von Oliver Cruzcampo
   

Bad Nenndorfer „Trauermarsch“: Der langsame Tod

Der eigentliche „Trauermarsch“ in Bad Nenndorf war zum zehnjährigen Jubiläum nur noch ein Nebenschauplatz. Bereits vorab musste die rechtsextreme Szene über eine Stunde zu Fuß anreisen, der Bahnhof konnte aufgrund einer Blockade nicht genutzt werden. Eine Spendenaktion von Exit und weitere Gegenproteste machten aus dem Aufmarsch ein Spektakel.

Um 12 Uhr – der angepeilten Zeit für den Treffen der Teilnehmer des „Trauermarsches“ – befanden sich lediglich wenige Dutzend Rechtsextreme neben dem Bahnhof in Bad Nenndorf. Rund 50 Personen blockierten dort die Zugänge, der Zug, mit dem rund 100 weitere Geschichtsrevisionisten anreisen wollten, konnte schlicht nicht einfahren.

So musste vom letzten Bahnhof zwangsweise ein Spaziergang über rund sieben Kilometer eingelegt, die Polizei begleitete die verhinderten Teilnehmer über Wanderwege bis zum eigentlichen Treffpunkt, der erst mit zweistündiger Verspätung erreicht wurde.

Marsch schrumpft auf unter 200 Teilnehmer zusammen

In der Zwischenzeit hatten Polizeibeamte mit der Räumung der Bahnhofs begonnen, mit teilweise rabiatem Vorgehen. Etliche Personen wurden zu Boden gedrückt, die Gliedmaßen verdreht, über den Boden geschliffen. Mehrere Linke wurden verletzt und mussten von Demo-Sanitäter provisorisch behandelt werden. Wenige Hundert Meter weiter wurde eine weitere Blockade geräumt, es kam zum Einsatz von Tränengas, ein Krankenwagen musste anrücken, um mindestens einen Verletzten zu versorgen.

In der Zwischenzeit war die Wanderstrecke abgelaufen, rund 180 Geschichtsklitterer konnten Aufstellung nehmen und mit fast dreistündiger Verspätung ihre Route Richtung Wincklerbad antreten. Dort gab es kurz nach Kriegsende ein Internierungslager der britischen Armee, NSDAP-Angehörige saßen dort ein, wurden teilweise gefoltert. Seit mittlerweile zehn Jahren nutzt die rechtsextreme Szene das geschichtsträchtige Gebäude für ihre Zwecke. Doch die anfangs rund 1.000 Teilnehmer schrumpften in den Jahren auf ein Minimum zusammen. Erneut kamen weniger Rechtsextreme als im Vorjahr in den kleinen nahe Hannover gelegenen Ort.

Entlang der nur rund 700 Meter langen Strecke musste entlang zahlreicher Banner marschiert werden, die im Rahmen der Exit-Kampagne RechtgegenRechts dort aufgehängt worden waren. 2.400 Euro kamen am Ende für die Aussteigerinitiative zusammen, es war nach Wunsiedel die zweite Aktion dieser Art. Dazu gesellten sich Dutzende Gegendemonstranten, die in unmittelbarer Nähe des Wincklerbades eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse aufbauten. Die Reden, die dort gehalten wurden, waren so kaum wahrnehmbar. Szene-Kader Sven Skoda, Rechte-Aktivist Michael Brück, die Berlinerin Maria Fank und der Hamburger NPD-Landesvorsitzende Thomas „Steiner“ Wulff versuchten, die wenigen Anhänger bei Laune zu halten, sie seien die „guten“ und „wahren“ Deutschen.

Die Gegendemonstranten seien zudem alle „herbeigekarrt“ worden. Dabei dürften fast sämtliche Teilnehmer des „Trauermarsches“ ebenso angereist sein. Aus Mecklenburg-Vorpommern verirrte sich der Jamelner Sven Krüger mit dem ehemaligen Schweriner NPD-Stadtvertreter Günther W. nach Bad Nenndorf, aus Dortmund reiste eine größere Gruppe aus dem Kameradschaftsspektrum an, viele Teilnehmer kamen aus den ostdeutschen Bundesländern.

Keine Zukunft für „Trauermarsch“?

Angemeldet ist die Demonstration zwar bis zum Jahr 2030, fraglich bleibt, ob der Aufzug auch in den kommenden Jahren in der Form stattfinden wird. In Lübeck wurde der „Trauermarsch“ nach sieben Jahren zu Grabe getragen, auch dort ging ein herber Bedeutungsverlust voraus. Der oft in historisch motivierte Märsche involvierte Thomas Wulff bringt mit seinem NS-Gedenken kaum noch „Kameraden“ auf die Straße. Für die junge aktionsorientierte Szene sind diese kurzen Aufmarschstrecken, die oft mit Blockaden einhergehen und keinerlei Dynamik entfachen, unattraktiv. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis es sich „ausgetrauert“ hat – und auf ein neues Format ausgewichen wird.

Kommentare(7)

Dennis Montag, 03.August 2015, 12:54 Uhr:
Und auch das werden die Nazis hier im Forum natürlich wieder in einen Sieg umdeuten. Zumindest werden sie es versuchen und wahrscheinlich wie immer kläglich scheitern.

An die Bad Nenndorfer: Glückwunsch zu den Aktionen an der Demo-Route. Ich wette, ein Teil der Nazis hat vor Wut innerlich gekocht und es wurde die eine oder andere Mordfantasie entwickelt.
 
Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 05.August 2015, 01:02 Uhr:
So hatte denn die Polizei auch nichts besseres zu tun, als auch ihre Agression an den Blockierern auszulassen, oder ?
Auch ich hatte größten Spaß daran, gegen die widerlichen Nazireden anzulärmen
 
kammerjäger Donnerstag, 06.August 2015, 11:25 Uhr:
"Ich wette, ein Teil der Nazis hat vor Wut innerlich gekocht und es wurde die eine oder andere Mordfantasie entwickelt. "

Nur wenige Menschen teilen Deine niederen Instinkte, und die finden sich nur in der KgR-Fraktion.
 
Dennis Donnerstag, 06.August 2015, 18:35 Uhr:
@ kammerjäger:

" Nur wenige Menschen teilen Deine niederen Instinkte, und die finden sich nur in der KgR-Fraktion. "

Muahaha, selten so gelacht. Dass Nazis gerne mal gegen andersdenkende losschlagen, sollten auch Sie mitbekommen haben. Aber passt wahrscheinlich nicht in die Lüge von den friedlichen Nazis, deswegen blenden Sie das einfach mal aus.

Jüngstes Beispiel für die Gewalt Ihrer Kameraden sind die Bilder aus dem MDR-Beitrag über den Nazi-Schläger Dennis Wesemann und seine Mannschaft.

Oder z.B. die Gewalt- und Morddrohungen rechter Chaoten auf Facebook.
Wollen Sie noch mehr Beispiele? Kann ich Ihnen jederzeit liefern.

P.S. Seit wann duzen wir uns eigentlich?
 
Kammerjäger Freitag, 07.August 2015, 13:05 Uhr:
@denise
Muahaha, selten so gelacht. Dass Linke gerne mal gegen Andersdenkende losschlagen, sabotieren, pöbeln, sachbeschädigen, zündeln, randalieren, solltest auch Du mitbekommen haben.(kleiner Tip: Schanzenviertel, Kreuzberg am 30. April, Bankenviertel in Frankfurt) Aber das passt wahrscheinlich nicht in die Lüge von den friedlichen Gutmenschen, deswegen blendest Du das einfach mal aus, wie immer. Aber es reiht sich ein in die Lüge von den "hochgebildeten Fachkräften", die täglich übers Mittelmeer paddeln oder vom Balkan einreisen und von der Wirtschaft hier sehnsuchtsvoll erwartet werden. Bei knapp 3 Millionen offiziellen einheimischen Arbeitslosen und einer Million vertuschter Arbeitsloser. Es reiht sich ein in das Lügenmärchen von den ach sooo Verfolgten (Syrer ausdrücklich ausgenommen) aus Afrika oder vom Balkan. Wie man unschwer visuell aus jedem Medienbericht oder beim Besuch im Asylantenheim entnehmen kann, werden auf wundersame Weise aber fast nur junge, gesunde, wohlgenährte Männer in ihren Heimatländern verfolgt. Deren Frauen Kinder und Eltern nicht- deshalb findet man diese auch kaum unter den Flüchtlingen. Einfach erstaunlich! Tja Denise, gutmenschliche Lügen haben kurze Beine. So kurz, dass Ihr alle schon auf dem Bauchnabel robbt.
 
Roichi Freitag, 07.August 2015, 21:26 Uhr:
@ Kammerjägerchen

Uhh. Die ganz große Keule.
Tja, wenn die Kamerraden mal wieder nichts zustande bringen, muss es eben Pöbelei richten.
Und nicht mal die taugt etwas.

Da werden Beschimpfungen und Verschwörungstheorien ausgepackt, das ganze übliche Zeug.
Und wie Dennis schon schrieb, Endsiegen natürlich die Kamerraden. Die nationale Welt muss ja stimmen.

Du bist schon ein wunderbares Paradebeispiel dafür.
Mach weiter so, besser kann man euch nicht diskreditieren.
Deshalb auch nur eine Frage:
Wann warst du mal ein einem Asylbewerberheim?
Das glaubt dir doch niemand. Erst recht nicht, wen du nur die üblichen Märchen der Kamerraden auftischst.
Damit auch gleich zu deinem Bild am Schluss. Demnach du dich etwa zwei Meter unter der Erde bewegst. Vermutlich Wurmartig, wenn überhaupt.
 
Dennis Freitag, 07.August 2015, 21:40 Uhr:
@ Kammerjäger:

Da Sie anscheinend nichts zum Thema zu sagen haben und sich nur noch aufs Rumpöbeln konzentrieren, nehme ich Ihre Kapitulation gerne an.
 

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