Samstag, 11. Februar 2012

Pleiten, Pech und Pannen: Ließ der Verfassungsschutz M-V die Zwickauer Zelle bereits 1999 entwischen?

von 
NSU-Tatverdaechtige
Nun hat auch der mecklenburgische Verfassungsschutz seine Leiche im Keller. Offensichtlich hätten die Schlapphüte von der Ostsee die Zwickauer Terrorzelle bereits 1999 dingfest machen können. Damals beobachteten sie Hans Günther Eisenecker, den NPD-Vorsitzenden von Mecklenburg-Vorpommern und Anwalt der mutmaßlichen Terroristen Beate Zschäpe.
Storch Heinar

Im Jahre 1999 – so die Vermutung der Verfassungsschützer – könnten dem stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Hans Günther Eisenecker Informationen vorgelegen haben, wo sich die drei mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe nach ihrem Untertauchen ein Jahr zuvor aufhielten. 1998 hatte sich das Trio durch Flucht einer Verhaftung entzogen, nachdem in einer von Zschäpe angemieteten Garage Sprengstoff gefunden worden war.

Deshalb observierte das Landesamt die Anwaltskanzlei von Eisenecker in Goldenbow bei Schwerin, zu dem die mutmaßliche Terroristin Kontakt aufgenommen hatte. Der umtriebige Rechtsanwalt hatte seinerzeit die Vertretung von Zschäpe, die genau wie Mundlos und Böhnhart wegen „Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens“ per Haftbefehl gesucht wurden, übernommen, wie Oberstaatsanwalt Hans-Otto Niedhammer von der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft in Jena dem Nordkurier bestätigte. Wahrscheinlich wurde die Chance vertan, die Bande frühzeitig dingfest zu machen. Das Blatt beruft sich dabei auf Informationen aus dem Umfeld der Bundesregierung.

Offenbar führten die Landesverfassungsschützer die Observation in Eigenregie durch, ohne jedoch verwertbare Hinweise zu ermitteln. Was genau bei den Ermittlungen herauskam, bleibt im Dunkeln. Die offiziellen Stellen wollten sich nicht dazu äußern. Nur ein Jahr später begann die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrundes, der vermutlich zehn Menschen zum Opfer fielen.
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22 Kommentare

  • Kommentar-Link Mitarbeiter Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Mitarbeiter

    Es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass den Behörden die "Zwickauer Zelle" sehr wohl bekannt war. Verfassungsschutzmitarbeiter und auch Mitarbeiter amerikanischer und anderer Nachrichendienste waren an mehreren Tatorten der Zelle vermutlich nicht zufällig präsent, und SEK-Einsätze gegen die wurden offenbar nicht ohne Grund in letzter Minute abgesagt. Offenbar enthielten Verfassungsschutzbehörden den Polizeibehörden ihr Wissen gezielt vor. Warum wollte man nicht, dass gegen die bekannte Zelle vorgegangen wird? Möglicherweise deshalb, weil diese im Auftrag einer Behörde eines Staates an der Südostflanke der EU gegen Gegner in Deutschland vorging (wofür es es genügend andere Beispiele gibt) und man die für den Fall der Aufdeckung erwarteten politische Probleme vermeiden wollte? Ist der Fall so klar, dass die offizielle Bekanntgabe des angeblich rechtsextremen Hintergrunds der Taten schon vor Beginn der Ermittlungen gerechtfertigt war? Oder hat man nur die von den mutmaßlichen Auftraggebern bei der Rekrutierung ehemaliger Rechtsextremer verfolgte "plausible deniability" auf Seiten deutscher Behörden dankbar angenommen, weil sich damit eigene innenpolitische Ziele verfolgen lassen?

  • Kommentar-Link Birgit Kramp Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Birgit Kramp

    Das klingt für mich aber sehr abenteuerlich. Ich warte lieber die Ergebnisse der Untersuchungsausschüsse ab, das scheint mir sehr viel Erfolgversprechender als wilde Spekulationen im Vorfeld.

  • Kommentar-Link Malte Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Malte

    @Birgit Kramp
    Richtig! Es wird das beste sein, der Obrigkeit zu vertrauen. Gerade jetzt darf der Kampf gegen Rechts nicht durch Abweichler und Skeptiker gefährdet werden. Meldungen über die Anwesenheit von Verfassungsschutz und US-Militärgeheimdienst an Tatorten haben gewiss nichts zu bedeuten, sind Ausdruck von Verschwörungstheorien und müssen im Untersuchungsausschuss daher auch nicht näher untersucht werden. http://www.stern.de/politik/deutschland/heilbronner-polizistinnenmord-waren-verfassungsschuetzer-zeuge-beim-mord-an-michele-kiesewetter-1757092.html

  • Kommentar-Link WW Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von WW

    Birgit,

    inzwischen haben wir vieles zu akzeptieren gelernt, das für uns noch vor kurzem "sehr abenteuerlich" gewesen wäre - um nicht zu sagen absurd und unglaubwürdig.
    Mich wundert jedenfalls nichts mehr.

  • Kommentar-Link Amtsträger Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Amtsträger

    Lieber Mitarbeiter,

    vielleicht sollten Sie nicht jeden Alermediaartikel als Tatsache verkaufen. Denn jetzt folgt wieder die obligatorische Frage:

    "Es gibt zahlreiche Anzeichen dafür..."

    Wo sind diese? Wieso nennen Sie sie nicht, wenn es zahlreiche sind? Und wie man von Ermittlungspannen auf einen Auftrag der Behörden kommen will ist mir auch schleierhaft. Da ist mal wieder der Wunsch der Vater des Gedanken.

    Wieso kann hier kein einziger Rechtsextremist seine Thesen belegen? Warum werden nie irgendwleche Quellen genannt? Wann lernen diese endlich, dass ein "Man weiß doch..." oder ein "Es ist allgemein bekannt..." aus einer Meinung keine Tatsache macht?

  • Kommentar-Link Stefan Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Stefan

    @Birgit Kramp
    Es ist sicher vernünftig erst einmal Untersuchungsergebnisse abzuwarten. Aber es muss endlich auch untersucht werden. Das Verhalten des Verfassungsschutzes bereitet mit im Moment mehr Bauchschmerzen als die NPD selber. Eben weil die Vorkommnisse Grund für "wilde Spekulationen" geben. Selbst wenn davon nur 10 Prozent wahr sind, ist das höchst erschreckend.
    Es stellen sich die Fragen:
    Hätte der VS die Mordserie früher stoppen können. Wenn ja, geschah dies nicht aus Sympathie, Unfähigkeit oder anderwertigen politischen Kalkül.
    Hat der VS die Terrorgruppe sogar unterstützt? Wenn ja, geschah das versehentlich?

  • Kommentar-Link Amtsträger Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Amtsträger

    Lieber Malte,

    mittlerweile ist der von Ihnen zitierte Artikel mehr als überholt. Der GEneralbundesanwalt hat diese Meldung allumfassend dementiert. Es gibt keine Anhaltspunkte für die Anwesenheit von Amtsträgern oder Agenten am Tatort.

    Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,800945,00.html

    Im Gegensatz zu einigen Kontrollinstanzen, wie es im Moment in den Medien diskutier wird, hat der Generalbundesanwalt Zugriff auf alle Beweismittel. Die Ämter können ihm keine Dokumente vorenthalten. Deshalb hat sein Dementi, gegenüber allen anderen Behörden die obige Meldung ebenfalls dementiert haben, ein sehr hohes Gewicht.


    Sie sollten bei diesem Thema auf dem Laufenden bleiben, um solche Entwicklungen aufzunehmen. Nicht das Sie auf jede Ente hereinfallen...

  • Kommentar-Link Malte Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Malte

    @Amtsträger
    "Der GEneralbundesanwalt hat diese Meldung allumfassend dementiert. Es gibt keine Anhaltspunkte für die Anwesenheit von Amtsträgern oder Agenten am Tatort."

    Na, dann sind für anständige Menschen ja wohl keine Fragen mehr offen!

    "Wieso kann hier kein einziger Rechtsextremist seine Thesen belegen? "

    Das ist doch offensichtlich: Jegliche Skepsis gegenüber den Darstellungen der Behörden ist per Definitionem rechtsextrem. Da Rechtsextreme aber immer lügen und laut aktuellen Studien zudem auch genetisch belastet sind (niedriger IQ), können sie ihre Aussagen selbstverständlich nicht belegen. Und wie es schon in bewährtem Liedgut der Linken heisst: "Die Partei, die Partei, die hat immer Recht! Und, Genossen, es bleibe dabei; Denn wer kämpft für das Recht, Der hat immer recht."

    Bürgerliche Medien bieten rechtem Gedankengut jedoch immer noch Nährboden, indem sie Zweifel an den vollumfänglich wahrheitsgemäßen Darstellungen der Behörden nähren, indem sie trotz Dementis der Behörden solche Meldungen veröffentlichen dürfen:
    - Verfassungschutz bot Zwickauer Zelle Geld an: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,801572,00.html
    - Verfassungsschützer an Tatort anwesend: http://m.zdf.de/h/0/0,6741,8368226,00.html
    - Verfassungsschützer an weiteren Tatorten präsent: http://www.morgenpost.de/printarchiv/seite3/article1827982/Der-V-Mann-den-sie-Kleiner-Adolf-nannten.html
    - Zwickauer Zelle wurde von Verfassungschutz u.a. mit falschen Papieren unterstützt: http://www.welt.de/politik/deutschland/article13715153/Die-moegliche-Verbindung-der-Taeter-zum-Geheimdienst.html?fb_ref=artikelende&fb_source=profile_oneline
    - Türkischer Nationalist bot Verfassungsschutz Tatwaffe zum Verkauf an: http://www.merkur-online.de/nachrichten/bayern-lby/doener-morde-informantangeblich-untergetaucht-1369653.html
    - Augenzeugen berichten, dass Person nach mutmaßlichem Selbstmord der Zellenmitglieder der aus brennendem Wohnmobil geflüchtet sei: http://www.bild.de/news/leserreporter/bankueberfall/brennendes-wohnmobil-bankraub-20857504.bild.html
    - Anzeichen für Verwicklungen türkischer Mafia und türkischer Behörden in die Morde: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77108510.html

    Ich frage mich: Wie hilfreich ist eine solche Berichterstattung, die überflüssige Zweifel an der in bester rechtsstaatlicher Art und Weise bereits vor Beginn der Ermittlungen offiziell verkündeten Ermittlungsergebnissen weckt? Erfordert ein konsequenzter Kampf gegen Rechts eventuell, dass Sicherheitsbehörden die Medien bei verantwortungsbewusster Berichterstattung stärker begleiten?

  • Kommentar-Link Birgit Kramp Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Birgit Kramp

    @Malte

    Es hat für mich nichts damit zu, irgendeiner "Obrigkeit" blindlings zu vertrauen. Ich glaube schlichtweg nicht daran, dass Neonazis sich von irgendeinem Staat für Morden einspannen lassen. Rechtsextreme Gewalt wird nicht von irgendeinem ominösen fremden Staat gesteuert, sondern hat ihren Ursprung wohl eher in der Ideologie der Rechtsextremisten. Sie glauben fest daran aus "Notwehr" handeln zu müssen, um "ihr Volk und Vaterland" vor "Überfremdung" zu bewahren. Deshalb halte ich es für Unsinn anzunehmen, dass hier fremde Auftraggeber im Spiel sein könnten. Zumal ich davon ausgehen würde, dass diese sich sicher anderer Methoden und eigener Ressourcen bedienen würden.

    Gelesen haben ich den Artikel des Stern nun, dennoch kann ich hier noch keinen direkten Zusammenhang mit den Morden der Neonazis erkennen. Nach meinem Kenntnisstand haben die Neonazis auf die Polizistin und ihren Kollegen (die laut Presse gerade eine Pause gemacht haben) geschossen um an deren Waffen zu kommen und vermutlich weil sie einen direkten Angriff auf den Staat durchführen wollten.

    Was die zeitgleiche Observierung von unter Verdacht stehender Personen (Kontakt zu einer islamitischen Terrorgruppe) anbelangt, sehe ich keinen Zusammenhang zwischen diesen Personen und der NSU. Das Verfassungsschützer und Mitglieder des amerikanischen Geheimdienstes in Heilbronn diese beiden Männer beobachtet haben während ganz in ihrer Nähe rechtsextremen Terroristen eine Polizistin töten und ihren Kollegen schwer verletzen konnten, ohne das irgendjemand eingegriffen hätte, wirft auch für mich sehr viele Fragen auf, die ich gern geklärt hätte. Aber daraus ziehe ich nicht den Schluss das der Mord und der versuchte Mord mit Einwilligung oder mit Wissen dieser beiden Behörden geschehen ist. Und das hat nichts mit Obrigkeitshörigkeit zu tun, sondern beruht lediglich auf der simplen Annahme, dass in Behörden auch nur Menschen arbeiten. Sie mögen über viele Fakten informiert sein, die uns nicht zur Verfügung stehen, aber dennoch sind es nur Menschen. Solange nicht zweifelsfrei bewiesen ist, dass es hier einen Zusammenhang gibt, solange möchte ich künstlich auch keinen konstruieren. Das ist alles.

    Was den Kampf gegen Rechtsextremismus angeht, so dürfen Sie davon ausgehen, dass ich an Meinungsvielfalt und auch an ungewöhnliche Ansichten gewöhnt bin. Aber für mich sieht der erste Kommentar weniger wie Kritik am Behördenversagen aus, sondern wie ein Versuch rechtsextremistische Motivation zu verharmlosen bzw. zu leugnen, indem eine sogenannte „fremde Macht“ angenommen wird, die den Neonazis quasi die „Aufträge“ für die Morde gegeben hat (möglicherweise um sich unliebsamer Landsleute zu entledigen). Das halte ich gleich in zweifacher Hinsicht für gefährlich. Denn erstens verharmlost es die tatsächliche Motivation rechtsextremer Gewalt und zweitens könnte es auch so gedeutet werden, dass die Opfer wieder einmal mehr in Richtung Kriminalität gerückt werden. Beides haben die Opfer und ihre Hinterbliebenen meines Erachtens nicht verdient!

    Die Geheimdienste und Verfassungsschützer mögen an vielem Schuld tragen, aber das entbindet die Rechtsextremen nicht von ihrer Schuld Morde gegangen zu haben.

    Und noch etwas: Wenn eine Gesellschaft wirklich möchte, dass rechtsextremes Gedankengut in ihrer Mitte keinen Raum findet, warum fangen ihre Mitglieder dann nicht endlich damit an, sich zu fragen was sie selber dazu beitragen, dass Hass, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit nicht aus unserem Alltag verschwindet? Das wäre meines Erachtens mal ein wirklich großer Schritt. Nicht nur andere tragen Schuld daran, sondern wir alle tragen Tag für Tag auch unseren Teil dazu bei. Und niemand traut sich, sich das selber einzugestehen. Stattdessen sind wir Meister darin stellvertretend für unsere eigenen Vorurteile Südenböcke zu finden und diese an den Pranger zu stellen. Aber Extremismus jedweder Art wird bei solchem Vorgehen nicht zu bekämpfen sein. Erst wenn wir bei uns selber anfangen, im Kleinen wie im Großen, und unsere Vorurteile immer wieder selber hinterfragen, erst dann werden wir es schaffen eine Kultur der Anerkennung und Gleichberechtigung zu schaffen, in der Vielfalt eine Bereicherung und keine Konkurrenz darstellt.

  • Kommentar-Link Birgit Kramp Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Birgit Kramp

    @WW

    Ich halte es schon für möglich, dass hier eine Operation vom Verfassungsschutz und amerikanischen Geheimdienst durch die Schüsse der Neonazis ein jähes Ende fand.

    Was ich daran allerdings unerträglich finde ist die Tatsache, dass die Beamten – aus welchen Gründen auch immer – keine Möglichkeit gesehen haben, die Rechtsextremisten zu verfolgen. Ebenso wenig fanden sie offenbar einen Weg – sofern sie Augenzeugen gewesen sein sollten – die Strafverfolgung zu unterstützen. Ein solches - für mich völlig unverständliches – unmenschliches Verhalten gehört auf jeden Fall auf den Prüfstand bzw. an den Pranger!

    Aber der Artikel im Stern gibt mir nicht genug Informationen um wirklich zu dem Urteil zu gelangen, dass die rechtsextreme Terrorzelle hier mit Wissen und Billigung von Geheimdienst und Verfassungsschutz agiert hat und weiterhin agieren konnte. Deshalb möchte ich die Untersuchungsergebnisse abwarten.

  • Kommentar-Link Birgit Kramp Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Birgit Kramp

    @Stefan

    Ich stimme Ihnen zu, die Untersuchungen müssen endlich beginnen. Was den Arbeitsbeginn der Untersuchungsausschüsse in den Ländern betrifft, bin ich nicht ganz im Bilde. Ich habe in den Medien nur verfolgt, dass der Untersuchungsausschuss des Bundestages seine erste Sitzung hatte und seine Arbeit aufgenommen hat.

    Auch ich habe mir seit Bekanntwerden der Neonazi-Morde schon mehr als einmal die Frage gestellt, ob die Behörden diese Mordserie nicht schon viel früher hätte beenden können. Ich mag auch nicht an den Schmerz der Angehörigen denken, wenn sie vielleicht erfahren müssen, dass der geliebte Mensch heute noch leben könnte, hätten die Behörden keine Fehler gemacht. Wie kann man in einem solchen Fall den Hinterbliebenen sein Mitgefühl ausdrücken, wie kann man ihnen Trost spenden? Ich weiß es nicht...

  • Kommentar-Link Malte Samstag, 11. Februar 2012 gepostet von Malte

    @Birgit Kramp
    "Ich glaube schlichtweg nicht daran, dass Neonazis sich von irgendeinem Staat für Morden einspannen lassen. "

    Es gibt genügend Beispiele für Fälle von Verbindungen zwischen Neonazis und staatlichen Stellen (z.B. Gladio) oder Neonazis und organisierter Kriminalität, um eine entsprechende Hypothese nicht auszuschließen.

    "Deshalb möchte ich die Untersuchungsergebnisse abwarten."

    Und wenn der Untersuchungsausschuss ähnlich arbeitet wie frühere Ausschüsse dieser Art (z.B. der zu den Kunduz-Luftangriffen) und nicht Zugang zu bestimmten Dokumenten etc. erhält oder bestimmte Fragen erst gar nicht stellt? Zumal die Vorgänge zur Regierungszeit aller größeren Parteien stattfanden, die sich ggf. selbst belasten müssten. Es gibt zudem zahlreiche Präzendenzfälle dafür, dass Regierung und Behörden Einfluss auf die Arbeit der Regierung nehmen, wenn es um Sicherheits- oder Geheimdienstfragen geht. Ich vertraue daher nicht auf den Untersuchungsausschuss.

  • Kommentar-Link Roichi Sonntag, 12. Februar 2012 gepostet von Roichi

    @ Malte

    "Das ist doch offensichtlich: Jegliche Skepsis gegenüber den Darstellungen der Behörden ist per Definitionem rechtsextrem."

    "Bürgerliche Medien bieten rechtem Gedankengut jedoch immer noch Nährboden, indem sie Zweifel an den vollumfänglich wahrheitsgemäßen Darstellungen der Behörden nähren, indem sie trotz Dementis der Behörden solche Meldungen veröffentlichen dürfen:"

    "Ich frage mich: Wie hilfreich ist eine solche Berichterstattung, die überflüssige Zweifel an der in bester rechtsstaatlicher Art und Weise bereits vor Beginn der Ermittlungen offiziell verkündeten Ermittlungsergebnissen weckt?"

    Du hast nicht nur deine Aussage von oben widerlegt, sondern auch rausgefunden, dass die Pressefreiheit gegeben ist, und keine Meinungen unterdrückt werden. Glückwunsch, auch wenn das den Björn jetzt ärgern wird.
    Natürlich dürfen die Medien spekulieren, und natürlich dürfen die Leute die unmöglichsten Theorien entwickeln.
    Das ist vor Gericht, und in der Untersuchung durch die Parlamente zum Glück egal. Diese haben Zugriff auf das Primärmaterial. Genauso wie die Bundesanwaltschaft.

    Das bißchen Restintelligenz zur Einordnung der bereits vorliegenden Fakten muss der Bürger dann aber schon noch selbst aufbringen. Zumindest bis das Verfahren abgeschlossen und die Untersuchungen beendet sind.
    Birgit hat das auch sehr schön beschrieben. Deshalb belasse ich es jetzt mal dabei.

  • Kommentar-Link Karl_Murx Dienstag, 14. Februar 2012 gepostet von Karl_Murx

    @Malte:
    "Ich frage mich: Wie hilfreich ist eine solche Berichterstattung, die überflüssige Zweifel an der in bester rechtsstaatlicher Art und Weise bereits vor Beginn der Ermittlungen offiziell verkündeten Ermittlungsergebnissen weckt? Erfordert ein konsequenzter Kampf gegen Rechts eventuell, dass Sicherheitsbehörden die Medien bei verantwortungsbewusster Berichterstattung stärker begleiten?"

    Daran wird wohl in Zukunft kein Weg mehr vorbeiführen, wenn weiterhin in solch wahrlich nicht hilfreicher Weise von unverantwortlichen Journalisten derlei rechtsextremen Verschwörungstheorien Raum gegeben wird.

    Was Ihre verlinkten Artikel betrifft, so haben Sie anscheinend schon den Finger drauf, Malte. Lesen Sie meinen Beitrag im Forum, wo es um die Löschung von Handy-Daten durch einen Mitarbeiter des BKA geht.

  • Kommentar-Link Karl_Murx Dienstag, 14. Februar 2012 gepostet von Karl_Murx

    @Malte:
    "Es gibt genügend Beispiele für Fälle von Verbindungen zwischen Neonazis und staatlichen Stellen (z.B. Gladio) oder Neonazis und organisierter Kriminalität, um eine entsprechende Hypothese nicht auszuschließen."

    Das gab und gibt es natürlich. Jedoch bin ich anhand der im Moment verfügbaren Informationen und den vorliegenden Artikeln davon überzeugt, daß Böhnhardt und Mundlos nicht einen einzigen Mord begangen haben. Die von mir verlinkten Artikel auf dem erwähnten Forum deuten darauf hin, daß für die Döner-Morde offenbar unterschiedliche Täter aus der türkischen Nationalistenszene, konkret den erwähnten Grauen Wölfen, bzw. der Mafia verantwortlich sind. Der Mord an der Polizistin in Heilbronn geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Konto des Mehrfachagents von CIA bzw. dem türkischen Geheimdienst MIT Mevlüt Kar, der mit einem noch nicht identifizierten Komplizen den Anschlag auf die Polizeistreife verübte.

    "Und wenn der Untersuchungsausschuss ähnlich arbeitet wie frühere Ausschüsse dieser Art (z.B. der zu den Kunduz-Luftangriffen) und nicht Zugang zu bestimmten Dokumenten etc. erhält oder bestimmte Fragen erst gar nicht stellt? Zumal die Vorgänge zur Regierungszeit aller größeren Parteien stattfanden, die sich ggf. selbst belasten müssten. Es gibt zudem zahlreiche Präzendenzfälle dafür, dass Regierung und Behörden Einfluss auf die Arbeit der Regierung nehmen, wenn es um Sicherheits- oder Geheimdienstfragen geht. Ich vertraue daher nicht auf den Untersuchungsausschuss."

    Ich auch nicht. Die werden nach Kräften versuchen, den Fall zu "vermannicheln", d.h.,auf Zeit zu spielen und die Ermittlungen dann peu a peu einschlafen zu lassen. Meine Hoffnung liegt darauf, daß inzwischen zu viele Leute mißtrauisch geworden sind und nicht müde werden nachzuhaken.

  • Kommentar-Link Amtsträger Dienstag, 14. Februar 2012 gepostet von Amtsträger

    Lieber Karl,

    das sind ja tolle Thesen...

    Wie kommen die Täter dann an die Tatwaffen und an die Dienstwaffen der Beamten?
    Woher haben sie die Tatortfotos?
    Wieso wurden sie bei Vorbereitungshandlungen in Tatortnähe videographiert?
    Warum haben die Täter ein Bekennervideo produziert?

  • Kommentar-Link Amtsträger Dienstag, 14. Februar 2012 gepostet von Amtsträger

    Lieber Karl

    "Lesen Sie meinen Beitrag im Forum, wo es um die Löschung von Handy-Daten durch einen Mitarbeiter des BKA geht."

    Welche Handydaten wurden denn gelöscht? Und von wem? Wenn Sie nicht einmal so simple Sachverhalte korrekt aufnehmen können, was soll dann erst bei komplexen passieren?

  • Kommentar-Link Roichi Dienstag, 14. Februar 2012 gepostet von Roichi

    @ Karl

    Mal wieder eine Verschwörungstheorie erzeugt?
    Interessant. Mehr auch nicht.

  • Kommentar-Link Karl_Murx Dienstag, 14. Februar 2012 gepostet von Karl_Murx

    @Birgit Kramp:
    "Gelesen haben ich den Artikel des Stern nun, dennoch kann ich hier noch keinen direkten Zusammenhang mit den Morden der Neonazis erkennen."

    Es gibt auch keinen Zusammenhang zwischen dem Polizeimord in Heilbronn und den Dönermorden, von der ominösen Ceska abgesehen, die sich unter ominösen Umständen im abgebrannten Wohnwagen in Eisenach angefunden hat. Ebensowenig, wie es einen Zusammenhang dieser "NSU-Gruppe" zwischen den Dönermorden gibt.

    "Nach meinem Kenntnisstand haben die Neonazis auf die Polizistin und ihren Kollegen (die laut Presse gerade eine Pause gemacht haben) geschossen um an deren Waffen zu kommen und vermutlich weil sie einen direkten Angriff auf den Staat durchführen wollten."

    Auch der Kampf-gegen-Rechts entbindet nicht von der Pflicht, gewisse logische Widersprüche und kriminalistische Grundlagen außer Kraft zu setzen. Warum sollten wohl zwei Rechtsextreme die mehreren Hundert Kilometer nach Heilbronn fahren, um dort in aller Öffentlichkeit und am hellichten Tage eine Polizeistreife zu attackieren, von deren Anwesenheit zu dieser Zeit und an diesem Ort sie nichts wissen konnten, um sich deren Dienstwaffen (wie auch deren Handschellen und deren Pfefferspray) zu beschaffen, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens zwei Waffen besaßen, nämlich eine polnische Radom und eine russische Tokarev? Zumal diese Dienstwaffen, zwei Heckler&Koch, später niemals eingesetzt wurden und erst wieder in der völlig ausgebrannten Zwickauer Wohnung auftauchten?

    "Was die zeitgleiche Observierung von unter Verdacht stehender Personen (Kontakt zu einer islamitischen Terrorgruppe) anbelangt, sehe ich keinen Zusammenhang zwischen diesen Personen und der NSU. Das Verfassungsschützer und Mitglieder des amerikanischen Geheimdienstes in Heilbronn diese beiden Männer beobachtet haben während ganz in ihrer Nähe rechtsextremen Terroristen eine Polizistin töten und ihren Kollegen schwer verletzen konnten, ohne das irgendjemand eingegriffen hätte, wirft auch für mich sehr viele Fragen auf, die ich gern geklärt hätte."

    Es läßt aber viele Schlüsse auf die Täter zu. Die observierten Leute, unter anderem der CIA- und MIT- (türkischer Geheimdienst) Doppelagent Mevlüt Kar, waren gewaltbereit und bewaffnet und hatten sehr wohl Motiv und Gelegenheit, den Mord an der Polizisten zu verüben.

    "Aber daraus ziehe ich nicht den Schluss das der Mord und der versuchte Mord mit Einwilligung oder mit Wissen dieser beiden Behörden geschehen ist."

    Das hatte auch niemand behauptet. Was zu kritisieren ist, sind die Vertuschungsmanöver und die bewußte Irreführung der Öffentlichkeit durch die Dienste, die hier bewußt und gezielt eine falsche Spur in Richtung einer "rechtsextremen NSU-Terrorgruppe" legen, um von der eigenen Verwicklung in diese Vorfälle abzulenken.

    "Solange nicht zweifelsfrei bewiesen ist, dass es hier einen Zusammenhang gibt, solange möchte ich künstlich auch keinen konstruieren. Das ist alles."

    Sehr schön gesagt. Bezieht sich das auch auf den Zusammenhang zwischen dieser "NSU-Gruppe" und den Morden, bei der in den Medien von Anfang so berichtet wird, als wäre deren Schuld und Täterschaft bewiesen, obwohl es zur Zeit gegen das verbliebene Mitglied Beate Zschäpe nicht einmal eine Anklage gibt und man nicht in der Lage ist, ihr über die Brandstiftung hinaus irgendetwas Relevantes nachzuweisen? Angesichts der sich häufenden und teilweise haarsträubenden Widersprüche und Ungereimtheiten und der permanenten Vertuschungsversuche der Dienste ist eine Urheberschaft dieser "NSU-Gruppe" weit davon entfernt, bewiesen zu sein. Was ich erkenne, ist eine hysterische Kampagne von linksgrün wegen einer angeblichen rechtsextremen Terrorgefahr und gegen alles, was nicht dem eigenen politischen Spektrum entspricht, inklusive der Forderung nach Verschärfung der Überwachungsgesetze mit einer eindeutigen politischen Provenienz.

    Was den Kampf gegen Rechtsextremismus angeht

  • Kommentar-Link Karl_Murx Donnerstag, 16. Februar 2012 gepostet von Karl_Murx

    @Marc Brandstetter:

    Neue Gefahr von rechts!!! Selbst nach Verhaftung und Unschädlichmachung des mordenden und raubenden rechtsextremen "NSU-Doppel-Trios" ist das Unheil noch nicht gebannt. Die Entsorgung der beiden rechtsradikalen Killer-Katzen von Beate Zschäpe hält die Öffentlichkeit auch noch weiter in Atem. Droht jetzt die Etablierung eines bizarren rechtsextremen "NSU-Katzen-Kultes?

    http://www.politplatschquatsch.com/2012/02/nsu-angst-vor-den-killer-katzen.html

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