Am 14. Januar mobilisieren NPD und freie Kräfte erneut zum sogenannten Trauermarsch nach Magdeburg. Sie stemmen sich durch eine „Meile der Demokratie“ gegen die Instrumentalisierung des geschichtsträchtigen Termins durch die Neonazis. Was hat es mit dieser Initiative auf sich?
Seit 1999 missbrauchen die Nazis den Gedenktag an die Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg für ihre Zwecke, und fast genauso lang organisiert das Bündnis gegen Rechts Magdeburg die Proteste dagegen. Wir haben dabei schon unterschiedliche Protestformen ausprobiert: Demonstrationen, Mahnwachen, Kundgebungen oder Menschenketten.Die Idee der „Meile der Demokratie“ entstand, weil wir bei den anderen Protestformen in den Jahren vorher nur wenig Zuspruch bekommen haben. Unsere Mahnwachen bei Winterwetter waren einfach nicht attraktiv und unsere Protestaktivitäten bekommen im Vergleich zu Dresden wesentlich weniger öffentliche Aufmerksamkeit und wesentlich weniger Unterstützung von außerhalb.
Deshalb haben wir versucht, mit dem Konzept der „Meile der Demokratie“, mit Bühnen, Infoständen und Aktionen auf der Straße neue Zielgruppen anzusprechen und gleichzeitig den Breiten Weg (die historische Magistrale in unserer weitläufigen Innenstadt) zu besetzen. Veranstalter der „Meile“ sind seit der ersten Durchführung 2009 das Bündnis gemeinsam mit der Stadt Magdeburg.
Die „Meile der Demokratie“ ist mit den Jahren gewachsen und wir haben dabei dazugelernt und unser Konzept weiterentwickelt, so dass die „bunten und friedlichen Aktionen“, zu denen wir aufrufen, in diesem Jahr längst nicht mehr nur auf den Breiten Weg konzentriert sind, sondern auch an anderen Orten in der Stadt und z.T. sogar mobil sein werden.
Was erwartet die Besucher an dem Tag?
Wir bieten ein breites Programm mit drei Bühnen und nach derzeitigem Anmeldestand (5. Januar) rund 150 Aktionen von ganz unterschiedlichen Akteuren. Dazu gehören die inhaltliche und thematische Auseinandersetzung mit Infoständen, Diskussionsrunden oder auch Vorträgen, aber auch Angebote wie Musik, Konzerte, Mitmachaktionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene oder andere kulturelle und kreative Angebote. Neu dabei sind in diesem Jahr z.B. das Theater mit einem eigenen „Aktionstag für Demokratie“, eine Mahnwache an der Synagoge oder auch eine Straßenbahnsonderfahrt für Senior_innen, die natürlich inhaltlich gestaltet ist – um nur weniges aus dem bunten Programm herauszugreifen.
Alle Infos zum Programm und unseren Aktivitäten finden Sie aber auf unserer Internetseite http://bgrmagdeburg.wordpress.com, die wir laufend aktualisieren.
Nachdem der Neonazi-Aufmarsch in Dresden nun zwei Jahre in Folge blockiert worden ist, scheinen die Rechtsextremen kein probates Mittel dagegen gefunden zu haben. Gibt es Erkenntnisse darüber, dass die rechte Szene nun vermehrt nach Magdeburg ziehen könnte, da dort eine Blockade der Demonstration unwahrscheinlicher ist? Auch die NPD prophezeit für den kommenden Sonnabend einen „gewaltigen Marsch junger Deutscher“.
Wir werden sehen, was an ihren vollmundigen Ankündigungen dran ist. Aber wir befürchten auch, dass sich ihr sogenannter Trauermarsch hier zu einem „Ersatz für Dresden“ entwickeln könnte.
Umso wichtiger ist es deshalb, dass wir ihnen jetzt am 14. Januar mit unseren Protesten ein deutliches und sichtbares Signal entgegensetzen. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie in Magdeburg genauso wenig willkommen sind wie in Dresden. Dazu benötigen wir aber unbedingt eine breite Unterstützung von außerhalb. Für zwei Wochen nach der Weihnachtspause einen großen Aktionstag vorzubereiten und dazu zu mobilisieren, bringt uns regelmäßig an den Rand unserer Kräfte. Zudem sagen viele Sympathisant_innen von außerhalb – mit Verweis auf Dresden – ihre Teilnahme an unseren Protesten ab. Deshalb rufen wir alle dazu auf, noch mal zu überlegen, ob sie nicht doch kommen und uns unterstützen können.
Das Bündnis „Dresden nazifrei“ ruft erneut zu Blockaden des Trauermarsches im Februar auf. Sie hingegen nicht.
Dazu haben wir über das Jahr hinweg breit und intensiv diskutiert. Es gibt in unserem Bündnis zur Frage des Aufrufes zu und Beteiligung an Blockaden unterschiedliche Haltungen. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, dies zu respektieren und unterschiedliche Protestformen möglich zu machen. Diese können dann auch unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Die einen gehen vielleicht lieber zu einem Konzert oder mit ihren Kindern zum Laternenumzug, andere ziehen es vor, direkt auf der Straße in Sicht- und Hörweite des sogenannten Trauermarsches Gesicht zu zeigen.
Gemeinsam ist uns das Ziel, dass „überall in der Stadt bunte und friedliche Aktionen stattfinden“, wie wir es in unserem Aufruf formuliert haben: „Die Vielfalt der Aktionen soll deutlich machen: Wir wollen keinen Nazi-Aufmarsch in unserer Stadt!“ Deshalb, wie gesagt, wir brauchen Ihre Unterstützung: „Lassen Sie uns den Neonazis gewaltfrei mit Zivilcourage und Entschlossenheit entgegentreten!“






