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Am 3. Februar wurde der Josef-Felder-Preis vom Vorsitzenden der BayernSPD Florian Pronold im Dokumentationszentrum Nürnberg an das Bürgerforum Gräfenberg übergeben. Damit wird das langjährige und phantasievolle Engagement der Gräfenberger gegen die Naziaufmärsche in ihrem Ort gewürdigt.
Im Jahr 2000 sagte Renate Schmidt bei der damaligen Verleihung des Josef-Felder-Preises: „Dass es diesen Preis gibt, hat viel mit Krisenerscheinungen unserer Demokratie zu tun. Mit zunehmendem Rechtsextremismus, mit Lethargie, ja Aggressivität gegen demokratische Grundsätze, mit Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz, mit militanten nationalistischen Parolen und Angriffen auf das Gemeinwohl“.
Florian Pronold würdigte in seiner Laudatio den Widerstand des Gräfenberger Bürgerforums gegen die über mehrere Jahre monatlich durchgeführten Naziaufmärsche in ihrem Ort. Drohungen der Nazis konnten sie ebenso wenig einschüchtern wie Strafbefehle wegen der „Behinderung“ einer Nazidemonstration sowie zahlreiche Ermittlungsverfahren: 40 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet, mit Porträtfotos in der Hand waren Beamte durch den Ort gelaufen, auf der Suche nach der Identität derjenigen, die einen Umweg für einen Naziaufmarsch zu verantworten hatten.
Und das Bürgerforum ist weiter aktiv gegen Nazis und deren rassistische Ideologie, auch wenn die Nazis ihre monatlichen Aufmärsche eingestellt haben. Florian Pronold: „Das Bürgerforum Gräfenberg hat länger durchgehalten, als die braunen Horden. Ich freue mich, dass sie weiter durchhalten mit ihrem Engagement gegen Rechtsextremismus und für Demokratie und Menschlichkeit.“
Pronold hatte zuvor darauf hingewiesen, dass es immer wieder eine „signifikante Zunahme von rechtsextremen Gewalttaten gegeben hat, wenn aus der Mitte des demokratischen Parteienspektrums dieselben rechtsradikalen Parolen gekommen“ sind. „Die Täter agieren aus dem Gefühl heraus, dass sie glauben den Willen einer schweigenden Mehrheit nachzukommen. Deshalb ist das zivilgesellschaftliche Engagement unverzichtbar, sagte Pronold weiter.
Inzwischen versuchen die Nazis, Demokrat/inn/en und Antifaschist/inn/en mit direkten Angriffen einzuschüchtern. Nicht nur das Auto des langjährigen Sprechers des Bürgerforums Michael Helmbrecht wurde vor kurzem massiv beschädigt, auch in Fürth und der ganzen Region wird von den Nazis gegen Menschen vorgegangen, die sich gegen Rechts engagieren.
Karin Bernhard vom Bürgerforum betonte in ihrer Rede, dass sie sich besonders darüber freue, den Preis gemeinsam mit dem Antifaschistischen Informations- und Dokumentationsarchiv (a.i.d.a.) in München erhalten zu haben: Die Recherchen von a.i.d.a. bilden eine wichtige Grundlage und liefern wichtige Informationen für die Tätigkeit aller Initiativen gegen Rechts.
Pronold erneuerte in diesem Zusammenhang seine Kritik an der Praxis des Verfassungsschutzes. Immerhin habe a.i.d.a. bereits zum vierten Mal erfolgreich gegen den Freistaat geklagt, weil dieser die Archivstelle als linksextrem im Verfassungsschutzbericht erwähnt hatte. Pronold: „Das ist der Beweis dafür, dass wenigstens bis zum Bekanntwerden der schrecklichen Mord-Serie der NSU, viel zu oft auf der falschen Seite geschaut wurde.“
Karin Bernhard, Rudolf Schäfer und Marta Schmidt vom Bürgerforum Gräfenberg nahmen den Preis in Gegenwart von mehr als 100 geladenen Gästen in Empfang. Unter ihnen war die frühere Landesvorsitzende der BayernSPD und Bundesfamilienministerin a. D. Renate Schmidt, die Bundestagsabgeordneten Günter Gloser und Marlene Ruprecht, die frühere Bundestagsabgeordnete Heide Mattischek, die Landtagsabgeordneten Angelika Weikert und Dr. Christoph Rabenstein, der Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg und SPD-Stadtrat Arno Hamburger sowie Vertreter von vielen Initiativen und Organisationen gegen Rechts in Franken. Der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly betonte in seinem Grußwort, wie wichtig es ist, im Kampf gegen den Rechtsextremismus auch in Zukunft nicht nachzulassen.
Der von der BayernSPD gestiftete Preis ist nach Josef Felder (24.08.1900 – 28.10.2000) benannt, einem der SPD-Reichstagsabgeordneten, die trotz massiver Drohungen und dem Aufmarsch der SA vor und während der Reichstagssitzung gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis stimmten. Josef Felder wurde von 1934 bis 1936 im KZ Dachau eingesperrt. Nach 1945 gab er seine Erfahrungen an junge Menschen weiter und betonte, dass „Gemeinwohlorientierung und Zivilcourage die Voraussetzungen gewesen wären, den Untergang der Weimarer Republik, die Machtübernahme durch die Nazis und deren unermessliche Verbrechen zu verhindern“.
Am 3. Februar fand nicht nur die Preisverleihung an das Bürgerforum Gräfenberg statt: In Ansbach gingen mehr als tausend Menschen auf die Straße. Anlass war ein Überfall auf eine alternative Gaststätte und deren Besucher durch ca. 20 Nazis in der Neujahrsnacht. Und am Abend fand im Gewerkschaftshaus in Nürnberg eine Kulturveranstaltung statt, deren Erlös den durch die Nazi-Anschläge der letzten Wochen Geschädigten zugute kommen.
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