von Oliver Cruzcampo
   

Aufmarsch der Identitären endet mit Blockade

Weit kamen die Identitären am gestrigen Samstag in Berlin nicht – nach wenigen Hundert Metern war aufgrund einer Blockade Schluss. Nachdem sich die Teilnehmer rund zwei Stunden die Beine in den Bauch standen, wurde die Demonstration vorzeitig aufgelöst. In Folge kam es zu kurzzeitigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Als gegen 14 Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin Wedding die Teilnehmer der Identitären-Demo nach und nach eintrafen, waren die Organisatoren noch guten Mutes. Der Sammelpunkt füllte sich, auch wenn er zunächst ins Stocken kam, da die Polizei Einlasskontrollen durchführte. Genaue Teilnehmerzahlen veröffentlichte die Polizei nicht, ging von einigen Hundert Teilnehmern aus. Die Identitären selbst sprechen von 850 Anhängern, in den Medien kursierten Zahlen von 500 bis 700 Personen.

Alte NPD-Kader jetzt mit IB-Fahne

Im vergangenen Jahr, als die Identitären am 17. Juni erstmals in Berlin auf die Straße gingen, schlossen sich ihnen nur 150 Anhänger hin. Doch diesmal wurde international mobilisiert, Beobachter rechneten somit bereits im Vorfeld mit Zahlen im dreistelligen Bereich – völlig überraschend kamen diese somit nicht.

Ebenfalls kam wenige Tage vor der Demo Kritik auf, da nur Fahnen der Identitären Bewegung zugelassen seien. Schließlich „werbe“ man für die IB. Auch die rechtsextremen Parteien wurden ausgeladen, mobilisiert wurde in den Kreisen dennoch. Vereinzelt tauchten Funktionäre auf, wie in etwa Robert Wolinski, NPD-Stadtvertreter in Velten. Dieser tauschte sich auf der Demo mit dem früheren JN-Bundesvorsitzenden Andy Knape aus. Aber auch Alf Börm, bis vor wenigen Jahren noch JN-Landeschef und Kreistagsabgeordneter für die NPD in Mecklenburg-Vorpommern, schwingt mittlerweile die Fahne der Identitären.

Die Übergänge sind fließend. Auch Daniel Fiß, mittlerweile zusammen mit Nils Altmieks Chef der Identitären in Deutschland, war zuvor JN-Funktionär im Nordosten. Unterstützung bekam der umtriebige Student der Universität Rostock am gestrigen Tag u. a. von Robert Timm, IB-Chef in Berlin, Hannes Krünägel, Vorsitzender der Gliederung in M-V, und Martin Sellner. Der Österreicher hatte im Vorfeld angegeben, nicht in die Organisation des Aufmarsches eingebunden zu sein, trat dann aber doch als Redner und Entscheidungsträger auf. Zugegen waren mit Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz auch zwei prominente Köpfe von Pegida, die ebenso in die Durchführung der Veranstaltung eingebunden waren.

Sitzblockaden

Probleme verursachte gleich zu Beginn die Lautsprecheranlage, so konnte die Mehrheit der Teilnehmer die ersten Reden akustisch kaum verfolgen. Anschließend sollte es auf einer knapp vier Kilometer langen Strecke zum Hauptbahnhof gehen, doch bereits nach rund 700 Metern war Schluss. Die Polizei stoppte die Demo, eine aus einigen Dutzend Personen bestehende Sitzblockade verhinderte ein Weiterkommen.

Bereits ab den Mittagsstunden waren zwischen 1.500 und 2.000 Personen in der Landeshauptstadt unterwegs, um gegen die IB ein Zeichen zu setzen. Eine vom „Bündnis gegen Rechts“ organisierte Demonstration führt an die Route des politischen Gegners heran, Dutzende Personen konnten in unmittelbare Nähe zur rechtsextremen Veranstaltung gelangen und dort ihren Unmut zum Ausdruck bringen.

Aufsehen erregte mit Irmela Mensah-Schramm eine prominente Aktivistin, die sich vor allem durch das Entfernen von Tausenden Neonazi-Stickern und Graffiti einen Namen gemacht hat. Kurzerhand setzte sie sich zu den jungen Sitzblockierern, „aus Solidarität“, sagte sie. Zwar wurde die Rentnerin später weggetragen, doch da hatten die Identitären bereits die Auflösung ihres Aufzuges beschlossen.

Durchbruchsversuch

Die Anhänger hatten sich zu dem Zeitpunkt bereits rund zwei Stunden die Beine in den Bauch gestanden – die Demo wurde vorzeitig aufgelöst und verursachte für einige Minuten ein hektisches Durcheinander, was in einem Durchbruchsversuch der Identitären mündete. In Videos ist zu sehen, wie etliche Rechtsextreme auf eine Polizeikette zustürmten und versuchten, diese zu durchbrechen. Das selbstauferlegte und gebetsmühlenartig vorgetragene Image des friedlichen und gewaltfreien Widerstands bröckelte in diesem Minuten heftig.

Dennoch wollen die Identitären ihren Aufmarsch als „Erfolg verbuchen“, da sie „erfolgreich durchgeführt“ worden sei, zudem hätte man „alle Redebeiträge abgehalten“. In den kommenden Monaten werden sich die selbsternannten Retter des Abendlandes wohl wieder auf konspirativ organisierte Aktionen konzentrieren – dort erwartet sie weniger Widerstand.

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