Die beiden NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit und Michael Andrejewski gaben sich am vergangenen Dienstag die Ehre und schauten bei Axel Möller vorbei. Der 47-Jährige sitzt seit Dezember 2011 in der JVA Stralsund ein. Hauptsächlich, so berichtet die NPD, hätten sich die beiden Abgeordneten mit Möller über seine Haftbedingungen unterhalten.
Der Inhaftierte offenbarte gegenüber Petereit und Andrejewski seine Enttäuschung, da er keine rechte bzw. rechtsextreme Literatur beziehen könne, selbst die rechtskonservative „Junge Freiheit“ sei ihm untersagt. Linke Zeitungen und Bücher gebe es hingegen problemlos, so Möller.
Seinem Geltungsdrang kann der inhaftierte Möller seit seiner Inhaftierung Dezember nur noch sehr begrenzt nachkommen. Auf Altermedia erscheinen seitdem die sogenannten Franzenshöher Notizen. In dieser Art Erfahrungsbericht schreibt der Stralsunder über seinen recht drögen Alltag und weitere Erlebnisse in der JVA Stralsund.
Möller war im Oktober letzten Jahres zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Rostock verurteilte ihn in annähernd 50 Fällen – u.a. wegen wegen Volksverhetzung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, öffentlicher Aufforderung zu Straftaten, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole.
Für die NPD kein Grund, sich von dem ehemaligen Altermedia-Betreiber zu distanzieren. Nach Aussage der NPD wurde Möller ohnehin nur aufgrund von „Meinungsparagraphen“ verurteilt. Während des Prozesses hatten rechtsextreme Portale immer wieder ihre Unterstützung kundgetan und „Solidarität mit Altermedia“ gefordert. Auch die vom Landtagsabgeordneten David Petereit verantwortete Website stellte sich hinter Möller und somit auch sein Schaffen.
Mit dem Besuch – und dem Bericht über selbigen – dürfte die NPD wohl hauptsächlich auf die rechte Szene abzielen. Wie in keinem anderen Bundesland arbeiten die rechtsextreme Partei und freie Kräfte Hand in Hand zusammen und nutzen die Synergieeffekte. Doch seit dem Amtsantritt des neuen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel gibt es innerhalb der rechten Szene heftige Streitereien. Vielen ist sein Kurs zu weichgespült. Zudem hat sich Apfel innerhalb weniger Monate von mehrerer Parteimitgliedern und parteinahen Personen distanziert, da diese nicht mit der neuen gemäßigteren Parteilinie vereinbar waren.
Genau dies will und kann sich der Landesverband M-V offenbar nicht leisten. Ein Zerwürfnis mit den Kameradschaften wäre fatal und würde spätestens zur nächsten Wahl in einem Fiasko enden. Und so setzt die NPD mit dem Besuch Möllers ein Zeichen. Sie stellt sich hinter ihn und seine Sympathisanten und konterkariert damit auch Holger Apfels Kurs der „seriösen Radikalität“.






