„Generation Deutschland“

AfD-Jugend: Altbekanntes im neuen Gewand

„Kaderschmiede“ der Mutterpartei: Ende 2025 hat sich die auf den ersten Blick neue AfD-Jugend „Generation Deutschland“ gegründet. Seither folgten immer mehr Gründungsversammlungen der Landesverbände. Ähnlich wie die „Junge Alternative“ bindet aber auch die neue Organisation das hoch ideologisierte, rechtsextreme Vorfeld an die Partei.

Dienstag, 03. Februar 2026
Michael Klarmann
Ende November gründete sich die AfD-Jugend unter dem Namen "Generation Deutschland" in Gießen neu, Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Martin Meissner
Ende November gründete sich die AfD-Jugend unter dem Namen "Generation Deutschland" in Gießen neu, Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Martin Meissner

Kurz vor der Gründung des Bundesverbands der „Generation Deutschland“ (GD) in Gießen hatte der designierte und später gewählte Bundesvorsitzende Jean-Pascal Hohm mitgeteilt, die GD werde eine „Kaderschmiede“ für künftige Funktionäre und Amtsträger der AfD sein. Die „Junge Alternative“ (JA) hatte sich Anfang 2025 selbst aufgelöst, auch um ein mögliches Verbot abzuwenden.

Hohm, der vom Brandenburger Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, sagte Ende letzten Jahres, man wolle eng mit dem sogenannten politischen Vorfeld zusammenarbeiten. Auch AfD-Chefin Alice Weidel betonte in Gießen laut Medienberichten, die GD müsse sich als „Kaderschmiede“ verstehen. Die Parteijugend sei „die nächste Generation nach mir, nach Tino Chrupalla, nach den Alten hier, die unser Land führen."

Das Vorfeld an die Partei binden

Viele Funktionäre der neuen GD-Strukturen im Bund und in den Ländern waren zuvor bereits in der JA sowie im rechtsextremen Vorfeld der AfD aktiv. Die Neugründung gleicht also eher einem Vorgang, bei dem die Parteijugend unter dem Schutzschild der AfD tatsächlich vor einem möglichen Verbot abgesichert werden sollte. Zugleich begreifen sich die GD-Kader und deren Mitglieder als eine Art Schwert der Partei. Sie wollen diese weiter völkisch ideologisieren und radikalisieren.

Am Wochenende gründete sich der sächsische GD-Landesverband in Chemnitz. Zum Vorsitzenden wurde der Bautzner AfD-Stadtrat Lennard Scharpe gewählt. Scharpe ist auch „Finanzbeauftragter“ im GD-Bundesvorstand und unterhält Kontakte zum rechtsextremen Vorfeld. Zuvor war er Vorsitzender der JA in Sachsen.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Gegenüber der „Sächsischen Zeitung“ wies Scharpe Ende 2025 darauf hin, der Zweck der Gründung sei, die Parteijugend stärker an die AfD zu binden und so einem Verbot zuvorzukommen. „Es war kein Ziel der [JA-]Auflösung, uns inhaltlich zu mäßigen“, zitiert ihn die Zeitung. Scharpe drängte demnach auf eine enge Zusammenarbeit mit der rechtsextremen „Identitäten Bewegung“ (IB), mit der es einen „regelmäßigen Austausch geben [muss], und die Partei sollte auch Ideen der Identitären Bewegung übernehmen.“

Schon bei der Neugründung der AfD-Jugend in Bayern im Dezember setzte man personell und inhaltlich auf Kontinuität. Der neue Landesvorsitzende ist zugleich der alte JA-Vorsitzende Franz Schmid. Schmid wird vom bayerischen Landesverfassungsschutz als Rechtsextremist eingestuft und trotz seines Abgeordnetenstatus gesondert beobachtet. Ihm wird vorgeworfen, seine politische Stellung gezielt zur Förderung rechtsextremer Strukturen zu nutzen.

Ideologisierung in der „Neuen Rechten“

Bereits im Dezember hatte sich auch der Landesverband Rheinland-Pfalz gegründet. Den Vorsitz bilden Jan Richard Behr und Bailey Wollenweber als Doppelspitze. Behr fungiert zudem als einer von mehreren stellvertretenden GD-Bundesvorsitzenden und stammt laut der „Badischen Zeitung“ ursprünglich aus der JA in Sachsen. Er wurde in der „Neuen Rechten“ und im „identitären“ Vorfeld ideologisiert. 

In einem Interview mit „Spiegel TV“ sagte Behr kürzlich, dass es zwar eine „institutionelle Trennung“ zum Vorfeld gebe, man sich aber nicht von „Vorfeldorganisationen“ distanzieren werde und mit diesen im Dialog bleibe. Wollenweber gehörte laut SWR bereits zum früheren Führungskreis der „Jungen Alternative“ in Rheinland-Pfalz.

Höckes und Helferichs Jugend

Mitte Januar wurde Carolin Lichtenheld zur Vorsitzenden der GD in Thüringen gewählt, ihr Stellvertreter ist Eric Engelhardt. Bis zur Auflösung der „Jungen Alternative“ war Engelhardt in dem von dem Rechtsextremisten Björn Höcke geprägten AfD-Landesverband JA-Vorsitzender und Lichtenheld seine Stellvertreterin. Laut Medienberichten forderte Lichtenheld bei der Gründungsversammlung in Thüringen, in der neuen Parteijugend dürfe es „keine Distanzierung zum patriotischen Vorfeld“ geben.

In Nordrhein-Westfalen ist die AfD tief zerstritten, was sich auch bei der Gründung des GD-Verbandes bemerkbar machte. Dort desavouierte das rechtsextreme und völkische Lager um Matthias Helferich den sich moderater präsentieren wollenden Flügel um Landeschef Martin Vincentz und dessen Kandidaten. Der GD-Landesvorstand setzt sich nun zum Teil aus ehemaligen JA-Funktionären zusammen. 

„Ideologisch gefestigt“ und „Neuer Deutscher Standard“

Luca Hofrath wurde zum NRW-Landeschef gewählt. Er sagte nach seiner Wahl, die GD und deren Mitglieder müssten „ideologisch gefestigt bleiben”. Man sei Teil des „rechten Mosaiks“ – eine andere Umschreibung für das rechtsextreme Vorfeld. Laut WDR-Recherchen hatte Hofrath bisher schon Kontakte zu Ideologen der rechtsextremen Szene und zu Mitgliedern der „Identitären Bewegung.“

An jenem Wochenende im Januar wurde auch die GD Schleswig-Holstein gegründet. Zum Landeschef wurde Jasper Griebel gewählt, der zuvor bereits JA-Funktionär gewesen war. Vor seiner Wahl berichteten die „Lübecker Nachrichten“, dass Griebel wiederholt durch Kontakte zu Rechtsextremen sowie im Zuge strafrechtlicher Ermittlungen aufgefallen war. Unter anderem war der stellvertretende Kreisvorsitzende der AfD-Stormarn im Zusammenhang mit einem Konzert der rechtsextremen Rapper von „Neuer Deutscher Standard“ aufgefallen.

Ex-Bundeschef der „Identitären Bewegung“

Ebenso an jenem Wochenende wurde Florian Russ in Sachsen-Anhalt zum GD-Landeschef gewählt. Er war zuvor schon im JA-Landesvorstand und im Umfeld der IB aktiv. Russ gehört als Beisitzer auch dem Bundesvorstand an. In Mecklenburg-Vorpommern hatte sich zuvor bereits der neue Landesverband der JA-Nachfolgeorganisation gegründet. Zum Landeschef wurde Alexander Tschich gewählt. Der Mitarbeiter der Landtagsfraktion war zuvor bereits Chef der aufgelösten JA in Mecklenburg-Vorpommern.

Die beiden anderen gelben Typen auf dem Bild, Fiß und Sebbin, haben den Webauftritt der Generation Deutschland gebaut. Die IB übernimmt jetzt die Kampagnengestaltung der AfD. Und sie haben Posten in den Parlamentsbüros der AfD Abgeordneten.

[image or embed]

— Ustinoff auf Eis (@ustinoff.bsky.social) 29. Januar 2026 um 21:12

Auch in diesem Bundesland besteht der GD-Vorstand unter anderem aus Mitgliedern, die zuvor in der JA aktiv waren und teilweise heute als Lokalpolitiker der AfD fungieren. Daniel Fiß, einst Bundesvorsitzender der IB und davor auch in der NPD-Jugend aktiv, wurde als Beisitzer in den Landesvorstand gewählt. Fiß arbeitet heute im Landtag für den AfD-Fraktionsvorsitzenden Nikolaus Kramer und hat über seine Firma Okzident Media den Internetauftritt der „Generation Deutschland“ aufgebaut.

Weitere Gründungen stehen aus

In Hamburg fungiert seit einigen Tagen der AfD-Lokalpolitiker Michael Schumann als GD-Landesvorsitzender. Die taz schrieb 2023 über den „politischen Nobody“, dass er seinerzeit schon in der JA aktiv gewesen sei und dort schon „stramm rechtsextreme Positionen“ vertreten habe. Am letzten Wochenende gründete sich zudem der GD-Verband Bremen. Zum Landesvorsitzenden wurde Marcel Fetke gewählt.

Fetkes Stellvertreter im Bremer Landesvorstand ist Marvin Mergard. Er war zuvor schon in der JA aktiv und trat als deren Funktionär in Erscheinung. Zudem bewegte Mergard sich vor Jahren schon im Umfeld der IB. Der GD-Landesverband in Niedersachsen soll Ende Februar gegründet werden.

Bundesregierung sieht Kontinuität

Laut „Spiegel“ sieht auch die Bundesregierung eine Kontinuität bei der GD. Das Magazin zitierte aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Marlene Schönberger. Es gebe eine „hohe personelle Kontinuität“ zur JA, besonders bei den Funktionären des Bundesvorstands. 

Überdies halte das Ministerium fest, dass sich bei der „Generation Deutschland“ eine „inhaltlich-ideologische Kontinuität“ zeige. Grundlage für die Antwort war jedoch zunächst der Gründungskongress in Gießen sowie die dort gehaltenen Reden. Das Gros der Landesverbände gründete sich erst ab Anfang 2026.

Kategorien
Tags
Schlagwörter