Mit rasanter Geschwindigkeit verbreitete sich gestern via Facebook ein Aufruf zu einem „Online-Flashmob gegen die NPD“. Darin stand beschrieben, was zu tun sei, um die offizielle Facebook-Seite der NPD zu löschen. Die Vorgehensweise ist immer dieselbe: Jeder Facebook-Nutzer kann Fan-Seiten von Privatpersonen, Organisationen oder auch Parteien melden.
In dem Aufruf des Online-Flashmobs wurden die benötigten Schritte detailliert beschrieben. Unter „Sonstige / Missbräuchliche Inhalte“ sollte man „Enthält Hassreden oder greift ein Individuum an“ klicken und die Meldung dann absenden. In den allermeisten Fällen passiert dann folgendes: nichts. Grundsätzlich kann jeder User jede Seite, die ihm missfällt „melden“. Täglich dürften so etliche Tausende Meldungen bei dem amerikanischen Unternehmen eintreffen.
In diesem Fall scheint der Flashmob allerdings Wirkung gezeigt zu haben. Seit wenigen Stunden ist die Seite der NPD nicht mehr zu erreichen. Dies war in der Vergangenheit schon bei mehreren rechtsextremen Seiten der Fall. Auch kleinere NPD-Seiten waren davon betroffen, die „Fan-Seite“ des Bundesvorsitzenden Holger Apfel wurde auch gelöscht. Diesmal hat es jedoch die offizielle Seite der Bundes-NPD erwischt.
Aktuell gibt es keine konkrete Stellungnahme von Facebook, es ist also nicht klar, ob die Seite lediglich blockiert oder gänzlich gelöscht wurde. Die NPD zeigt sich sichtlich erbost ob dieser Aktion und schreibt von „einem erneuten Angriff auf die Meinungsfreiheit“.
In der Tat hat sich die Seite mit knapp 17.500 Fans zu ihren wichtigsten Propagandainstrument im Internet entwickelt. Der rechtsextremen Partei ist es in den vergangenen Monaten gelungen, Tausende neue Fans hinzuzugewinnen. Vor Kurzem zog die NPD bezogen auf die Anzahl der Fans an der FDP und der Linken vorbei und feierte diesen Erfolg über mehrere Tage.
Gegenüber dem Focus sagte eine Facebook-Sprecherin: „Die NPD ist eine legale Partei in Deutschland. Und obwohl das so ist, haben wir die extrem unter Beobachtung! Wenn da etwas gepostet wird, was gegen unsere Richtlinien oder gegen Deutsche Gesetze verstößt, zum Beispiel ein Hakenkreuz, treten wir sofort in Aktion.“ Facebook toleriere „keine hasserfüllten Inhalte auf Facebook“ und handele so schnell wie möglich, um Inhalte zu löschen, „die gegen unsere Richtlinien verstoßen“. Bislang haben die Betreiber der Fan-Seite peinlich genau darauf geachtet, Facebook eben genau diesen Anlass nicht zu liefern.
Es bleibt also abzuwarten, ob Facebook – wie in der Vergangenheit bereits mehrfach geschehen – die Blockierung wieder aufhebt oder die Seite dauerhaft sperrt. Über Twitter und Facebook verbreitet sich die Nachricht derweil in rasanter Geschwindigkeit. So schreibt ein Nutzer: „NPD-Seite auf Facebook ist down! :) Flashmob geglückt (?)“.
Unabhängig vom Ausgang wird jedoch eines deutlich: Kann eine kritische Masse bei Facebook mobilisiert werden, kann selbst das sonst so unerreichbar wirkende Mega-Unternehmen zu einer Reaktion bewegt werden.






