(Anti-)Faschismus

Unter dem Namen Fasci italiani di combattimento (Italienische Kampfbünde) trat ab 1919 eine Gruppe öffentlich auf, die sich einem Führer – Benito Mussolini – unterordnete, dem nationalistischen Lager entstammte und ihren Antimarxismus auch gewaltsam zeigte. Diese Bewegung sollte zum Namensgeber für das globale Phänomen Faschismus werden, die skizzierten Charakteristika sind der kleinste gemeinsame Nenner faschistischer Bewegungen.

Das weltweite Erstarken nationalistischer, autoritärer und gegen Minderheiten gerichteter Strömungen hat neues Interesse am (Anti-)Faschismus geweckt. Reaktionäre Bewegungen mit breiter Basis hatte es in vielen Ländern jahrzehntelang nicht gegeben. Ab wann ist es gerechtfertigt, rechtsgerichtete Bewegungen und Regierungen als faschistisch zu bezeichnen? Wie real ist die Gefahr des Faschismus heute, wer sind seine Gegner?

Das APuZ, die Zeitschrift der Bundeszentrale für politische Bildung mit einer neuen Ausgabe. Die 48-seitige Publikation kann kostenlos heruntergeladen bzw. als Printausgabe bestellt werden.

 

ZUM INHALT

VOLKER WEIẞ

„NEUE RECHTE“ UND IDEOLOGISCHE TRADITIONEN
Gibt es eine Verbindung der heutigen „Neuen Rechten“ zum historischen Komplex „Faschismus“? Jenseits vorschneller Etikettierung gilt es, den weltanschaulichen Traditionshaushalt sowie die Netzwerke und Außendarstellung der verschiedenen Akteure differenziert zu betrachten.
Seite 04–09

SVEN REICHARDT
GLOBALGESCHICHTE DES FASCHISMUS
Die historische Faschismusforschung hat sich in den vergangenen Jahren für neue Ansätze geöffnet. Wichtig sind hier vor allem ein Verständnis des Faschismus als Prozess sowie globalgeschichtliche Perspektiven, die die wechselseitige Verflochtenheit der Faschismen untersuchen.
Seite 10–16

GRZEGORZ ROSSOLINSKI-LIEBE
STEPAN BANDERA, DER UKRAINISCHE NATIONALISMUS UND DER TRANSNATIONALE FASCHISMUS
Deutungen des Ukraine-Konflikts als Kampf um nationale Selbstbestimmung beziehungsweise Faschismus haben auch eine geschichtspolitische Dimension. Die Instrumentalisierung der dafür zentralen Figur Stepan Bandera verdeckt die komplexen Ergebnisse der historischen Forschung.
Seite 17–22

CORNELIA SIEBECK
KRITIK DER POSTNATIONALSOZIALISTISCHEN SELBSTVERGEWISSERUNG
Das Gedenken an die nationalsozialistischen Verbrechen ist in der Bundesrepublik Deutschland gesellschaftlich und staatlich fest verankert. Doch ist damit notwendig noch ein kritischer Blick auf die eigene Geschichte und Gegenwart verbunden?
Seite 23–28

NIGEL COPSEY
VON ROM NACH CHARLOTTESVILLE – EINE SEHR KURZE GESCHICHTE DES GLOBALEN ANTIFASCHISMUS
Antifaschismus ist nur in seiner Beziehung zum Faschismus zu verstehen. Er war von Beginn an transnational geprägt, und auch für heutige Aktivistinnen und Aktivisten spielen die globalen Traditionsbestände der historischen Bewegung eine wichtige Rolle.
Seite 29–34

NILS SCHUHMACHER
AUTONOMER ANTIFASCHISMUS ALS BEGRIFF UND PROGRAMM
In der öffentlichen Debatte taucht „die Antifa“ oft im Zusammenhang mit Gewalt auf. Der eindeutig besetzte Sammelbegriff verdeckt jedoch häufg sowohl die Heterogenität der Akteure als auch eine differenzierte Analyse von deren Inhalten, Praktiken und Strukturen.
Seite 35–41

FEDERICO FINCHELSTEIN
POPULISMUS ALS POSTFASCHISMUS
Populistische Bewegungen und Regierungen werden häufg als Faschismus bezeichnet oder damit verglichen. Die historischen Verbindungslinien zwischen beiden Phänomenen werden dagegen auch in theoretischen Darstellungen des Populismus kaum beachtet.
Seite 42–46

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