Freitag, 10. Februar 2012
Die Augen rechts – Neonazis im Ausland
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Die Zwickauer Nazi-Terrorzelle soll vor Jahren versucht haben, sich ins südliche Afrika abzusetzen. Auch nach dem Ende der Apartheid sind am Kap der Guten Hoffnung weiterhin Neonazis aktiv. Vor allem solche aus Deutschland. Ein früherer Panzergrenadier der Bundeswehr zum Beispiel, nach dem man gar nicht lange suchen muss. Er hinterlässt ganz offen Spuren bis nach Baden-Württemberg.
Besonders erfreut schien der Herr Professor aus Stuttgart nicht. Es ging um einen scheinbar unverdächtigen Verein und seine Tätigkeit in demselben. "Hilfskomitee Südliches Afrika" klingt nach einer humanitären Organisation zur Betreuung von Aids-Waisen, tatsächlich bemüht sich dieses Hilfskomitee eher um die "Deutschen in Südafrika" und vor allem darum, deren – so wörtlich – "Überleben zu sichern", so als wäre es ernsthaft bedroht. Dieses Hilfskomitee, vor 35 Jahren von einem führenden NPD-Mann gegründet, ist ein Sammelbecken von Rassisten und Rechtsextremen. Kein Wunder also, dass sich der Herr Professor mit seinen 74 Lebensjahren aus Stuttgart von Journalisten ungern darauf ansprechen lässt und sich öffentlich eher deutlich zurückhalten möchte, so wie es dieser Verein seit Jahrzehnten tut.
Die Recherchen zur braunen Terrorzelle aus Zwickau hatten für Insider die Aufmerksamkeit – wohlgemerkt keinen Verdacht – auch auf jenes Hilfskomitee gelenkt. Mehrere Medien hatten zunächst darüber spekuliert, ob das Terrortrio sich nach Südafrika habe absetzen wollen. Womöglich waren sie sogar zeitweise dort gewesen und hatten auf der Farm eines deutschen Auswanderers mit engen Verbindungen zu jenem Hilfskomitee Südliches Afrika mit Schusswaffen trainiert. Bis dato ist das reine Spekulation. Die Waffengeschichte auf der Farm jedoch sowie die Aktivitäten deutscher Rassisten und Rechtsextremisten am Kap der Guten Hoffnung sind dagegen alles andere als eine bloße Vermutung. Die Geschichte hat etwas zu tun mit einem früheren Panzergrenadier der Bundeswehr, der seit 1986 in Südafrika lebt, und mit einem Professor für deutsche Literatur aus Stuttgart.
Hartmut Fröschle, so heißt jener Professor aus Stuttgart, mag sich nur ungern zu dem Hilfskomitee und nur in dürren Worten zu dem Rassismus-Vorwurf äußern. Offiziell hat sich die Vereinigung die "Unterstützung auslandsdeutscher Schulen" auf die Fahnen geschrieben, und das, sagt Fröschle, "ist kein Rassismus". Und als Chef dieses von Verfassungsschützern anfangs als rechtsextremistisch eingestuften Vereins will er schon gar nicht bezeichnet werden. "Ich bin nicht der Vorsitzende", lässt er auf Anfrage der Kontext:Wochenzeitung wissen. Allerdings benennt die offizielle Website des Hilfskomitees Südliches Afrika ziemlich eindeutig einen Vorsitzenden, nämlich genau jenen Professor aus Stuttgart. Das, sagt Fröschle, sei eine "unverzeihliche Schlamperei", denn er sei "seit einigen Jahren nicht mehr Vorsitzender".
Glühender Verfechter des Apartheidregimes
Schweigsam wird der Professor, wenn es um jenen deutschen Expanzergrenadier mit Wohnsitz in Südafrika geht, der unter Experten als glühender Verfechter des früheren Apartheidsregimes gilt und der als Referent und Publizist seit Jahren intensive Verbindungen zum Hilfskomitee Hartmut Fröschles pflegt. Wie es zu dieser Zusammenarbeit gekommen war? "Weiß ich nicht", erklärt Fröschle.
Dieser Expanzergrenadier namens Claus Nordbruch hat wegen der Zwickauer Zelle durchaus das Interesse von Ermittlern geweckt. Nordbruch pflegte Verbindungen zu rechten Kameradschaften nach Thüringen, war persönlich bei einer Veranstaltung des Thüringer Heimatschutzbunds in Jena vor Ort. Und jener Heimatschutzbund war in den 90er-Jahren auch die Heimat des Terrortrios aus Zwickau.
Claus Nordbruch (links) bei einer Preisverleihung mit dem rechtsextremen Verleger der Deutschen Nationalzeitung, Gerhard Frey.Claus Nordbruch, der sich nach einem Studium im südafrikanischen Pretoria auch Publizist und Historiker nennt, macht aus seiner rechten Weltanschauung kein Geheimnis. Er hat mehrere Dutzend Bücher mit Titeln wie "Machtfaktor Zionismus" veröffentlicht und dabei vor allem mit dem als rechtsextremistisch eingestuften Grabert-Verlag aus Tübingen zusammengearbeitet. Seit Jahren wird er in der selbst ernannten "Germanischen Weltnetzgemeinschaft" via Internet als einer verherrlicht, der "den Zionismus als Schlüssel zum aktuellen Weltgeschehen erkannt" habe.
Für das im fränkischen Coburg ansässige und vom Stuttgarter Professor geleitete Hilfskomitee Südliches Afrika hielt er geschichtsrevisionistische Vorträge über die Kolonialzeit im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Der von unabhängigen Historikern verbriefte deutsche Völkermord an den Hereros nach 1904 unter General von Trotha sei eine Lüge. Und Hartmut Fröschle assistiert dabei: Dieser Kampf, den von 80 000 nur knapp 10 000 Hereros überlebt hatten, das alles war, schrieb Fröschle in einem Beitrag für die FAZ, "ein normaler Kolonialkrieg, kein Genozid". Da waren sich die beiden Herren einig. Und so mag sich auch erklären, dass Nordbruch vom Hilfskomitee für seine klare Meinung mit dem "Südwestreiter" ausgezeichnet wurde, dem denkmalhaften Symbol der alten Kolonialmacht Deutschland im heutigen Namibia.
weiter zu Teil 2 des Textes, der zuerst bei "Kontext: Wochenzeitung" erschienen ist
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