich dann erst Wruck eingeschaltet und mit dem CDU-Mann ein Treffen arrangiert.

Sensible, personenbezogene Daten preisgegeben

Die dann folgende Konversation der beiden – vor und auch nach dem Treffen – hat es in sich. Wie der MDR berichtet, habe sich der CDU-Vize-Landrat nicht nur offenherzig über die weitere Situation von Flüchtlingsunterkünften und seine Ablehnung eines „Integrationszentrum" verbreitet, sondern auch sensible, personenbezogene Daten preisgegeben. Noch bevor es hierzu eine offizielle Information der Stadt Bautzen gegeben habe, sei der NDP-Mann durch Witschas an Informationen zu einem „Aufenthaltsverbot für den Asylbewerber aus Libyen“ gekommen sein, so der Sender. Diese – aus Sicht eines Neonazis sicher äußerst brauchbaren Hinweise – wollte Wruck dem MDR zufolge sogleich medial verbreiten. Hier habe Witschas aber um Geduld gebeten: „Wenn es öffentlich gemacht werden kann, melde ich mich.“

Marco Wruck ist zwischenzeitlich wegen Beitragssäumigkeit aus der NPD ausgeschlossen werden, wolle aber politisch weitermachen. Eine Stellungnahme des Landratsamtes wird erwartet.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen