von Oliver Cruzcampo
   

AfD macht gegen Merkel mobil

In Mecklenburg-Vorpommern schießt sich die AfD zunehmend auf Anti-Merkel-Proteste ein. Am Freitag wurde ein Termin der Kanzlerin in Stralsund von einer Kundgebung begleitet. Die rechtspopulistische Partei steigt in den Wahlkampf ein – und geht zunehmend auf die Straße.

Ursprünglich wurden rund 300 Teilnehmer für die AfD-Demonstration in Stralsund erwartet. Am Ende versammelten sich am Freitagnachmittag lediglich 100 Teilnehmer. Auch Leif-Erik Holm, Landessprecher und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, fand sich in dem von der Polizei mit Hamburger Gittern abgesperrten Bereich auf dem Alten Markt ein. Etliche Parteifunktionäre waren dem Aufruf ebenfalls gefolgt, darunter Schatzmeisterin Ulrike Schielke-Ziesing, sowie die Vorstandsmitglieder Holger Arppe und Enrico Komning. Aber auch Anhänger der vor Kurzem gegründeten Jugendorganisation „Junge Alternative“ um deren Vorsitzenden Robert Schnell fanden sich in der Hansestadt ein.

NPD-Aktion reloaded

Eine Handvoll Neonazis wollte sich die Kundgebung der AfD ebenfalls nicht entgehen lassen, so auch der Stralsunder NPD-Stadtvertreter Dirk Arendt. Demonstrativ trug der Kommunalpolitiker eine Jacke mit dem Parteilogo- und slogan – ähnlich wie David Petereit zuletzt in Rostock. Auch Arendt zog sich die Jacke erst zu einem späteren Zeitpunkt über. Einige Anhänger der Identitären Bewegung fanden sich ebenfalls auf der Veranstaltung der „Alternative für Deutschland“ ein.

Es ist die mittlerweile dritte AfD-Demonstration in diesem Jahr – die Partei schaltet in den Wahlkampfmodus. Die kommenden Monate werden sich die Rechtspopulisten die Straße mit der NPD teilen, die derzeit öffentlich ausschließlich unter dem Label Mvgida von sich Reden macht.

Der Besuch Angela Merkels in Stralsund wurde erneut als Anlass für die Kundgebung genommen. Immer wieder wurde neben „Wir sind das Volk“-Rufen vor allem auch „Merkel muss weg“ skandiert. Gelegentlich waren auch eher auf Neonazi-Demos wahrnehmbare „Antifa-Hurensöhne“-Parolen zu hören, Ordner versuchten, diese dann möglichst schnell zu unterbinden.


Kritik an provokanten Äußerungen der AfD in den letzten Wochen

Leif-Erik Holm sprach in seiner Rede von einem „Bevölkerungsaustausch“, der derzeit in Deutschland stattfinden würde. Das vor allem in der rechtsextremen Szene oft verwendete Wort „Umvolkung“, dass die auf Listenplatz drei befindliche Petra Federau noch auf dem Parteitag vergangenes Wochenende benutzte, vermied der Landessprecher. Wenige Minuten später traf Angela Merkel ein und verschwand nach wenigen Sekunden direkt im Rathaus. Ein AfD-Sympathisant schreibt auf Facebook: „Warum bewerft ihr sie nicht mit Eiern und Tomaten.“

Eine kreative Protestaktion organisierten rund 20 AfD-Gegner, die sich mit weißen Overalls und großen Bannern direkt neben der Kundgebung positionierten. Auf den Transparenten waren Sprüche wie „Todsicheres Herkunftsland“ zu lesen – wohl eine Anspielung auf die von Beatrix von Storch und Frauke Petry heftig kritisierten Aussagen zu Schießbefehlen an der Grenze.

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