von Thomas Witzgall
   

Auslöschung der „weißen Rasse“ durch Juden - Wie Parteifunktionäre Horst Mahler huldigen

Weitgehend unter sich blieben Neonazis, Polizei, Fachjournalisten und antifaschistisch motivierte Gegendemonstranten bei einer Veranstaltung von Die Rechte und NPD für den Holocaust-Leugner. Dieser sei, so ein Redner, ein glühendes Vorbild. In von dem derzeiten in Ungarn festsitzenden Mahler eingespielten Statements wurde antisemitischen Aussagen Tür und Tor geöffnet.

Am Ende waren es gerade mal 23 Demonstranten, die sich am Ungarischen Generalkonsulat in München einfanden. Aufgerufen hatte die Partei Die Rechte, die Münchner NPD schloss sich an. Das beschreibt dann auch etwa das Teilnehmerspektrum. Ein Grüppchen, das den harten Kern der Münchner Pegida-„Spaziergänger“ ausmacht, fand sich nach der versuchten Störung einer Festzeltveranstaltung mit Kanzlerin Angela Merkel früher am Tag ebenfalls ein. Dass der Münchner Ableger von Pegida nurmehr ein Bestätigungsfeld extrem Rechter ist, ist schon länger bekannt. Die Huldigung für einen notorischen Leugner der Shoah passt da ganz gut ins Bild.

Der Dritte Weg beteiligte sich hingegen nicht. Die Partei mit den unzähligen Aktivisten des verbotenen Freien Netz Süd zog es vor, Briefe an die diversen Vertretungen Ungarns in Deutschland zu schreiben. Mit Philipp Hasselbach und Karl Richter traten in München zudem zwei Redner auf, die in den Reihen des Dritten Wegs seit Längerem nicht gerade wohl gelitten sind.

Rasender Antisemit ein „glühendes Vorbild“

Hintergrund der Aktion ist die Inhaftierung des früheren RAF-Terroristen in Ungarn nach dessen Flucht vor der deutschen Justiz. Eigentlich war die Verbüßung der Resthaftstrafe schon zur Bewährung ausgesetzt, doch die Auftritte des Antisemiten führten zum Widerruf der Haftaussetzung. Wirklichkeitsfremd, wie selbst der frühere NPD-Landesvorsitzende Karl Richter konstatierte, soll Mahler auf Asyl in Ungarn gesetzt haben.

Für den ersten Redner Philipp Hasselbach, Landesvorsitzender der kaum noch aktiven Kleinstpartei Die Rechte, war der Holocaust-Leugner ein „glühendes Vorbild“, weil dieser ausspreche, was „viele Menschen in Deutschland denken“ würden, denn er habe mit dem „Schuldkult und Nationalmasochismus“ Schluss gemacht. Angeblich ginge es nur um ein kritisches Hinterfragen.


NPD-Politiker Karl Richter als einer der Redner auf der Kundgebung für Horst Mahler; Foto: Thomas Witzgall

Die eingespielten Statements Mahlers von seiner Zeit vor der Flucht konterkarierten dagegen diese versuchte Verharmlosung, denn dieser präsentierte sich erneut als ein glühender Antisemit. Auf das „Schuldkonto der Juden“ schrieb er sogleich den ganzen Sklavenhandel mit elf Millionen Opfern. Er warf ihnen ebenfalls vor, nicht nur an der Auslöschung des deutschen Volkes zu arbeiten – seine erneute Inhaftierung sei ein Teil davon – nein, sämtliche christlichen Völker Europas, sogar die „weiße Rasse an sich“ sollten „durch Vermischung“ vernichtet werden, so Mahler in seinem auf den 14. April datierten Statement. Hitler und das deutsche Volk hätten „einen Schutz dagegen entwickelt“, weshalb die Mächte der Welt auf das Deutsche Reich gehetzt worden seien. Er berief sich dazu auch auf die entlarvte Fälschung der „Protokolle der Weisen von Zion“. Weshalb die Versammlung nach diesem Einspieler nicht abgebrochen wurde, bleibt das Geheimnis der Polizei.

Auch Karl Richter versuchte sich in Verharmlosung. Völlig die Forschung dazu ignorierend verstieg sich er sich etwa zu der Spekulation, durch neue Forschung könnte sich in einigen Jahren das Bild – wohl der NS-Zeit – ebenso gewandelt haben, wie das Bild vom Mittelalter, weshalb sich Juristen aus dem Bereich der Geschichtsschreibung heraushalten sollten. Seine Seite stehe für totale Meinungsfreiheit, sagte der extrem rechte Stadtrat, der allerdings in der Vergangenheit schon mal Gegendemonstranten angezeigt hatte, die zu laut oder extrem gegen ihn auf die Straße gingen.

Neonazis wollen für Mahlers Kosten aufkommen

Die extreme Rechte wäre nicht die extreme Rechte, würde sie nicht auch noch das Thema Asyl mit einigen rassistischen Statements füllen. So wollen Mahlers Anhänger für den Fall, dass er in Ungarn bleiben dürfe, für dessen Unterhalt aufkommen. Er würde damit – so das präsentierte Bonbon vor dem Konsulat – nicht wie die ganzen „Scheinasylanten und Wirtschaftsflüchtlinge“ dem ungarischen Volk auf der Tasche liegen. Hasselbach ging auch noch dem ungarischen Ministerpräsidenten um den Bart. Orbán habe die Grenzen Europas mit Internierungslagern und anderen Mitteln hervorragend und vorbildlich geschützt und solle nun auch die Meinungsfreiheit schützen.

Von all dem Trubel dürfte aber am Sonntag in dem Konsulat kaum jemand etwas mitbekommen haben und auch Laufkundschaft erreichten die Neonazis mit ihre Versammlung zu gut wie keine.

Parallel dazu gab es ähnliche Veranstaltungen in Düsseldorf. Dort sollen es um die 50 Demonstranten gewesen sein, in Erfurt und Berlin vor der Botschaft etwa 40. Hasselbach sprach noch von bundesweiten Banner- und Aufkleberaktionen „überall im Land“. Er drohte damit, so lange demonstrieren zu wollen, bis ihre Forderung umgesetzt sei. Bei ihm ist dies eine altbekannte Aussage, die schon in einigen Kommunen gefallen ist, auch welchen, die danach nie wieder von Hasselbach & Co. besucht wurden.

Kommentare(2)

Preda Dienstag, 30.Mai 2017, 15:29 Uhr:
Ich bin hier mit Asyl gekommen aus eben dem selben Grund. Wenn die Meinung nicht Staatskonform war kam man ins Gefängnis. Horst Mahler äußert nur seine Meinung. Ob diese richtig ist oder falsch spielt keine Rolle wenn es um die Frage geht, ob ich jemanden dafür ins Gefängnis schicke! Dass wir einen Schuldkult pflegen, das ist wahr. Denn ich frage mich, was wäre wenn wir keinen Schuldkult hätten? Zuletzt habe ich mich aufgeregt als unser Bundespräsident nach Israel ging und dort abermals betonte die schwere Schuld des Deutschen Volkes. Tut mir Leid, ich habe keine Schuld. Wir sind jetzt in der 5. Generation und uns wird vorgeworfen schuldig zu sein? Für mich gibt es kein Rechts oder Links. Ich muss mich mit einem Thema sachlich auseinandersetzen können. Meine persönliche Meinung wird weder von Horst Mahler noch von unserem Bundespräsidenten beeinflußt. Ich bin in der Lage mir selbst ein Bild davon zu schaffen.
 
Roichi Dienstag, 30.Mai 2017, 19:21 Uhr:
@ Preda

Er äußert eben nicht nur seine Meinung, sondern beleidigt Millionen Menschen und hetzt gegen eine Religionsgruppe.

"Dass wir einen Schuldkult pflegen, das ist wahr."

Nein. Das ist eine Lüge.
Wir pflegen eine Kultur der Erinnerung an die Ursachen der Shoah und der Verantwortung aus dieser Erinnerung, dass solche Dinge nicht wieder geschehen. Wird nur gerne verdreht, um ein "Argument" zu haben, mit dem man sich anderen überlegen oder als Opfer fühlen kann, wie es eben gerade gebraucht wird. In deinem Text letzteres.

" Ich muss mich mit einem Thema sachlich auseinandersetzen können."

Dann mal los damit.
Aber bitte Faktenbasiert und nicht mittels Halbwahrheiten, Lügen und Verschwörungen. Das würde sonst nichts bringen.
 

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